Vom Klöppeln

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Eine Warnung vorweg: Dieser Post ist nerdig, viel zu lang und wahrscheinlich ausschließlich für Leute interessant, die selber mit dem Klöppeln anfangen wollen. Ich bin auch noch nicht sehr lange dabei und bringe mir das Ganze selber und ohne kompetente Anleitung bei – alles was ich hier schreibe, ist also unter diesem Vorbehalt zu lesen. Da ich aber selber ganz gerne den einen oder anderen Erfahrungsbericht gelesen hätte, als ich mit dem Klöppeln anfing, berichte ich mal, was ich bisher herausgefunden habe.

Wie ich überhaupt dazu kam: Im vorigen Sommer waren wir anlässlich meines Geburtstages im Freilichtmuseum in Molfsee bei Kiel (immer wieder total schön), wo es zufällig gerade eine Ausstellung über alte Handarbeitstechniken gab – unter anderem saßen ein paar Damen in einer Tenne und klöppelten. Nun hatte ich mir als Mädchen mal anhand eines Buches die Grundlagen selber beigebracht, mittels eines zusammengerollten Sofakissens und langer Nägel als Klöppel. Ich bekam dann das richtige Equipment geschenkt und verbrachte einen sehr schönen Sommer mit meiner besten Freundin in Marburg, wo wir bei ihrer Oma wohnten und jeden Tag zur schon sehr alten Tante Annie pilgerten, um unter ihrer Ägide zu klöppeln. Das ist lange her, aber als ich in Molfsee diese vergnügte Runde mit ihren Klöppeln hantieren sah, wurde ich ganz zappelig, und es juckte mich sehr in den Fingern.

Dass mich das Klöppeln so fasziniert, hat zum Einen damit zu tun, dass ich es total toll finde, etwas so Schönes und Zartes und Feines wie Spitzen selber herstellen zu können. Es hat aber, wie all mein Handarbeiten, auch noch eine andere Dimension. Seit Jahrhunderten machen Frauen das: nähen Kleidung, stricken, sticken, klöppeln. Das auch zu tun,verbindet mich mit ihnen, ich stelle mich in eine Tradition weiblicher Tätigkeiten, die zum Teil auf hochprofessionellem Niveau ausgeübt wurden. Damit ehre ich sie und trage ihr Können (in meinen Grenzen) weiter.

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Zum Material: Das, worauf ich hier klöppele, ist eine Klöppelrolle. In Deutschland wird das Klöppeln auf der Rolle meist mit der Tradition im Erzgbirge in Verbindung gebracht, wo dazu Hülsenklöppel verwendet werden – die ich allerdings nicht so schön finde. Ich benutze darum Klöppel, die eigentlich für ein Flachkissen gedacht sind. Das Klöppeln darauf hab ich auch mal ausprobiert, kam damit aber überhaupt nicht gut zurecht. Mit dieser hübschen kleinen Rolle dagegen bin ich sehr glücklich, allerdings braucht man für breitere Spitzen irgendwann eine größere. Für den Anfang ist sie aber prima. Und weil mir die Authentizität ja immer wichtig ist und es mich sowieso interessierte, habe ich mal recherchiert und festgestellt, dass zum Beispiel in Norditalien auch auf Rollen mit Klöppeln ohne Hülse geklöppelt wird – es hat also alles seine Ordnung, schließlich verbringen wir jeden Sommer in Ligurien (dort gibt es auch eine große Klöppeltradition, wie ich festgestellt habe. Auch ein Museum – mein Mann freut sich schon … ).

Da ich momentan leider keinen Klöppelkurs in meinem Leben unterbringen kann, habe ich mich an Bücher gehalten – Youtube bietet einiges, wenn man sich einen Eindruck verschaffen möchte, zum wirklichen Lernen hab ich da aber nichts gefunden. Hier also die Bücher, die bislang meinen Weg gekreuzt haben.

Für einen Überblick und den historischen Hintergrund von Klöppelspitzen kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen:

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Grundlegende Informationen über das Klöppeln und ausführliche über die verschiedenen Arten von Spitze – sehr informativ, gut aufgemacht und ein Augenschmaus.

Als Quasi-Standardwerk für das Klöppeln auf der Rolle kommt einem immer wieder dieses Buch unter (vielleicht auch, weil es so günstig ist):

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Ich habe es mir gekauft und angefangen, danach zu lernen, allerdings fand ich es etwas mühsam – geklöppelt werden hier typische Spitzen aus dem Erzgebirge, mit einem Schwerpunkt auf Flechterverbindungen (das sind diese längeren Stege), die ich weder besonders hübsch noch einfach finde (auf dem Cover sieht man die Art der Spitze und übrigens auch die Hülsenklöppel).

Dieses Buch basiert auf denselben technischen Zeichnungen:

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Es ist ein nur sehr knapper Lehrgang, hat dafür aber einige Klöppelbriefe und Anleitungen für modernere Projekte (überwiegend Dekostücke – finde ich persönlich scheußlich, haben aber ganz offensichtlich ihre Fans).

Ein Klassiker ist dieses hier:

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Es ist der Reprint eines Lehrwerkes aus den 40er Jahren – ebenfalls sehr flechterlastig. Interessant, aber zum Lernen meiner Meinung nach nicht besonders gut geeignet.

Dann habe ich noch dieses hier:

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Es ist das Buch, nach dem ich als Elfjährige meine ersten Versuche gemacht habe, und es ist nicht so schlecht, geht allerdings nicht besonders in die Tiefe. Am Ende bin ich dann doch bei diesem hier geblieben:

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Das hatte ich schon ganz erbost wieder in die Bücherhalle zurückgebracht, weil ich den belehrenden Tonfall unerträglich fand (“Dies wollen wir uns gut merken.” …) . Tatsächlich bietet es aber einen gut verständlichen Lehrgang, mit Aufgaben, die einen herausfordern, aber zu bewältigen sind, und rund 100 Klöppelbriefe für Torchonspitzen – finde ich hübscher als Flechterspitzen und man hat schnellere Erfolgserlebnisse.

Das Buch ist nur noch antiquarisch zu bekommen und nicht ganz billig, es lohnt sich aber – übrigens auch, wenn man nur eine Ausgabe ohne die Klöppelbriefe als Beilagen bekommt. Den Lehrgang kann man trotzdem machen, man muss nur die Briefe selber abzeichnen. Oder man kopiert sie, so wie ich, aus einem Bibliotheksexemplar.

Das Buch ist für das Klöppeln auf dem Flachkissen geschrieben, man muss also, wenn man auf einer Rolle klöppelt, die Erklärung der Handhaltung etc. ignorieren. Und: Die Grundelemente des Klöppelns, Kreuzen und Drehen (der Klöppelpaare), führt man, je nach Kissen, in unterschiedlicher Reihenfolge aus. Auf dem Flachkissen ist ein Ganzschlag: Kreuzen-Drehen-Kreuzen-Drehen. Auf der Rolle, wo die abgelegten Klöppel nicht liegen bleiben, sondern runterhängen, drehen sich gedrehte Klöppel natürlich wieder auf. Dort ist ein Ganzschlag also: Drehen-Kreuzen-Drehen-Kreuzen. Das muss man also bedenken und entsprechend anders umsetzen, ist aber nicht so wild, wie es sich anhört.

Mir gefielen meine Spitzen anfangs nicht besonders, sie waren irgendwie so lose und dünn, bis ich ein bisschen mit dem Vergrößern und Verkleinern der Klöppelbriefe bzw. mit verschiedenen Garnstärken experimentiert habe. Das ist interessant und lehrreich. Die Bezeichnung der Garnstärken finde ich total unübersichtlich, hilfreich dafür ist eine Farbkarte mit allen Garnstärken, die man online im Versandhandel für Klöppelbedarf bekommen kann.

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Den Lehrgang habe ich nun fast durch und jetzt endlich die erste Spitze in Arbeit, die auch wirklich ein Kleidungsstück zieren soll – wenn ich das mit dem Ecken klöppeln hoffentlich gemeistert haben werde. Wie es dann weitergeht, weiß ich auch noch nicht recht. Ob die dann erlernten Techniken ausreichen, um auch andere Arten von Spitze zu klöppeln? Oder ob ich auf die Suche nach dem nächsten Lehrbuch gehen muss? Oder eben doch mal einen Kurs machen …

 

Eine schwarze Bluse

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Ich trage nicht gerne Schwarz. Bei anderen finde ich schwarze Sachen oft sehr elegant, aber an mir selber kommen sie mir immer stumpf und zweidimensional vor. Naja, manchmal  muss es ja leider sein, und so hatte ich im Herbst zu einem sehr traurigen Anlass schnell schnell eine schwarze Bluse zusammengenäht – mit Kummer und zu wenig Zeit, mir ging das schwarze Garn aus, die Knöpfe waren am Vorder- statt am Rückenteil gelandet und die Knopflöcher gingen gar nicht.

Der Schnitt gefiel mir aber eigentlich und der Stoff ist sehr schön, eine ganz leichte und weiche Baumwolle, und schließlich sollte man vielleicht gerade an dunklen Tagen etwas tragen, in dem man sich wohl fühlt. Also hab ich mir die Bluse nochmal vorgenommen.

 

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Es gab noch kleine Stoffrestchen, die reichten, um seitlich hinten am Bund etwas anzustückeln und die Knöpfe umzusetzen – nicht sehr schön, aber fällt nicht doll auf. Die Knöpfe waren leider, wie eigentlich das ganze Teil, unfotografierbar, es sind alte Schätzchen aus den Dreißigern. Es gibt auch noch eine passende Gürtelschnalle dazu, für die ich momentan keine Verwendung habe, aber ich freue mich, dass die Knöpfe hier so schön passen. Außerdem hab ich alle sichtbaren dunkelblauen Nähte durch schwarze ersetzt, und, um das platte Schwarz etwas zu beleben, ein paar Blümchen aufgestickt.

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Ich hatte die Stickerei wieder mit dem Frixion Pen vorgezeichnet – der sich diesmal leider wider Erwarten nicht ganz wegbügeln ließ. Man sieht es bei normalem Licht kaum, aber ich musste ein paar Blättchen sticken, die ich eigentlich doch hatte weglassen wollen. Ich finde es aber immer wieder toll,wie sehr ein Kleidungsstück durch so ein bisschen Stickerei gewinnt – bei wirklich überschaubarem Aufwand.

 

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Zur Authentizität: Da ich von Anfang an etwas zu wenig Stoff hatte, ist die Bluse kürzer als geplant, passt aber so ganz gut in die frühen Zwanziger Jahre. Hier wäre ein Beispiel für eine ähnliche Silhouette (aus Charlotte Fiell: Fashion Sourcebook 1920s), wenn auch deutlich weniger schlicht, von 1923 – angeschnittene Ärmel, breiter runder Ausschnitt, leicht gerafft mit glattem Bund auf der Hüfte:

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Zum Me Made Mittwoch trage ich die Bluse heute zusammen mit einem Rock aus dem letzten Herbst und gekaufter Strickjacke – leider überbelichtet, die Kamera wollte irgendwie nicht mehr.

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Und hier geht’s zu den anderen schönen Frauen.

Pläne für 2017 – und endlich was Warmes

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Guten Morgen, und allen noch schnell ein frohes neues Jahr gewünscht!

Ich starte mit einer Veränderung in dieses Nähjahr: Die letzten zwei Jahre habe ich fast ausschließlich im Rahmen des Historical Sew Monthly genäht (und 23 der 24 Aufgaben pünktlich erfüllt – nur ein Übergangsmantel hängt seit letztem Sommer auf der Puppe und nähert sich nur scheibchenweise der Vollendung). Nun hat sich aber dieser Sew Along mittlerweile fast komplett in die dazugehörige Gruppe auf Facebook (das nicht mein Freund ist) verlagert, und so habe ich Ende letzten Jahres beschlossen, ab jetzt mal wieder eigene Wege zu gehen. Ich werde die Anregungen vermissen, und den nötigen Denksport, um die Erfordernisse meiner Garderobe mit den monatlichen Aufgaben in Einklang zu bringen, aber andererseits gibt mir das auch viel Freiheit – zum Beispiel, es mit der Authentizität nicht so genau zu nehmen (Bügeleinlage! Elastananteil!) und vor allem einfach mal zu nähen, worauf ich Lust habe. Natürlich wird es weiterhin im Stil der 20er Jahre sein, und ich habe mir vorgenommen, ebenfalls weiterhin in jedem Monat ein Kleidungsstück fertigzustellen und es beim MeMadeMittwoch vorzuführen. Außerdem ist mein Plan, als Erstes einen Haufen unfertiger und änderungsbedürftiger Sachen abzuarbeiten, damit hab ich schon begonnen, und hier ist das erste Ergebnis:

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Der Rock und die Bluse sind schon älter (die Bluse ist übrigens mein Liebslingsteil aus dem letzten Jahr, da das ja letzte Woche hier Thema war), aber neu ist die Jacke.

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Es soll ja Leute geben, die innerhalb weniger Wochen so ein Teil zusammenstricken – bei mir ist, was das Stricken angeht, eindeutig der Weg das Ziel. Die dunklere Wolle (Soft Merino von Lana Grossa) ist hier in ihrer vierten Erscheinungsform zu sehen. Als erstes war sie ein Pullover, der sich kurz vor der Fertigstellung als viel zu voluminös und dick herausstellte. Dann fing ich eine Strickjacke an (damals noch im Stil der 30er), bekam dann aber Probleme mit den Handgelenken und musste das Stricken erstmal einstellen. Als ich wieder anfing, kam ich ins Muster nicht mehr rein und wollte außerdem auch lieber etwas Neues machen. Im Sommer letzten Jahres begann ich dann diese Jacke zu stricken, nach einem Modell aus dem Fleisher’s Knitting & Crocheting Manual von 1924.

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Nach der Anleitung sollte sie eigentlich eine Nummer zu groß für mich sein, als sie aber zu Dreivierteln fertig war, wurde unübersehbar, dass sie trotz passender Maschenprobe viel zu klein war. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass Kleidung damals weit weniger Bewegungsspielraum zuließ, als wir das heute gewohnt sind, hat mich das erstaunt, denn die Mode in den 20ern war idealerweise für schmale Frauen mit möglichst wenig weiblichen Formen gemacht, diese Jacke aber offenbar für eine kleine Frau mit großem Busen (die alten Größen orientieren sich immer an der Oberweite). Vielleicht ist es allerdings auch nur eine schlampig erstellte Anleitung, wer weiß. Jedenfalls habe ich alles nochmal aufgemacht und von vorne angefangen, diesmal mit Erfolg.

Dass die Wolle so oft wieder aufgeribbelt und gewaschen wurde, hat zwar leider Spuren hinterlassen, sie ist nicht überall wieder gleichmäßig glatt geworden (wie man hier z.B. auf Höhe der Taille und am Ellenbogen sehen kann), und ich musste viel stückeln. Tatsächlich sind aber nur zwei kleine Knäuelchen übrig geblieben, es ist also genau aufgegangen.028.JPG

Nach dem ersten Tag Tragen habe ich vorne auf Brusthöhe noch ein Häkchen angebracht, damit die Jacke nicht so aufspringt, und im Bund innen zwei Knöpfe, da die Lagen da sonst verrutschten.

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Tja, was soll ich sagen? Ich liebe die Jacke! Sie ist elegant und bequem und vor allem richtig warm. Das Dranbleiben hat sich mal wieder gelohnt. Das schreit jetzt natürlich nach einem Nachfolgeprojekt, allerdings gibt es da ja noch diesen unfertigen Mantel, und außerdem habe ich gerade eine andere alte Liebe neu entdeckt, das Klöppeln nämlich (ich habe wilde Pläne für ein Weihnachtskleid mit goldener Spitze …). Also mal sehen.

Und jetzt geht’s zum MeMadeMittwoch!

Weihnachtskleid Sew Along – Finale

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Puh, so ganz rechtzeitig hab ich’s dann doch nicht geschafft. Das heißt, eigentlich schon: am Mittwochabend um halb zwölf war das Kleid fertig – und verhunzt. Das ging so leider nicht, da musste ich gestern nochmal ran.

Nach dem letzten WKSA-Termin fing es aber erstmal damit an, dass mir klar wurde, wie schlecht der Rücken das Kleides dann doch noch saß, und nach einigen Verschlimmbesserungen habe ich am Ende alle Nähte und Abnäher nochmal aufgetrennt, gebügelt und neu genäht. So ganz glatt sitzt er immer noch nicht, aber so kann es jedenfalls bleiben.

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Dann also die Pailletten … ich konnte mich nicht recht entscheiden, wie die Verzierungen aussehen sollten, habe mich dann für Rosetten auf Schulter und Hüfte entschieden (authentisch für die 20er, wenn auch etwas langweilig, weil so ähnlich wie beim Hochzeitskleid) und einfach mal drauflos gestickt. Das hat nicht gut funktioniert. Und beim Auftrennen hat der Samt sich dann leider doch noch von seiner sensiblen Seite gezeigt: es blieben deutliche Spuren, so dass ich nicht einfach etwas anderes machen konnte, sondern an denselben Stellen bleiben musste, um sie zu überdecken. Also hab ich es nochmal mit den Rosetten versucht, diesmal ging es besser, nur fand ich das Ergebnis immer noch ein bisschen lahm und wollte noch ein vertikales Element im Rock haben, und das war ein Fehler:

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So sah das am Mittwochabend aus – ich fand die Stickerei plump und unsauber, sie funktionierte nicht mit dem Fall des Rockes und gefiel mir einfach insgesamt überhaupt nicht. Einfach ablösen konnte ich die Pailletten auch nicht, weil die Spuren davon ja sichtbar blieben.

Am Donnerstag hatte ich sehr schlechte Laune und schlich um die Memademittwoch-Seite mit all den stolzen und zufriedenen Weihnachtskleidnäherinnen herum. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause hatte ich dann einen Plan: Ich hatte noch ein bisschen Stoff übrig, und so habe ich das Vorderteil des Rockes herausgetrennt und durch ein neues ersetzt. Damit habe ich also den gestrigen Abend verbracht, und so sieht es jetzt aus:

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Ich hatte nun keine Zeit mehr für weitere Pailletten-Experimente, der Weisheit letzter Schluss ist das noch nicht, finde ich. Aber damit kann ich mich auch nach Weihnachten beschäftigen, jetzt habe ich jedenfalls ein hübsches, tragbares Kleid für den Heiligabend und reihe mich dann doch noch froh in die Reihe der Mitnäherinnen ein. Dankeschön für die Organisation! Und Danke nochmal an Angelika für den wunderschönen Stoff!! Und gesegnete Weihnachten allerseits!

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Hier noch schnell die Fakten für den Historical Sew Monthly.

The Challenge: Special Occasion

Material: velvet

Pattern: my own

Year: about 1927

Notions: sequins, three snaps

How historically accurate is it? Quite, I think. Maybe a little too fitted to be fashionable, but there have always been mediocre seamstresses, so I guess I’m all right.

 

 

 

Weihnachtskleid Sew Along #4

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Heute ist der vorletzte Termin für den Weihnachtskleid Sew Along, und ich liege eigentlich ganz gut im Plan: Das Kleid an sich ist fertig, nun fehlt noch die Verzierung mit den Pailletten.

Das Problem mit dem Schrägstreifen ließ sich tatsächlich mit selbstgemachtem aus Polysatin lösen. Leider war ich allerdings bei Hals- und Armausschnitten zu ungeduldig, um es sorgfältig zu machen, so dass es da von innen ein ziemliches Gewurstel und von außen sichtbare Stiche gibt, was mich nun etwas ärgert – der Saum ist deutlich schöner geworden. Naja, abends schnell noch ein bisschen was machen ist eben eigentlich nicht mein Ding, aber wenn ich nur am Wochenende während der Kindermittagsschlafenszeit nähte, würd ich ja zu gar nix kommen.

Jedenfalls habe ich, wie man sieht, bezüglich der Pailletten entschieden, sie einzeln aufzusticken, nur bin ich immer noch unentschieden, wie. Ich finde diese strengen Art Deco-Motive der Zwanziger großartig, es könnte aber auch so eine Art trompe d’oeil werden, eine gefakete Brosche oder Schleife oder so. Oder einzelne florale Motive? Hmmm …

Hier gibt es weitere Weihnachtskleider zu sehen!

Weihnachtskleid Sew Along #3

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Ist es nicht schön?! Ich hoffe, man sieht das auch auf meinen mittelmäßigen Fotos – der Stoff ist wunderbar und der Schnitt passt sehr gut dazu, und auch, wenn es noch einige offene Fragen gibt, freue ich mich schon total darauf, das Kleid zu tragen!

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Ich finde, dass der Samt sich sehr angenehm verarbeiten lässt, einige Überraschungen gab es allerdings schon. Der Schnitt für das Oberteil ist ja erprobt, aus dem Samt genäht ist er aber erstaunlicherweise viel enger als beim Hochzeits– und beim Gänseblümchenkleid – und ich weiß eigentlich nicht, warum. Der Rücken war dadurch viel zu lang und warf jede Menge Falten, da musste ich also einiges anpassen. Jetzt ist es immer noch nicht perfekt, aber meinen Ansprüchen genügt es. Den Schnitt für das Rockteil habe ich einfach mal so ausprobiert, vorne und hinten aus dem gleichen Schnitteil, schräg zum Fadenlauf zugeschnitten, und finde, das hat ganz gut geklappt. Dass man nun vergleichsweise viel vom Po sieht, hat wohl mit dem engeren Oberteil zu tun und ist zwar ungeplant, aber nicht weiter schlimm und geht für späte 1920er auch in Ordnung.

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Woran ich nun hängen geblieben bin, ist die Versäuberung von Hals- und Ärmelausschnitten. Ich wollte das unsichtbar mit Schrägband machen, aber nicht nur, dass man die kleinen Stiche von außen sieht, vor allem dehnt sich das Band nicht genug, so dass es Gekrumpel gibt:

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Vielleicht muss ich nochmal selber Schrägband aus Seide oder etwas anderem Dehnbarerem machen, so funktioniert das irgendwie nicht.

Offen ist außerdem noch die Frage nach den Pailletten. Mit dem geplanten Band um die Taille sieht es komischerweise total nach Brunhilde aus:

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Eine andere Variante wäre ein Längsstreifen in irgendeiner Form:

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… oder ganz was anderes, wahrscheinlich werd ich am Ende doch die Pailletten einzeln von Hand annähen …

Ich bin jedenfalls frohen Mutes bei der Sache und jetzt freu ich mich auf so viele weitere Weihnachtskleider-to-be hier!

 

Das rote Kleid – The red dress

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Die November-Challenge beim Historical Sew Monthly war ein steiniger Weg – auch wenn die Aufgabe denkbar einfach war: etwas Rotes sollte genäht werden. Da ich seit zwei Monaten eigentlich durchgehend friere, wollte ich eine lange gescheute Hürde nehmen, mich an elastische Stoffe heranwagen und eine Strickjacke nähen. Der Schnitt sollte der von der blauen Jacke sein, die ich bei Sewing by the Sea genäht hatte, es hätte also alles recht glatt gehen können. Wenn ich passenden Stoff gefunden hätte. In den Läden fand ich nichts schönes Rotes, und zwei Bestellungen aus dem Netz waren ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Ohne Anfassen isses eben doch nix. Dafür war mein Budget für diesen Monat gründlich ausgereizt, weitere Stoffkäufe kamen also nicht in Frage.

November’s challenge for the Historical Sew Monthly was a thorny path – although the task was actually quite easy: make something red. Since I have been freezing the last two months I wanted to take a hurdle long shied, try my luck with elastic fabrics and sew myself a cardigan. The pattern was to be that of the blue jacket I made at Sewing by the Sea, so everything could have gone real smooth. Provided I found the right fabric. I didn’t find anything beautifully red, and two orders via the internet weren’t crowned with success either. It just isn’t the real thing without touching the fabric. On the other hand I really had spent my budget for this month, so more buying of fabric was out of question.

So going through my stash and I found remnants of this dress:

So stöberte ich durch meine Vorräte und stieß auf einen Rest von diesem Kleid:

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Ich hatte es für meine standesamtliche Trauung genäht, hatte lange nach dem Schnitt gesucht, aber so richtig gut gefiel es mir dann doch nicht. Die Fülle im Oberteil und die Puffärmel sind irgendwie nicht meins – abgesehen davon, dass ich zur Zeit ja späte 1930er sowieso nicht trage und das schräg zum Fadenlauf zugeschnittene Rockteil nicht gerade gnädig mit einer erwachsenen Figur umgeht. Aus den Resten hatte ich in Noer schon eine Bluse genäht und beschloss nun, das Kleid zu zerlegen und etwas daraus zu machen, das ich dann auch wirklich tragen würde:

I sewed it for my town hall wedding, had been after the pattern quite a while, but in the end never really liked it. The fullness in the top and the puff sleeves somehow don’t feel right – apart from the 1930s not being what I am wearing these days and the bias cut skirt not being particularly flattering for the mature figure. Of the remnants I had made a blouse already and now decided to take the dress apart and make something out of it I would really like to wear:

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Ich hatte im Fundus auch noch einen zartrosa Rest von irgendetwas Kunstseidenem und wollte daraus ein Unterkleid nähen, an dem der Rock befestigt würde, so wie hier:

In my stash I also had a light rose rest of something rayon-y and wanted to do an underdress with the skirt attached, like here:

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Aber der Stoff lud sich ganz ekelhaft auf und klebte auf ganzer Fläche am Körper, so dass ich den Plan fallen lassen musste und einfach einen Bund am abgeschnittenen Rockteil anbrachte:

But the fabric was extremely clingy, so I let go of this plan and just attached a waist band to the skirt:

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Das war ziemlich schnell erledigt, und glücklicherweise musste ich nicht einmal den Saum neu machen – er ist hinten ein kleines bisschen länger als vorne, aber das finde ich eigentlich ganz hübsch so.

Das ganze zweiteilige Kleid gefällt mir ausgesprochen gut, und wenn es auch nichts dazu beiträgt, aktuelle Lücken in meiner Wintergarderobe zu füllen, könnte ich mir vorstellen, dass es durchaus das Zeug zu einem Lieblingsstück für den norddeutschen Sommer hat.

This was done quickly, and happily I didn’t even need to redo the seam – it is a little longer in the back than in the front, but I think it quite pretty that way.

I really like the whole two piece dress, and even if it does nothing to fill the gaps in my winter wardrobe, it might become a favourite piece for the northern german summer.

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The Challenge: Red

Material: Viskose

Pattern: my own

Year: about 1927

Notions: 1 snap, 1 zipper

How historically accurate is it? I am not too sure about the zipper in combination with a rather soft, delicate fabric. Otherwise I think it fine.