Was zu beweisen war …

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Der Mode aus den Zwanziger Jahren haftet ja das Vorurteil an, sie sei eigentlich nur von Frauen mit superschlanker, androgyner Figur zu tragen. Ich finde das nicht (und habe auch nicht mehr so eine Figur), allerdings habe ich um ein bestimmtes Design bisher auch immer einen Bogen gemacht: dem Gürtel auf Hüfthöhe, leider äußerst beliebt in der damaligen Zeit. Nun bin ich der Sache mal auf den Grund gegangen und – Spoiler! – nein, es gefiel mir nicht!

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Diesen Schnitt wollte ich ausprobieren. Die Abbildungen kommen vom Commercial Pattern Archive, mehr Infos hatte ich also nicht und habe darum aus verschiedenen vorhandenen Schnitten ein Kleid zusammengebastelt (Viskosecrepe, mal wieder):

Mehrere Probleme gab es hier.
Am Einfachsten zu lösen: der Kragen. Zu groß, zu Achziger, obwohl ich mich so gefreut hatte, endlich mal eine Verwendung für die schöne Spitze gefunden zu haben, die schon ewig in meiner Kommode liegt.
Nur kurz ein Ärgernis: Ich habe die Knopflöcher leider nicht gegengleich, sondern sozusagen parallel angebracht. Es gibt Schlimmeres.
Aber die tiefe Taille … nee. Ein loser Gürtel sah ganz unordentlich aus und hatte irgendwie gar keinen richtigen Platz.
Ich habe ihn rundherum festgenäht, aber das Problem blieb: Wenn er hinten auf Pohöhe verläuft, schmiegt er sich vorne unter meinen Bauch (den die Schneiderpuppe – absurd genug – natürlich nicht hat), und nein, das ist nicht vorteilhaft – zumindest nicht mit heutigen Sehgewohnheiten betrachtet. Sitzt er höher, so dass es vorne gut aussieht, beult das Kleid merkwürdig im Rücken.Ich nehme an, das ganze Kleid müsste noch etwas weiter fallen, so dass es quasi unabhängig von meinen Körperformen hängt, aber möchte man das?
Die Variante auf den Bildern oben war meine letzte Idee, aber ein weiteres Problem blieb auch hier: Durch die Falten hat das Kleid vorne so viel Gewicht, dass es über die Schultern nach unten zieht. Und auch optisch fand ich es unausgewogen: vorne passiert alles, hinten nichts.

Was macht man also? Man freut sich, wieder etwas gelernt zu haben, und macht was anderes draus. In diesem Fall eine Bluse, die seither schon oft getragen wurde – 30er Jahre. Mit Taille.

Und hier gibt es wie immer am ersten Mittwoch im Monat noch jede Menge andere schöne Dinge zu sehen!

7 thoughts on “Was zu beweisen war …

  1. Liebe Lore,
    wie schön, von Dir zu lesen! Auch wenn es kein so erfolgreiches Projekt war, das du hier zeigst.
    Ich frage mich oft, was denn etwas stämmigere, rundere Frauen in den 20ern getragen haben, die muss es doch damals genauso gegeben haben wie heute. Oder war man damals einfach “gnädiger” in den Sehgewohnheiten?
    Auf der Puppe ist Dein Kleid wunderschön. Aber es nützt ja nix, wenn es dann angezogen nicht gefällt. Deshalb Hut ab vor Deiner Lösung mit der Bluse: die finde ich zusammen mit dem Rock wieder äußerst gelungen, und so hat das Projekt doch noch ein gutes Ende genommen. Tolle Farbe übrigens, dieses Bordeaux!
    Viele Grüße
    Sandra

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  2. Ach schade, das Kleid hätte ich jetzt gern getragen gesehen. Aber die Bluse ist auch schön geworden. Das mit dem Gewicht der Faltenpartie ist echt eine Sache, die man beachten muss. Legere Sachen sind schwieriger zu machen, als man denkt. Regina

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  3. So viel Arbeit unter Erfahrung zu verbuchen! Da kann man dich nur bewundern! Die lila Bluse ist allerdings chic und tragbar.
    LG Monika

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  4. Sehr spannend Dein Experiment und Du bist ja auch ergebnisoffen rangegangen, so dass sich die Enttäuschung hoffenltich in Grenzen hielt. Die finale Bluse ist jedenfalls ein würdiges Ausweichprojekt für den schönen Stoff. Steht DIr ganz hervorragend! LG Kuestensocke

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  5. Schade, schade;; auf der Puppe sieht das Kleid ganz wunderbar aus, aber dafür war es ja nicht gedacht, : ); da hast du mit der Bluse eine gute Lösung gefunden.
    LG von Susanne

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  6. Ich muss gestehen dass mir die Bluse besser gefällt als das Kleid.
    Die Sehgewohnheiten sind heute einfach anders als damals.
    Liebe Grüße Anette

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  7. Dass du aus den Stoffstücken vom Kleid noch so eine schöne Bluse gezaubert hast! Das entschädigt dich hoffentlich… Ansonsten ein spannendes Projekt, ich habe auch schon so manches untragbares Projekt unter Erfahrung abgelegt… LG Sarah

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