Weihnachtskleid – Just in time

Fröhliche Weihnachten allerseits!!
Gerade noch hab ich’s geschafft, mein Weihnachtskleid fertig zu bekommen:


Die meisten meiner Weihnachtskleider sind ja erst am Heiligabend fertig geworden, und auch diesmal wurde der letzte Druckknopf erst am 24. vormittags angenäht, allerdings kamen in diesem Jahr auch wirklich einige erschwerende Umstände zusammen.
Der Reihe nach:

Der zugeschnittene Stoff, wunderbar weich und luftig, stellte sich schnell als ziemlich unangenehm zu verarbeiten heraus – durch die lose Webart ist er sehr beweglich und extrem geneigt, sich an den Schnittkanten aufzulösen. Stecknadeln fallen einfach wieder heraus, und außerdem hat er ganz offensichtlich doch irgendeine Plastikbeimischung, es knisterte ordentlich beim Anprobieren.
Weil er zu leicht war, um ihn mit Zickzackstich zu versäubern, habe ich (unauthentisch) die Kanten mit schmalen Streifen Einlage bebügelt und dann mit der Zickzackschere abgeschnitten. Bis jetzt hält das ganz gut. An den Ärmelbündchen habe ich mich, ebenfalls wegen der Zartheit des Stoffes, gegen Knopflöcher und für Druckknöpfe entschieden. Und bin stolz, dass die Länge der Ärmel einigermaßen passt, da verhaue ich mich bei weiten Ärmeln nämlich oft und am Ende sind sie dann zu kurz.

Soweit war ich prima im Zeitplan und alles fein. Ich habe ein bisschen mit der Stickerei rumprobiert. Und dann habe ich den Dachboden aufgeräumt, was mir große Befriedigung verschaffte, aber leider dazu führte, dass meine blöden Arme mal wieder fratze waren, aber richtig. Weder Nähen noch Bloggen ging, Backen, Weihnachtsputz (oder auch ernsthaft Arbeiten) natürlich auch nicht.

Ich hatte eigentlich beim Sticken mal ein bisschen was anderes, neue Stiche ausprobieren wollen, meine Versuche bis zu diesem Punkt fand ich allerdings noch nicht so überzeugend. Nicht elegant genug, zu bunt – das Kleid hat eindeutig eine offene Flanke zum Hippiestyle, das galt es dringend zu vermeiden. Mit den Garnfarben, die ich da hatte, war ich auch nicht so glücklich, mittlerweile hatten aber die Geschäfte zu, so dass man kein Stickgarn vor Ort aussuchen konnte. Ein übers Internet bestelltes Garn entsprach nicht meiner Vorstellung. Aber fertigstellen wollte ich das Kleid doch, und so ist es nun etwas sparsam geschmückt mit einem Rest Garn, der allerdings nur noch für den vorderen Riegel reichte – der hinten bleibt unverziert, bis ich wieder mehr mit meinen Händen machen kann und man wieder im Laden die Farben vergleichen kann. Oder vielleicht bleibt’s auch einfach, wie es ist, und erzählt die Geschichte dieses Weihnachtens. Ein handgenähter unsichtbarer Saum war diesmal leider auch nicht drin.
(Die Silvester-Girlande war übrigens vom letzten Jahr irgendwie hängengeblieben und wir fanden dann die Aufmunterung auch auf Dauer sehr angebracht.)

IMG_20201225_152110 vorne mit Stuhl

Aber aller Unbill zum Trotz: Es ist ein wunderschönes Kleid geworden!
Die Stickerei passt so doch eigentlich ganz gut, zum Kleid und zu mir, und das Ganze ist sagenhaft bequem. Für den Winter ist es eigentlich ein bisschen zu leicht, aber an Weihnachten mit den vielen Kerzen und der Aufregung wird einem ja eh immer viel zu warm. Ob ich das Kleid außerhalb des Hauses mal tragen werde, weiß ich noch nicht – ich fühle mich damit doch recht speziell gewandet … Allerdings ist der Schnitt ja auch hundert Jahre alt, und ich freue mich sehr, dass ich mit dem letzten fertigen Stück noch meine selbstgestellte Aufgabe (Zehn Jahre, zehn Kleider) für dieses Jahr erfüllt habe!

Allerherzlichsten Dank wie immer an die MeMadeMittwoch-Crew, die diesen Sew Along und all die gemeinsamen Mittwoche organisiert!
Und hier findet Ihr alle anderen Weihnachtskleidnäherinnen.

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Weihnachtskleid – läuft!

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Nein, ich habe nicht beschlossen, mich dieses Jahr als Engel zu verkleiden.
Ich habe mich aber doch für den teuren Stoff entschieden, und damit wurde ein Probekleid unerlässlich – zumal die vorhandenen Infos zum Schnitt ja überschaubar sind.
Soweit passt alles, und so sah der Zuschnitt aus:

Hier sieht man den Stoff nochmal von Nahem, wenn auch farblich entstellt – eine superleichte Schurwoll-Kaschmir-Mischung. Franst leider schon aus, wen man nur mal scharf hinsieht, deswegen werde ich wohl französische Nähte machen, wo das möglich ist.

Vielen Dank nochmal für die netten Kommentare zum letzten Post!
Angeschnittene Ärmel gab es wirklich viel in den Zwanzigern, allerdings auch jede Menge andere Designs. Weil ich mich aber jedes Mal endlos mit der Konstruktion von eingesetzten Ärmeln herumschlage, freue ich mich immer, wenn ich mir das sparen kann. Ich glaube, ich hab da schon so viel nachgedacht und ausprobiert und angezweifelt, dass ich schon gar nicht mehr merke, wenn es einfach passt und richtig ist …
Die Knopfleiste finde ich an sich auch hübsch, aber sie passt irgendwie besser zu der (auch noch geplanten) Baumwoll-Alltags-Variante, finde ich. Jetzt habe ich den Ausschnitt einfach breiter gemacht, so dass es keinen Verschluss braucht.
Für die Riegel vorne und hinten bin ich schon dabei, mir eine Stickerei auszudenken. Irgendwie verwende ich meine Zeit (gerne auch viel Zeit!) lieber aufs Sticken, als sie mit Schnittkonstruktion oder so etwas Prosaischem wie Knopflöchern zu verbringen.

Ja, so sieht es bei mir aus, und wie die anderen Näherinnen voran kommen, sehr Ihr hier!

Weihnachtskleid 2020 – und “Zehn Jahre, zehn Kleider”

In den letzten Jahren hat mich der erste Advent meistens ein bisschen überrumpelt, aber in diesem freue ich mich schon eine ganze Weile darauf. Ja, mir wird auch einiges fehlen, aber dafür wird endlich mal genug Zeit und Ruhe sein zum Bratäpfel machen, Basteln, Backen, Singen, Vorlesen und all das. Und zum Auf-Weihnachten-Zugehen gehört seit ein paar Jahren ja auch immer, ein Weihnachtskleid zu nähen.
1000 Dank an die Crew, die all die MeMadeMittwochs und auch wieder diesen schönsten aller Sew Alongs organisiert!

Nun habe ich neben dem Weihnachtskleid auch noch etwas anderes offen, und zwar meinen Plan, in jedem 2020er-Jahr ein Stück aus dem entsprechenden 1920er-Jahr zu nähen. Dafür eine passende Vorlage zu finden, war gar nicht einfach – was man 1920 getragen hat, ist für heutige Blicke schon sehr ungewohnt, und es soll ja auch irgendwie tragbar sein und in mein Leben passen.
Fündig wurde ich endlich beim Commercial Pattern Archive (CoPA). Dort gibt es eine Datenbank mit historischen Schnittmustern, die man kostenlos nutzen kann (nachdem man sich etwas umständlich angemeldet hat). Enthalten sind nicht die Schnitte selber, aber die Abbildungen und meistens auch eine Übersicht der Schnitteile – eben alles, was auf dem Umschlag an Informationen mitgeliefert wurde. Ein El Dorado!
Nach einem kurzen Bad im Meer der Träume waren dies meine Favoriten:

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Ein Nachthemd, ein Hauskleid, zwei Blusen.
Die Blusen gefallen mir beide sehr. Diese Raffung bei dem unteren Modell war im Jahr 1920 offensichtlich große Mode, das habe ich bei vielen Kleidern und Blusen gesehen. Und bei der oberen habe ich mal wieder über die Verwendung von Gummiband gestaunt – auch wenn ich längst weiß, dass das damals durchaus schon benutzt wurde, kommt es mir immer noch merkwürdig vor. Vor allem frage ich mich immer wieder, warum man in den folgenden Jahrzehnten weitgehend auf diese der Bequemlichkeit so förderliche Erfindung verzichtet hat.
Jedenfalls, da ja nun auch der Weihnachtskleid Sew Along ansteht, habe ich mich entschieden, beides zu verbinden und das Kleid zu nähen.

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Es sieht bequem und trotzdem wunderhübsch aus, also genau das Richtige für Weihnachten. Allerdings werde ich ein bisschen von der Vorlage abweichen.

Bezeichnet wird es als “apron”, also als Hausarbeitskleid – dass es wie eine heutige Schürze über einem kompletten anderen Outfit getragen wurde, denke ich eher nicht. Ganz sicher sollte es aber aus einem unempfindlichen, gut waschbaren Stoff genäht werden – nicht meine erste Wahl für ein Weihnachtskleid. Auf die Knöpfe am Rücken werde ich verzichten, möglicherweise auch auf die Taschen, und ich werde die puffigen Ärmel vom Nachthemd an die vom Kleid ansetzen (ein die ganzen Zwanziger hindurch geschätzter Style) .
Dass das Kleid mit diesen Änderungen unauthentisch wird, befürchte ich nicht. Alle Elemente sind weniger “typisch Kleid für die Hausarbeit”, sondern eher “typisch frühe Zwanziger”, denke ich, und wenn man so etwas 1920 vielleicht nicht gerade zu formellen Anlässen getragen hätte, passt es für mich und ein kuscheliges Weihnachten im Kreis der Kernfamilie doch sehr gut.

Bleibt die Frage nach dem Stoff. Dummerweise habe ich den perfekt dazu passenden schon gefunden, einen wunderbar weichen, leichten Webstoff mit Kaschmir in einer dunklen Beerenfarbe (bei Gädtke in Hamburg), aber der kommt finanziell leider nicht in Frage. Da muss ich also diese Woche nochmal anderweitig auf die Suche gehen, denn für das nächste Wochenende ist schon der nächste Zwischenstand geplant.

Hier findet Ihr alle anderen Weihnachtskleidnäherinnen.
Ich freu mich schon!

 

Letzte Sommerbluse

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Bevor es auf einmal ganz schön herbstlich wurde hier im Norden, hatte ich mir noch eine Sommerbluse genäht – ohne viel Aufwand, aber ich mag sie sehr, und außerdem stellt sie das glückliche Ende einer längeren Stoff-Geschichte dar:

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Eine ganz leichte Baumwolle ist das, und ursprünglich hatte ich sie in einem Kleid vernäht, das mir dann aber doch zu romantisch war, fast nie getragen wurde, und mir irgendwann leider auch nicht mehr passte.

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Um die Stickerei fand ich es wirklich schade, die habe ich aufgehoben, aber der Rockteil sollte etwas anderes werden. Mein Plan war, aus dem rosa und braunen Stoff das zweifarbige Kleid aus “Making vintage 1920s clothes for women” zu nähen.

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Aber irgendwie funktionierte der Schnitt überhaupt nicht bei mir, das Oberteil saß sehr merkwürdig, und die Ansatznaht des Rockes auf Hüfthühe finde ich vor allem in der Rückansicht immer schwierig. Auch der Versuch, das fertige Oberteil zur Bluse umzufunktionieren war nicht erfolgreich. Am Ende war es sehr befreiend, den ganzen missglückten Kram einfach wegzuwerfen und aus dem Rest diese unaufgeregte kleine Bluse zu nähen – die total angenehm zu tragen und superschnell gebügelt ist, und die außerdem noch laut “Zwanziger!” schreit.

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Happy End!

Mehr schicke Sachen findet Ihr beim MeMadeMittwoch!

Schnell im August

Heute nur ein schneller kleiner Beitrag, auch für Detailfotos hat es leider nicht gereicht.
Ich hatte mir aber vorgenommen, hier wieder einmal im Monat zum MeMadeMittwoch etwas zu zeigen, also hier ein sommerliches Standardoutfit für Stadt und Büro:

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Die Bluse hatte ich hier schon mal ausführlicher vorgestellt.
Der Rock ist recht neu, nach meinem Grundschnitt genäht, ebenfalls aus Viskosecrepe, und schon oft getragen.

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Vielen Dank an Sarah für die Fotos!

Habt alle einen schönen Sommer, und guckt Euch an, was es heute beim MeMadeMittwoch zu sehen gibt!

Die 30er sind zurück

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Ich finde, Kleider machen Feste.
Als uns vor Wochen mal der Corona-Blues überkam, haben mein Mann und ich am fein gedeckten Tisch und in Abendgarderobe mit Champagner und einer Pizza vom Lieferservice einen wunderbaren und sehr nicht-alltäglichen Abend verbracht.
Und als sich kurz darauf zeigte, dass wir die Konfirmation meiner großen Tochter nur in kleinster Besetzung würden feiern können, wurde mir schnell klar: Dann braucht es auf jeden Fall eine festliche Klamotte.

Weil ich schon länger mal wieder Lust auf eine 30er Jahre-Silhouette und außerdem einen Viskosejersey in der Kommode hatte, der mir farblich eigentlich etwas zu knallig ist, jedenfalls für alltags, habe ich das zum Anlass genommen, und dieses (zweiteilige) Kleid genäht:

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Der Rock basiert auf diesem Schnittmuster:

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Das Oberteil ist selbst konstruiert und denkbar simpel geschnitten, wie man hier sieht.

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Nur mit der Passe am Bund habe ich etwas rumexperimentiert, und leider schließt sie links an der Öffnung immer noch nicht glatt in der Rundung ab. Macht aber nix. Der Kragen hat schon mehrere Leben an verschiedenen Blusen hinter sich und kommt hier netterweise nochmal zu Ehren. Im Original stammte er von einer Secondhand-Bluse von Laura Ashley.

Das Ganze geht glatt für 30er Jahre durch, man hätte es damals aber typischerweise wohl eher als einteiliges Kleid genäht. Ich kenne aus den 30ern nur Abbildungen von Strickensembles in dieser Art, keine Kleider aus Webstoffen. Gerade bei schwerer fallenden Stoffen finde ich eine Verteilung des Gewichts auf Schultern und Hüften aber ganz angenehm (ich hatte da kürzlich ein unschönes Erlebnis mit einem Zadie-Jumpsuit).

Wie man sieht, habe ich für das Blogfoto sogar nach Jahren mal wieder eine Nacht auf Lockenwicklern geschlafen, wie es sich für die Trägerin eines 30er Jahre-Outfits gehört. War vom Aufwand her ganz okay, aber mein Anblick mit den Locken ist mittlerweile doch ganz schön ungewohnt.

Jedenfalls, ich mag das Kleid und werde es sicher immer mal sonntags oder zu anderen schönen Anlässen tragen. Und die Konfirmation war auch in kleiner Runde ein echtes Fest!

Heute ist MeMadeMittwoch, und hier sind alle anderen Damen zu sehen!

Zwei Blusen und ein Kostüm

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Mir fehlen meine Nähfreundinnen. Sehr! Neben allem anderen auch zum Bilder machen, und so gibt es dieses Mal leider nur etwas düstere Drinnen-Fotos. Dafür von einem heißgeliebten Ensemble:

 

Der Rock ist schon älter und ursprünglich Teil dieses Kostüms aus weichem Kaschmir-Seide-Jersey, von dem ich vor einiger Zeit mal diverse Meter gekauft hatte. Damals hatte ich leicht an meinem Verstand gezweifelt, aber jetzt freue ich mich sehr, denn so hatte ich nach einem Kleid und eben dem Kostüm noch genug Stoff für eine weitere Jacke. So richtig warm wurde ich mit dem strengen Schnitt der Jacke dann nämlich doch nicht, dazu hat sie ein paar Passform-Macken und ein paar Couture-Sünden, die mich jedes mal geärgert haben. Und so habe ich nun eine etwas lässigere Jacke dazu genäht, basierend auf McCalls 6996. Der Schnitt hat sich für mich sehr bewährt und wird in dieser abgewandelten Form mein neuer Basis-Schnitt für Strickstoff-Jacken mit Schalkragen werden.

Und dann habe ich noch eine wunderbare Entdeckung gemacht: Viskosecrepe für Blusen. Absolut authentisch für die 20er UND bügelfrei!!

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Dieser cremefarbene Crepe liegt schon seit Jahren in der Kommodenschublade und sollte eigentlich ein Kleid werden – wenn ich keine Kinder mit dreckigen Händen und Eisschnute mehr habe. Aber kürzlich wurde mir klar, dass ich auch dann wahrscheinlich niemals entspannt ein weißes Kleid tragen würde, so schön und sommerlich ich das auch finde. Und so sind stattdessen drei Blusen daraus entstanden, plus zwei weitere aus dunkelblauem Crepe, den ich auch noch hatte.

Alle nach meinem Basisschnitt und zwei davon mit ein bisschen Stickerei:

Erst als sie nebeneinander am Schrank hingen, wurde mir klar, dass die beiden ganz gruselig gegendered sind: eine mit breiten Schultern und schmaler Hüfte, mit blauer Krawatte, die andere oben schmal, dafür weit an den Hüften und mit rotem Schleifchen. Puh!
Ich mag sie trotzdem beide sehr. Und da ich momentan bei der Arbeit sowieso selten jemanden sehe, trage ich das Ganze tagein, tagaus. Genau richtig für den Frühling.

Hier geht es zum MeMadeMittwoch und hoffentlich wieder ganz vielen gut gekleideten Damen! Und hier zu Handgestickt von Made with Blümchen.

 

Zehn Jahre, zehn Kleider – 1920: Inspiration

Hier hatte ich ja von meinem Plan berichtet, in jedem Jahr der 2020er ein Kleidungsstück aus dem entsprechenden Jahr der 1920er zu nähen. Und heute gibt es nun eine kleine Bildersammlung für (Damen-)Kleidung aus dem Jahr 1920.
Momentan sind die Bibliotheken großteils noch geschlossen und Bildrecherche im Internet macht mir wirklich keine Freude, darum bin ich auf meine eigene kleine Sammlung angewiesen – die einiges zu bieten hat, aber tatsächlich fast durchgehend beginnend mit dem Jahr 1921. Tja.
So kommen die folgenden Bilder allesamt aus dem “Fashion Sourcebook 1920s” (Ed. by Charlotte Fiell & Emmanuelle Dix, Fiell Publ., 2011). Viel Spaß!

Wenn man in dieser Challenge noch einmal in viel Stoff schwelgen möchte, dann sollte man das vielleicht in diesem Jahr tun. Zum Beispiel mit einem dieser Kleider:
Ist sie nicht elegant und sommerlich mit ihrem zarten Kleid und Schirm und Hut?

Kleid für die Rennstrecke
Kleid von Beer, Illustration von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Schon lange mag ich auch dieses grüne Kleid. Sicher trägt es sich wunderbar mit der variablen Taille und dem weiten Rock.

grünes Kleid mit Schleife
La Mode, 1920

Die romantischen Kleider von (oder im Stil von) Jeanne Lanvin waren in den Zwanzigern eine populäre Alternative zur typischen schmalen Silhouette. Ich finde, das dunkle Modell hat fast etwas vom New Look aus den Fünfzigern.

Kleider Lanvin
Kleider von Jeanne Lanvin, Illustrationen von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Und hier kommen ein paar Blusen.
Hochgeschlossenene Krägen wie bei dieser roten Bluse sieht man recht häufig auf Abbildungen. Viele russische EmigrantInnen kamen nach der Revolution nach Paris und waren dann oft in der Bekleidungsindustrie tätig. Die Folge waren nicht nur weitere Massen an unfassbar schlecht bezahlten Näherinnen und Stickerinnen, sonder auch ein recht langlebiger Modetrend.

Bluse rot hochgeschlossen
La Mode, 1920

Die folgenden Blusen sind deutlich luftiger. Man sieht ganz schön die tiefsitzende Brust, die als Schönheitsideal aus den 1910ern kam. Das und die oft stark betonten Hüften machen mir die Mode um 1920 sehr sympathisch. Später in den Zwanzigern übernahm dann der Jugendkult das Ruder, da war es mit soviel Natürlichkeit für den allergrößten Teil der erwachsenen Frauen vorbei, und damit schlagen wir uns ja bis heute herum.

Kleid lila mit 4 Blusen
Paris Élégant, 1920

Hier noch ein bisschen was für draußen …

Ensemble Winter
Ensemble von Worth, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

 

drei Kleider, Kostüme
Les Dernières Modes de Paris, 1920

… und für drinnen. Der braune Morgenmantel mit Pelzbesatz hat schon was, oder? Ist aber wohl eher nicht für Leute geeignet, die sich ihr Frühstück selber machen müssen.

Morgenmäntel
Paris-Blouses, 1920

Und zu guter Letzt ein paar Abendkleider:

Abendkleider
Le Femme Chic, ca. 1920

 

Abendkleid Harlekin
Kleid von Doeuillet, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

Na, hat jemand Lust bekommen? Wie gesagt, ich würde mich außerordentlich freuen über etwas Gesellschaft in dieser kleinen Nähblogger-Nische meines Herzens! Selbst ich finde allerdings die Mode der frühen Zwanziger nicht sehr alltagstauglich – in den nächsten Jahren wird das besser!
Als weitere Inspirationsquelle verweise ich wie immer auf den wundervollen Blog von witness2fashion – meine fashion history-Heldin, sie weiß, glaube ich, alles über die Zwanziger. Oder kann es jedenfalls herausfinden. Wenn man dort “1920” in die Suche eingibt, findet man jede Menge Schätze.

So weit, so gut. Jetzt gucke ich mal, was mir in diesem Jahr noch so an Bildern und an Stoffen über den Weg laufen wird. Welche Lücken sich unverhofft in meiner Garderobe auftun. Und wie überhaupt alles so weitergeht – ich wollte eigentlich etwas für den Strandurlaub nähen, aber vielleicht ist loungewear auch auf längere Sicht das Gebot der Stunde?

Liebe Grüße, und haltet die Ohren steif!

Zehn Jahre, zehn Kleider

Die 2020er!
Hundert Jahre ist die Mode schon alt, die ich nähe und trage und hier im Blog vorstelle. Erstaunlich!
Vor allem aber: Was für eine Steilvorlage!!

[1920 / 1921 / 1922  –  Quellenangaben s. unten]

Ich habe mir darum eine kleine Aufgabe gestellt: In jedem Jahr dieses Jahrzehnts werde ich ein Stück nähen, dessen Design genau hundert Jahre alt ist. Keine Eins-zu-eins-Reproduktion, aber so, dass sich beispielweise jemand aus dem Jahr 1923 nicht wundern würde über das, was ich im Jahr 2023 zu nähen und tragen gedenke.
Weiß ich, ob ich im Jahr 2029 immer noch Lust auf diese Sachen haben werde? Nö. Aber die Chancen stehen recht gut. Ob ich noch einen Blog haben werde? Keine Ahnung. Aber diese Challenge wäre auf jeden Fall ein guter Grund dafür!

[1923 / 1924 / 1925  –  Quellenangaben s.unten]

Die größte Herausforderung sehe ich eigentlich darin, dass sich die Mode im Verlauf der 1920er ja stark verändert hat, wie in der kleinen (nicht repräsentativen) Bildauswahl in diesem Post zu sehen ist. Und gerade aus den frühen Jahren würde vieles, heute getragen, schon sehr seltsam wirken. Nun ja, man soll ja immer mal die Komfortzone verlassen, und zur Not bleiben immer noch Morgenmäntel, Nachtwäsche und dergleichen, in denen mich sowieso nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Aber für 1920 wird es, glaube ich, ein Kleid, ich hab da schon Ideen …

[1926 / 1927 / 1928 – Quellenangaben s. unten]

Ob es für einen echten Sew Along genug Nerds da draußen gibt, weiß ich nicht, und ich bin ja auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv, wo man so etwas bewerben könnte.
Trotzdem fände ich es wundervoll, das alles nicht alleine zu machen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, sich zu beteiligen?!
Ich habe vor, für jedes Jahr einen Beitrag mit Bildern zur Inspiration zu posten, und natürlich, was ich dann daraus mache. Über jeden Beitrag oder Link in meinen Kommentaren würde ich mich wirklich freuen!

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[1929]

Also, auf in die Goldenen Zwanziger Jahre!

 

Quellen für die Bilder:
Fiell: Fashion sourcebook 1920s [1920, 1922, 1923, 1926]
1920s fashion from B. Altman & Company [1921, 1924, 1925, 1927, 1928]
Ward: Fashionable clothing from the Sears catalogs, Early 1930s [1929]

Winter Ade

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Es ist März! Und mir ist schon sehr nach Frühling zumute (auch wenn das hier im Norden sicher noch ein bisschen dauern wird). Mein letztes winterliches Machwerk möchte ich aber trotzdem noch zeigen.
Nachdem ich den Pullover aus dem letzten Post in den vergangenen Wochen rauf und runter getragen habe, habe ich mir noch einen zweiten genäht, passend zum Rock aus diesem Kostüm. Der Stoff ist wieder Merinostrick von Anita Pavani, Schnitt und Stickerei von mir selber ausgedacht. Durch die etwas weiteren Ärmel ist er nicht ganz so warm wie der dunkelblaue, aber genau so gemütlich.

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Leider habe ich noch immer keine Abbildung von so einem Ensemble aus den Zwanziger Jahren gefunden. Die einzelnen Elemente stimmen, würde ich sagen, aber wie authentisch so ein zweiteiliges Kleid aus dickerem Strickstoff ist, weiß ich nicht. Immerhin, ich habe mehrere Abbildung aus den frühen Dreißigern gesehen, zum Beispiel diese hier von 1933 (aus “Blum: Everyday fashions of the thirties as pictured in Sears catalogs”, und schon in der typischen 30er-Jahre-Silhouette, inklusive absurd verzerrter Körperproportionen):

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Ich wünsche allen einen schönen Start in den Frühling, und sicher gibt es heute jede Menge dazu passende Kleidung beim MeMadeMittwoch zu sehen!