Zehn Jahre, zehn Kleider

Die 2020er!
Hundert Jahre ist die Mode schon alt, die ich nähe und trage und hier im Blog vorstelle. Erstaunlich!
Vor allem aber: Was für eine Steilvorlage!!

[1920 / 1921 / 1922  –  Quellenangaben s. unten]

Ich habe mir darum eine kleine Aufgabe gestellt: In jedem Jahr dieses Jahrzehnts werde ich ein Stück nähen, dessen Design genau hundert Jahre alt ist. Keine Eins-zu-eins-Reproduktion, aber so, dass sich beispielweise jemand aus dem Jahr 1923 nicht wundern würde über das, was ich im Jahr 2023 zu nähen und tragen gedenke.
Weiß ich, ob ich im Jahr 2029 immer noch Lust auf diese Sachen haben werde? Nö. Aber die Chancen stehen recht gut. Ob ich noch einen Blog haben werde? Keine Ahnung. Aber diese Challenge wäre auf jeden Fall ein guter Grund dafür!

[1923 / 1924 / 1925  –  Quellenangaben s.unten]

Die größte Herausforderung sehe ich eigentlich darin, dass sich die Mode im Verlauf der 1920er ja stark verändert hat, wie in der kleinen (nicht repräsentativen) Bildauswahl in diesem Post zu sehen ist. Und gerade aus den frühen Jahren würde vieles, heute getragen, schon sehr seltsam wirken. Nun ja, man soll ja immer mal die Komfortzone verlassen, und zur Not bleiben immer noch Morgenmäntel, Nachtwäsche und dergleichen, in denen mich sowieso nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Aber für 1920 wird es, glaube ich, ein Kleid, ich hab da schon Ideen …

[1926 / 1927 / 1928 – Quellenangaben s. unten]

Ob es für einen echten Sew Along genug Nerds da draußen gibt, weiß ich nicht, und ich bin ja auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv, wo man so etwas bewerben könnte.
Trotzdem fände ich es wundervoll, das alles nicht alleine zu machen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, sich zu beteiligen?!
Ich habe vor, für jedes Jahr einen Beitrag mit Bildern zur Inspiration zu posten, und natürlich, was ich dann daraus mache. Über jeden Beitrag oder Link in meinen Kommentaren würde ich mich wirklich freuen!

IMG_6267

[1929]

Also, auf in die Goldenen Zwanziger Jahre!

 

Quellen für die Bilder:
Fiell: Fashion sourcebook 1920s [1920, 1922, 1923, 1926]
1920s fashion from B. Altman & Company [1921, 1924, 1925, 1927, 1928]
Ward: Fashionable clothing from the Sears catalogs, Early 1930s [1929]

Winter Ade

IMG_6260

Es ist März! Und mir ist schon sehr nach Frühling zumute (auch wenn das hier im Norden sicher noch ein bisschen dauern wird). Mein letztes winterliches Machwerk möchte ich aber trotzdem noch zeigen.
Nachdem ich den Pullover aus dem letzten Post in den vergangenen Wochen rauf und runter getragen habe, habe ich mir noch einen zweiten genäht, passend zum Rock aus diesem Kostüm. Der Stoff ist wieder Merinostrick von Anita Pavani, Schnitt und Stickerei von mir selber ausgedacht. Durch die etwas weiteren Ärmel ist er nicht ganz so warm wie der dunkelblaue, aber genau so gemütlich.

IMG_6249

Leider habe ich noch immer keine Abbildung von so einem Ensemble aus den Zwanziger Jahren gefunden. Die einzelnen Elemente stimmen, würde ich sagen, aber wie authentisch so ein zweiteiliges Kleid aus dickerem Strickstoff ist, weiß ich nicht. Immerhin, ich habe mehrere Abbildung aus den frühen Dreißigern gesehen, zum Beispiel diese hier von 1933 (aus “Blum: Everyday fashions of the thirties as pictured in Sears catalogs”, und schon in der typischen 30er-Jahre-Silhouette, inklusive absurd verzerrter Körperproportionen):

IMG_6262

 

Ich wünsche allen einen schönen Start in den Frühling, und sicher gibt es heute jede Menge dazu passende Kleidung beim MeMadeMittwoch zu sehen!

Zeit für Pullover

014

Ich habe in letzter Zeit etwas mit meiner Wintergarderobe für die Arbeit gehadert. Die Standardkombi Rock-Bluse-Strickjacke gerät ja leicht ein bisschen bieder oder ist zumindest nicht besonders aufregend.
Am liebsten trage ich momentan meine beiden Pullover – von denen einer allerdings zum Weihnachtskleid 2018 gehört und eigentlich dem Sonntag vorbehalten ist. Das Ensemble mag ich immer noch sehr, und es für den Alltag zu verbraten, fände ich schade. Der andere ist aus Viskose und mir für den Winter eigentlich zu dünn.

Ein weiterer Pullover sollte also her, und so sieht er nun aus:

072a

Der mittelblaue Merinostrick kommt von Anita Pavani-Stoffe, das Dunkelblau sind Reste vom Weihnachtskleid (vom Roten Faden, wenn ich mich recht entsinne). So passt der Pulli genau zum Rock – aber eigentlich auch zu allen meinen anderen Röcken. Er ist warm und kuschelig (sehr tröstlich bei Erkältung), ich finde ihn nicht alltäglich (wenn auch für meine Verhältnisse geradezu sportlich), und besonders mit dem dazu passenden Rock fühle ich mich sehr gut angezogen.
Dem Rock sieht man das häufige Tragen leider von hinten schon ein bisschen an, aber diesen Winter hält er noch durch, und dann ich kann mir ja einen neuen nähen – entweder wieder in dem dunklen oder in dem mittleren Blau, und das Ensemble geht in die nächste Runde.

Weil das jetzt ein überschaubares Projekt war, habe ich übrigens mal die Stunden gezählt, die ich für sowas brauche. Ich staune ja immer darüber, wie schnell offensichtlich viele Leute nähen können. Für diesen Pulli, an dem nun wirklich nicht viel dran ist, habe ich ungefähr zwölf Stunden reine Nähzeit gebraucht. Schnell bin ich also definitiv nicht. Sei’s drum!

Andere hoffentlich genauso zufriedene Näherinnen, wie ich es bin, versammeln sich heute heute hier beim MeMadeMittwoch.

Weihnachtskleid Sew Along: Besser spät als nie

IMG_20191229_132117

Wie gut, dass es für dieses Kleid eine Deadline gab!
Tatsächlich war es auch am 23.12. mittags fertig, aber dann wollte ich mich lieber mit Weihnachten beschäftigen als mit Fotos und sowieso war das Geglitzer irgendwie noch nicht richtig und überhaupt will ich es ja erst an Silvester tragen. Naja, und außerdem bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden damit, und ohne den Finaltermin hätte ich wahrscheinlich zähneknirschend noch diverse Stunden mit dem welligen Saum, der knubbeligen Einfassung der Armlöcher, dem unsauberen Innenleben verbracht. So aber habe ich es für ein paar Tage auf den Bügel gehängt, nach Weihnachten ein passendes Blingbling besorgt und heute beim Fotografieren festgestellt, dass es doch insgesamt ein sehr schönes Kleid geworden ist.

Zu meiner eigenen Beruhigung: Der Stoff hatte es nähtechnisch wirklich in sich. Und auf den Bildern wie wohl auch im wirklich Leben sieht man die Macken sowieso nicht. Ich erspare darum mir und Euch einen Bericht über alle Etappen und Umwege und zeige lieber nur die Bilder vom fertigen Kleid (wegen winterlicher Temperaturen diesmal leider nicht draußen aufgenommen).

IMG_20191229_131913

Vielleicht bastele ich nochmal ein etwas wilderes Geglitzer, das ist jetzt doch recht dezent geraten (passt so aber gut zu einer meiner Haarspangen). Ich habe es nur an beiden Enden angenäht, damit man es für die Reinigung wieder abnehmen kann, aber es muss wohl doch etwas besser fixiert werden. Und Bändchen für die Unterwäscheträger muss ich noch einnähen. Und dann freue ich mich darauf, das Kleid zum Jahreswechsel (und sicher auch in den kommenden Jahren immer wieder gerne) zu tragen!
Viele Weihnachtsoutfits aller Art gibt es hier zu sehen – tausend Dank noch einmal an die Organisatorinnen!
Und kommt alle gut ins neue Jahr!

 

 

Weihnachtskleid Sew Along: Zwischenstand

IMG_6141[1]

Ich ärgere mich schwarz. Rabenschwarz, seit nunmehr drei Tagen am Stück.

Um trotzdem mit etwas Positiven zu beginnen: Der Stoff passt super zum Schnitt, er fällt so wunderbar wie gehofft und sieht sehr edel aus. Das Kleid sitzt auch im Großen und Ganzen gut, wenn es auch merkwürdigerweise an der Brust zuerst etwas eng war – das Probekleid hatte genau richtig gesessen. Ich konnte noch ein bisschen was aus den Seitennähten herausholen, wenn auch die Nahtzugabe dort jetzt wirklich sehr knapp ist und man die aufgetrennte Naht gut sehen kann. Aber naja, wer guckt mir schon unter die Achseln.
Ich habe nach einigen Versuchen an Stoffresten davon Abstand genommen, Armlöcher und Ausschnitt mit Schrägband zu versäubern, und werde stattdessen einen durchgehenden Beleg aus Futterstoff für alle drei machen. Gerade an einem so schlichten Kleid wäre ein vermurkster V-Ausschnitt schon doof. Aber den Saum habe ich schon mit Schrägband bestückt. Er ist ein kleines bisschen wellig geworden, aber auch das fällt wahrscheinlich niemandem auf.

Auffallen wird nämlich vor allem, dass ich, offenbar in geistiger Umnachtung, zwar brav auf einem Gegenstück aus Samt gebügelt habe, das aber mit reichlich Druck. Das hat wenig überraschend den Flor geplättet, und man sieht an allen Nähten deutlich die Abdrücke des Bügeleisens – bei künstlichem Licht nicht so sehr, bei Tageslicht aber schon. Besonders auffällig die waagerechten Streifen quer über der Brust, vom Bügeln der Brustabnäher. Alle Rettungsversuche mit Dämpfen und Aufbürsten haben nichts genützt, und es ist auch nicht hilfreich, dass man zur Zeit so wenig Tageslicht hat, um sich mal in Ruhe damit auseinanderzusetzen.

Ich sehe momentan eigentlich zwei Optionen: Das ganze Kleid plattbügeln, was ein Jammer wäre, die besondere Schönheit des Stoffes ginge dabei verloren. Oder versuchen, noch Stoff nachzukaufen, alles aufzutrennen und wenigstens die vordere Bahn nochmal neu zu machen.

Vielleicht probiere ich das morgen mal. Drückt mir die Daumen!

Hier geht es zu den anderen Weihnachtskleidnäherinnen – mit besserer Laune.

Weihnachtskleid Sew Along: Samt

img_61411.jpg

Diesen wunderschönsten aller Stoffe habe ich neulich bei Gädtke erstanden – ich konnte nicht anders. Das Foto wird ihm leider überhaupt nicht gerecht, die Farbe ist etwas zwischen Ultramarinblau und Veilchenfarben, dunkel, mit sehr viel Tiefe. Weil es kein Polyester, sondern eine Acetat-Baumwoll-Mischung ist, hat er einen edlen, aber unaufdringlichen Glanz, und, das Allerbeste, er ist leicht genug, um daraus etwas weich fallendes, Bequemes zu schneidern. Samt mit diesen Qualitäten zu finden ist gar nicht einfach – ist leider zur Zeit nicht so in Mode, war es aber in den Zwanzigern umso mehr. Ich musste ihn also eindeutig kaufen, und weil man Samt nicht längere Zeit gefaltet lagern soll, muss er nun schnell verarbeitet werden. Und so wurde aus meinem geplanten Sofa-Weihnachtskleid ein Gala-Weihnachtskleid.

 

Ein Probeteil habe ich schon entworfen und genäht, sehr schlicht, wie man sieht – nur ein Vorder- und ein Rückenteil mit Brust- bzw. Taillenabnähern. Das alte Laken hat sehr viel Stand, ich hoffe also, dass der Samt etwas weniger abstehen, dafür in weichen Falten fallen wird. Das Probekleid hat außerdem eine großzügige Saumzugabe, das wird am Ende noch etwas kürzer. Das superschlichte Design ist zum Einen meiner Risikoscheu geschuldet – Samt kann schwierig sein und verzeiht keine Fehler, ich erspare mir also allzu viele Nähte (obwohl es wundervolle Samtkleider aus den Zwanzigern mit schräg verlaufenden Designlinien gibt, mit denen ich heftig, aber nur sehr kurz geliebäugelt habe). Zum Anderen glaube ich aber auch, dass der Stoff gar nicht viel braucht, um spektakulär auszusehen. Ein bisschen passendes BlingBling werde ich noch versuchen zu finden, möglichst in variabler Form, also z.B. etwas Glitzeriges, das man, auf eine Haarspange montiert, auf die Schulternaht schieben könnte (wo es hoffentlich keinen allzu störenden Abdruck hinterließe). Dann könnte man dem Anlass entsprechend variieren.

Ja, das sind also meine hoffnungsvollen Pläne.
Ich freue mich total, dass es auch dieses Jahr wieder einen Weihnachtskleid Sew Along gibt, der gehört mittlerweile schon fest zum Auf-Weihnachten-zugehen dazu und würde mir sehr fehlen.
Vielen herzlichen Dank an die Organisatorinnen! Und hier seht Ihr, was dieses Jahr noch so unterm Baum getragen werden wird – ich bin gespannt!

Wie’s so läuft

035.JPG

Dies ist leider eher ein Lebenszeichen als ein interessanter Blogpost – ich habe eine ganze Menge gemacht in letzter Zeit, aber nicht so recht etwas zu zeigen.
Einen Pyjama und zwei Nachthemden habe ich genäht und zwei Kauf-Unterkleider mit Spitze verziert – alles hübsch geworden und sehr befriedigend, aber nichts für die Öffentlichkeit.
Ein Rock aus feinem braunem Wollstoff wurde fertig, nicht aufregend aber ganz okay. Ich trage ihn regelmäßig, er erwies sich allerdings leider als unfotografierbar, auf Bildern mutiert er nämlich zu einem schlammfarbenen Sack.
Einen Rock aus blaugrauem Samt  hab ich auch noch genäht, und der macht mich etwas traurig – der Stoff ist wunderschön, aber wohl doch etwas zu schwer und steif, jedenfalls sitzt er nicht so richtig toll, fällt nicht gut und ist einfach nicht besonders angenehm zu tragen. Ich habe auch noch Stoff für eine Jacke dazu … mal sehen.
Und dann habe ich mich über mehrere Wochen immer mal wieder mit diesem Schnitt beschäftigt:

043.JPG

Ich hatte noch Reste von einem Baumwolltwill, daraus sollte so etwas wie ein tragbares Probemodell für eine Winterjacke werden. Aber mal wieder haperte es mit dem Ärmel. Mir ist schon klar, dass damals andere Vorstellungen davon herrschten, wie bequem Kleidung sein muss. Trotzdem, ich weiß nicht, ob die alten Schnitte wirklich derart enge Ärmel haben, oder ob bei mir Ärmeldramen mittlerweile einfach voreingestellt sind. Jedenfalls, mein Baumwollstoff war nach mehreren Anläufen aufgebraucht und ich habe das Ganze sehr erleichtert in die Tonne geschmissen.
Nun werde ich einen neuen Versuch mit einem anderen Ärmelschnitt machen und wohl das Futter für die Winterjacke als Probeteil nutzen. Habe ich mir fest für’s nächste Nähtreffen vorgenommen.

Was mir aber ganz uneingeschränkt und wunderbar große Freude macht ist, dass ich wieder mit dem Klöppeln angefangen habe. Ich habe mich endlich durchgerungen, mir einen Fernkurs bei Martina Wolter-Kampmann zu gönnen, und es erfreut mich wirklich sehr. Etwas zu lernen ist sowieso gut, und schon sehr angenehm, dabei nicht immer alles selber herausfinden zu müssen. Ich hoffe außerdem, so meinem Ziel näher zu kommen, Spitzen zu klöppeln, die ich auch in meiner Näherei verwenden kann – reine Deko herzustellen (und in der Wohnung zu haben) ist echt nicht mein Ding.

041.JPG

(Und falls Klöpplerinnen dies lesen: Ja, ich habe bemerkt, dass die Ganzschlagreihe beidseits des Netzschlages nicht an der gleichen Stelle ist. Hab schon abgenadelt und nochmal angefangen …)

Ich wünsche allen einen wunderbaren Herbst!  Frau Buttonbox