Spring Style-Along – Kombinationen

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… sind heute das Thema beim Style-Along von Mamamachtsachen.
Ich habe insgesamt eher wenig Klamotten (einfach zu wenig Zeit zum Nähen) und darum eigentlich immer mit im Blick, ob etwas Neues auch zum schon Vorhandenen passt.
Das hat natürlich große Vorteile, bringt aber auch die Gefahr einer gewissen Langeweile mit sich – bei mir ist alles ganz überwiegend blau. Mag ich, steht mir, passt gut zusammen, wenn man sich einigermaßen konsequent an die kühleren Schattierungen hält. Dann gibt es noch ein bisschen Dunkelrot. Weiße Blusen. Und glücklicherweise eine helle Strickjacke (camel oder wie man die Farbe nennen möchte), die ich bei akutem Notstand und eher trotz als wegen der Farbe gekauft hatte, die sich aber als neutrales Zwischenstück sehr bewährt. Jedenfalls, alle möglichen Kombinationen sind mir leider schon zur Genüge bekannt und keine größeren Überraschungen zu erwarten.
Drum möchte ich diesen Termin lieber für einen weiteren Zwischenstand nutzen.

Letzte Woche hatte ich einen ziemlichen Durchhänger.
Mit dem roten Sonntagskleid ging es irgendwie nicht voran. Es war an den Hüften zu eng, und wieder mal stehe ich vor dem Rätsel, warum ein perfekt funktionierender Schnitt (blaues Sonntagskleid) in anderem Stoff plötzlich überhaupt nicht geht. Und dann gefiel mir immer noch nicht der starke Kontrast mit dem Kragen. Das Ganze leblos und zu flächig, zu formell, streng, langweilig.

Dann hatte sich auch noch ein weiteres Kleid in meinen Plan geschummelt, das ich gerne hätte, aber eigentlich nicht nähen möchte: ein Kleid für Bandauftritte, geblümt, aus rutschiger Viskose, heißt: wahrscheinlich kein großer Spaß zu nähen und vom Muster her so gar nicht mein Ding, aber nunmal passend zur Musik.

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Hatte ich also mein geliebtes Nähtreffen am Samstag vor mir und auf überhaupt nix Lust. Aber wie immer wurde dann alles gut … Ich habe alles andere links liegen gelassen und mir einen kleinen Hut genäht, der mir außerordentlich gut gefällt:

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Die Anleitung gibt es gratis bei Elsewhen, und es hat alles auf Anhieb funktioniert. Ich habe nur die Krempe etwas höher gesetzt. Beim nächsten Mal würde ich sie wohl etwas weiter ausstellen und die Längsnähte etwas mehr abrunden – nun gibt es ein paar Beulen, sicher auch dem leichten Stoff geschuldet, die aber für so einen Sommerhut in Ordnung gehen, finde ich. Ich hab ihn schon mehrfach getragen und mag ihn sehr. Er ruft viel Schmunzeln auf der Straße hervor – aber ich habe beschlossen, dass die Leute sich nicht amüsieren, sondern sich über das nette Hütchen freuen, und das tue ich ja auch.

Das Gebastel an der roten Strickjacke ist auf der Zielgeraden:

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Und dann kamen auch noch ein paar Ideen, wie ich mit dem roten Kleid weitermachen könnte – s.u. und mehr dazu hoffentlich beim Finale!

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Spring Style-Along – Accessoires

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Alles, was sonst noch dazu gehört – das ist diese Woche das Thema des Style-Alongs.
Heißt für mich: Schuhe, Taschen, Hüte.

Bis in die 50er Jahre war man (und frau) ohne Hut auf der Straße nicht korrekt gekleidet. Ich mag Hüte und gehe nur selten ohne Kopfbedeckung aus dem Haus (hier hatte ich schon mal über’s Hüte tragen im Alltag geschrieben). Da ich allerdings jeden Tag Fahrrad fahre, zumindest bis zur nächsten S-Bahn-Haltestelle, und das mittlerweile mit Helm, haben es meine Hüte schwer. Meistens kommt dann doch die Baskenmütze mit, die man in die Tasche knüllen und am Zielort wieder herausholen kann.

Das hier ist meine Auswahl für die warme Jahreszeit:

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Und sowas hier will ich unbedingt noch nähen:

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Das wäre dann nämlich hoffentlich auch taschentauglich und trotzdem ein richtiger Hut. Stoff ist schon gekauft und das Ganze recht weit oben auf der Prioritätenliste.

Für den Sommer an der Riviera hätte ich außerdem sehr gerne noch einen breitkrempigen Strohhut, so wie hier (auf dem Cover von Lussier: Art Deco Fashion):

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Allerdings gibt das Budget das wohl eher nicht mehr her. Der Style-Along hat schon jetzt ganz schön reingehauen (ich meine, wenn das so im Plan steht, muss ich dafür ja auch Stoff kaufen, oder nicht?!).

Was Handtaschen angeht, bin ich ganz gut ausgestattet, mit originalen und neuen. Schwierig wird es allerdings immer, wenn man mehr als nur Portemonnaie, Telefon und Lippenstift transportieren will. Dafür eine authentische, praktische und schöne Lösung zu finden, ist mir bisher nicht gelungen. Durchaus zu lösen wäre aber das Problem einer Umhängetasche zur sportlichen Garderobe. Meine Nähliste ist aber lang und der Leidensdruck bisher nicht hoch, also weiß ich nicht, ob das diesen Sommer noch was wird.

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Und Schuhe? Hab ich, ebenfalls in alt und neu, für alle Anlässe bis auf sportlich (von den ziemlich abgerockten Halbstiefeln mal abgesehen) – und diese Lücke füllte sich letzte Woche, als meine neuen Sattelschuhe ankamen, juchhei! Die verbindet man ja heutzutage vor allem mit den Fünfzigern, Rock’n Roll und so. Schon um 1900 gab es sie aber (als Sportschuhe natürlich, nicht für die Straße) und auch in den 20ern waren sie noch populär – zumindest in den USA. Über Sattelschuhe in Europa hab ich leider noch nix herausfinden können. Wegen der ausgeprägten Rockabilly-Assoziation konnte ich mich nie so recht dazu durchringen, welche zu tragen, aber wenn meine Freizeit-Klamotten jetzt sowieso mehr so “irgendwie vintage” sind, dann passen sie sehr schön dazu. Sind noch steinhart, könnten aber, glaube ich, eine extrem bequeme und langlebige Ergänzung meiner Garderobe werden.

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Soweit, so gut. Den Hut gehe ich, glaube ich, am Wochenende mal an. Ansonsten bastele ich weiter an der dicken Strickjacke (das wird!) und dem roten Sonntagskleid herum (bei dem ist irgendwas nicht richtig, aber ich weiß noch nicht, was).
Der nächste Termin für den Style-Along ist, glaube ich, schon nächste Woche. Bis dahin also!

 

Spring Style-Along – Zwischenstand

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Mein hübscher Plan, der Rose in meinem Blumenkasten hier im Blog beim Aufblühen zuzusehen, ging leider nicht auf – sie hat die letzten kalten Nächte nicht überstanden und dann doch noch das Zeitliche gesegnet. Mal sehen, was die Küchenschelle so kann.

Auf und Ab gibt es auch bei der Frühlingsgarderobe zu vermelden. Ich fange mal mit der Strickerei an:

 

Die rote dicke Jacke ist tatsächlich annähernd fertig geworden. Nachdem sie ja im letzten Anlauf viel zu weit gewesen war, ist sie nun etwas schmaler als gehofft. Es reicht nur für eine Überlappung der vorderen Kanten, keinen wirklich seitlichen Schluss. Die Kanten vorne direkt aufeinander treffen zu lassen, wäre auch hübsch, allerdings zieht da natürlich die Kälte rein. Die Knopflöcher hatte ich sowieso vergessen, darum Schlaufen.
Vor allem fehlt ihr jetzt aber leider dieser schöne Schwung nach außen, darum habe ich beschlossen, zwei Keile zu stricken, die in die Seitennähte kommen und der Jacke hoffentlich endlich zu einer eleganten A-Linie verhelfen (und hoffentlich nicht allzu wurstig aussehen …). Außerdem soll sie ja noch gefüttert werden – sie ist also eigentlich gar kein Frühlings-, sondern eher ein Herbstprojekt, insofern tüftele ich da jetzt ohne Zeitdruck weiter dran herum, wenn mir der Sinn danach steht.

Damit ist nun freie Bahn für ein neues Strickprojekt, und nach langem Suchen habe ich mich für diese Jacke entschieden. Nach all dem Ärger mit alten Anleitungen ist dies nun endlich mal eine moderne, und ich hoffe, dass sie sich gut umsetzen lässt. Die Jacke fällt in meine neue entspannte Freizeitkategorie, darum kann sie gerne weder 20er noch 30er oder sonstwie authentisch sein. Insgesamt passt sie vom Stil her ja ganz gut, den Kragen mache ich vielleicht noch ein bisschen anders.

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Farblich bin ich dann doch wieder bei Blau hängen geblieben, fremdelte aber irgendwie mit der Vorstellung einer durchgehend gemusterten Jacke. Den Ausschlag gab, dass die Abnahmen im Muster deutlich und unschön sichtbar waren, da hab ich also nochmal aufgemacht und neu angefangen, und jetzt wird das Muster nur an Saum und Ärmeln und Kragen auftauchen, das gefällt mir besser.

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Eine blaue Jacke aus Merinostrick (im letzten Post gezeigt) zuende nähen wollte ich ja auch, und das hat leider so erstmal nicht geklappt. Der Halsausschnitt war mir zu weit, der Kragen zu schmal und überhaupt. Ich hab also vier Abnäherchen hinten im Nacken gemacht und einen neuen, breiteren Kragen. Dafür brauchte ich mehr Stoff, und natürlich ist es immer eine super Idee, den Druck bei einem störrischen Nähprojekt zu erhöhen, indem man noch mehr Geld dafür ausgibt als sowieso schon. Jetzt ist auch noch Stoff für einen passenden Rock da, aber naja …
Trotz allem blieb aber das Grundproblem: Der Rücken ist einfach zu kurz. Ich muss den Kragen im Nacken fünf bis zehn Zentimeter nach hinten ziehen, dann sitzt sie vorne prima. Sonst hängt sie wie ein Sack an mir, und das auch noch in biederem Dunkelblau – geht nicht. Da werde ich wohl alle Teile noch einmal auftrennen und neu zuschneiden müssen, zum Wegschmeißen war das Ganze jetzt echt zu teuer. Aber auch das mache ich wohl eher gen Herbst.

Dafür ist ein anderes etwas wildes Projekt zu einem ungeplanten, aber ganz wunderbaren Ende gekommen. Schon lange wollte ich mal sowas haben:

(Bilder aus Fiell: Fashion Sourcebook 1920s und Art Deco Fashion von Pepin Press)

Ausführliches und schöne Bilder zum Thema einteilige Kleider, die wie zweiteilige aussehen, zweiteilige, die so tun, als seien sie einteilig, usw. kann man bei witness2fashion nachlesen und ansehen. Nun gab es neulich im Warenhaus zwei Kaschmir-Pullover zum Preis von einem, und ich dachte mir, wenn ich einen passenden für das Oberteil kaufe, könnte ein zweiter in der größten Größe doch den Stoff für das Rockteil eines Kleides liefern. Das hätte fast geklappt, aber am Ende war der Rock dann doch die entscheidenden fünf Zentimeter zu kurz. Aber einen Kragen für eine Jacke konnte man aus dem zweiten Pulli zusammenstückeln und nach ein bisschen Hin und Her und Ausprobiererei habe ich jetzt diese hier:

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Sie kriegt Knötchen, wenn man sie nur ansieht, aber sie ist wunderbar weich und kuschelig und passt prima zu meinen Privat- und Zuhause-Sachen und ich liebe sie sehr.

Die Sache mit dem “Pulloverkleid” hatte also nicht geklappt, da lief mir außerplanmäßig ein Viskose-Baumwoll-Strick mit Bündchen und Borderprint über den Weg. So hab ich ihn ohne vorheriges Anfassen bestellt, und das war eindeutig ein Fehler. Statt weich und leicht finde ich ihn eher kratzig und labberig. Und trotz vorherigen Ausmessens reicht wieder einmal der Stoff nicht – diesmal ist der Rock so eng, dass er mir am Hintern klebt. Naja, so in etwa hätte es werden können (kürzere Ärmel natürlich, größerer Ausschnitt usw.):

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Fliegt aber in den Müll. Immerhin hab ich den Schnitt für das Oberteil mal ausprobiert, das wird mir sicher irgendwann zupass kommen.

Was ich bisher vor mir hergeschoben habe, ist das Kassackkleid. Mittlerweile habe ich die Teile in Gelatine gebadet und sie sind auch steif geworden, aber auch ein bisschen eklig. Weiß noch nicht, wie ich damit weitermache.

Da habe ich doch lieber ein Sonntagskleid aus einem Viskosejersey angefangen, der ebenfalls nicht im Plan war, sich mir aber förmlich aufdrängte. Ich finde es äußerst schwierig, mir im Winter vorzustellen, dass ich im Sommer tatsächlich leichte Kleidung tragen und dabei nicht frieren werde. So musste ich meinen Nähplan noch ein bisschen korrigieren.

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Ich finde den farblichen Kontrast ein bisschen krass. Und den Kragen irgendwie so 70er. Aber es ist ja auch noch nicht fertig – mal sehen.

Insgesamt finde ich mich ziemlich fleißig und bin auch mit dem Output ganz zufrieden – irgendwas ist ja immer. Und nun bin ich gespannt auf die Berichte der anderen Teilnehmerinnen am Style Along!

Spring Style-Along – Der Plan

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Nein, das Röschen vor dem Fenster hat nicht viel Sonne gekriegt in der letzten Woche. Aber immerhin ein bisschen Stiefmütterchen-Gesellschaft.
Und in hoffnungsvoller Erwartung soll es hier nun trotzdem konkret werden mit der Frühlings- und Sommergarderobe.

Ich ordne mal nach Dringlichkeit:

Bereits in Arbeit ist die Draußen-Strickjacke, die ich im letzten Post schon gezeigt habe. So soll sie am Ende aussehen:

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aus Fleishers Knitting and Crocheting Manual No. 20 (über Iva Rose Vinatge Reproductions)

Jedenfalls ungefähr. Ich stricke und ribbele und stricke seit mehreren Monaten an dem guten Stück und hatte vorgestern die Freude, einen kompletten Ärmel wieder aufzumachen. Diese alten Anleitungen sind speziell, und mir fehlt immer noch die Erfahrung, Unstimmigkeiten rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Wenn ich damit fertig bin, will ich eine kurze Strickjacke anfangen, z.B. sowas hier:

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Quelle: thevintageknittinglady.co.uk

Ende April haben wir ein großes Familientreffen in der Pfalz mit Ausflug ins Grüne, einem Fest usw. Dafür würde ich gerne das im letzten Post mit Bildern und Stoffproben gezeigte angefangene Kassackkleid fertig haben – falls das mit der Gelatine zur Bändigung der rutschigen Stoffe klappt. Ich werde berichten. Und ich möchte zumindest eins der drei Baumwoll-Kleider, für die hier schon die Stoffe liegen, tragen:

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Vom Design habe ich noch keine konkrete Vorstellung, aber in diese Richtung wird es gehen:

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Quellen: links witness2fashion.wordpress.com; Mitte weiß ich leider nicht mehr; rechts über Swingstyle.de

Diese blaue Jacke aus Merino-Feinstrick, fast fertig, soll auch mit:

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Als nächstes würde ich gerne ein bisschen Jersey oder Strick oder anderen dehnbaren Stoff vernähen – wenn ich welchen finde, der mir passend erscheint: für ein Sonntagskleid und ein Kostüm für die Arbeit.

Eine Hose aus Feincord, braun, will ich nähen, und vielleicht eine aus Leinen kaufen.

Dann ist da noch ein weiteres Sonntagskleid, und zwar mein Gänseblümchenkleid vom vorletzten Jahr. Das zu nähen hatte seinen Sinn im Rahmen des Historical Sew Monthly, aber tatsächlich trage ich es nie – zu romantisch. Das Oberteil ist aber so hübsch, darum habe ich den Rock schon abgetrennt und werde versuchen, etwas schmaleres daraus zu machen.

Am unteren Ende der Dringlichkeitsskala stehen eine zarte Feierabendgewandung und ein Regenmantel oder -cape. Beides hätte ich gern, hab aber keine Lust, sie zu nähen. Entweder es kommt also der Moment, in dem ich sie einfach haben muss, oder eben nicht (oder erst nächstes Jahr).

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Quellen: links Art Deco Fashion, Pepin Press, 2007; rechts über Swingstyle.de

Insgesamt hab ich also einiges vor und wenig Zeit, und mangels vorgefertigter Schnitte ist viel Anpassungsaufwand zu erwarten. Als ich im letzten Jahr, quasi als stille Teilnehmerin am Spring Style-Along, zum ersten Mal so eine Liste aufgestellt habe, führte das zu Stress und großem Frust und noch mehr Stress und einer vorübergehenden Absage an jegliche Nähplanungen. Momentan stehe ich meiner begrenzten Zeit für mich selber mit etwas mehr Gelassenheit gegenüber (auch, weil ich ja weiß, dass ich zumindest alle zwei Monate einen ganzen Tag lang in der allernettesten Gesellschaft nähen darf!). Aber einen taggenauen Nähplan mache ich auf keinen Fall. Tut mir nicht gut.
Ich freu mich aber sehr über meine schönen Pläne und mache mich einfach mal ans Werk!

Und hier gibt es weitere Frühlingspläne zu bestaunen.

Spring Style-Along

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Mamamachtsachen lädt wieder zum Spring Style-Along ein. Ich bin zwar ziemlich spät dran (und hab auch das Gefühl, meine Herangehensweise ist eine etwas andere), aber ich möchte doch gerne noch mitmachen! Danke, Alex, für Organisation, Inspiration und Einladung!

Verpasst habe ich bisher die Punkte “Bestandsaufnahme” und “Wunschkonzert”, diese Woche ist dem “Style Concept” gewidmet, also mal sehen, wie ich das alles noch unterbringe.

Nachdem ja kürzlich ein Buch meine Vorstellungen von meiner Garderobe gründlich durchgeschüttelt hat (mehr dazu hier), hatte ich mir sowieso schon einige Gedanken dazu gemacht.
Zusammenfassend gesagt: In meinem Leben sind nicht alle Tage gleich, und für einzelne Lebensbereiche möchte ich jeweils zweckmäßige und schöne Kleidung haben. Und, ja, es lohnt sich, kostbare Nähzeit in Projekte zu investieren, die möglicherweise nicht viel hermachen oder nur von sehr wenigen Menschen gesehen werden. Weil nämlich ich sie sehe und trage und mich idealerweise wohl darin fühle.

Die im Buch angeführten Lebensbereiche beziehen sich auf Frauenleben in der ersten Hälfte es zwanzigsten Jahrhunderts, und das lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf meines übertragen, vieles passt aber dann doch. Und überraschenderweise hat das Buch insgesamt eher dazu beigetragen, dass ich mich entspannen und in Sachen 20er Jahre und Authentizität auch mal fünf gerade sein lassen kann. Bei aller Kritik, die man völlig zu Recht an den damaligen restriktiven Vorstellungen von weiblicher Kleidung üben kann – es liegt auch empowerment darin, Frauen zu ermutigen, sich selber und ihre Bedürfnisse und Wünsche wichtig zu nehmen, was Praktikabilität, aber auch, was Schönheit, Freude und Luxus angeht. Selbst in Garderobenplanungen für sehr knappes Budget ist immer mindestens ein Kleid extra für den Feierabend vorgesehen, und zwar ein besonders schönes, denn die Zeit, die man in seinem intimsten Kreis, zu Hause, verbringt, ist schließlich die, in der man seinem Geschmack und seinen Vorlieben quasi ohne Rücksicht auf Verluste freien Lauf lassen kann. Das ist dann irgendwie schon was anderes als ein Jogginganzug, oder?

Also, fangen wir mal mit der (Erwerbs-)Arbeit an.
Was möchte ich?
Ich arbeite in einer Bibliothek. Ich möchte elegante Kleidung, eher sachlich, aber nicht langweilig. Kostümjacken, in denen ich mich nicht gut bewegen kann, scheiden aus, ebenso Pullis und langärmelige Kleider – wenn’s beim Räumen mal warm wird, möchte ich Schichten ablegen können. Ideal sind Rock, Bluse und nicht zu rustikale Strickjacke. Wie ich seit Neuestem weiß, sind auch Jersey-Kostüme großartig, aber da finde ich es nicht einfach, passenden Stoff zu finden. Vielleicht wäre Feinstrick auch eine Option? Allerdings nicht gerade sommerlich.

Was hab ich schon?
Mein Jersey-Kostüm ist sicher durchgehend tragbar, so richtig heiß wird es ja in Hamburg eher ab und zu mal. Ich habe einen blauen Rock und eine beige Strickjacke.

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Da ist also noch Luft nach oben. Blusen gibt’s momentan genug, z.B. die hier:

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Ich habe mir allerdings vorgenommen, nicht mehr so viel Zeit auf das Nähen von Bürokleidung zu verwenden. Meine KollegInnen werden schon damit klar kommen, wenn meine Auswahl überschaubar ist, und mit einer Hager-und-Mager-Kaufgarderobe kann ich mengenmäßig sowieso nicht mithalten. Und dann ist es eigentlich auch viel wichtiger, mich schön zu finden, wenn ich z.B. Zeit mit meinem Mann verbringe.

Als nächstes: Die Hausarbeit.
Was möchte ich?
Einen Teil meiner Nachmittage verbringe ich mit meinen Kindern und dem Haushalt. Darauf war meine Garderobe bislang am schlechtesten eingestellt, und zwar, weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass ich dabei nun mal am liebsten Hosen trage. Hosen gab es in den Zwanzigern als Strandkleidung oder Pyjamas oder, interessanterweise, als Teil eleganter Abendgarderobe. Als Alltagskleidung und auf der Straße wurden sie von Frauen bis in die 30er Jahre nur getragen, wenn sie schwere körperliche Arbeit verrichteten, im Bergbau oder auf dem Land – und auch dabei trugen viele lieber Kleider. Weil Hosen in der Öffentlichkeit eben eigentlich keine Option für Frauen waren.
Ich mag sogenannte Marlenehosen mit kurzen Pullis oder Strickjacken, also ein typisches 30er Jahre-Outfit. Und das werde ich künftig auch einfach mal tragen – außer mir interessiert es sowieso niemanden, ob die Haare passend dazu in Wellen gelegt und die Augenbrauen gezupft sind. Und wo ich schon mal dabei bin: Es müssen auch nicht unbedingt Blusen sein. Shirts mit U-Boot-Ausschnitt oder Ähnliches machen den Look dann auch nicht mehr kaputt, sind bequemer, müssen nicht gebügelt werden, und ich kann sie einfach im Laden kaufen.
Das klingt wahrscheinlich ziemlich bekloppt, aber seit ungefähr zehn Jahren beschäftige ich mich damit, mich möglichst historisch korrekt zu kleiden (erst 30er, dann 20er Jahre), auch wenn das oft unbequem ist, und so ist es schon ein Schritt für mich, mir diesen unauthentischen Komfort einfach zuzugestehen.

Was hab ich schon?
Ich habe eine Jeans und eine Leinenhose, zwei Shirts und ein paar kurzärmelige Blusen dazu. Dann hab ich eine olle Strickjacke, die ich gerne ersetzen würde, und meinen neuen Matrosenpulli, der aber für den Sommer eher zu warm ist. Was Hemden angeht, bin ich gut ausgestattet. Es fehlt noch eine Hose, und es fehlen Jacken.

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Dann: Der Sonntag.
Was möchte ich?
Besonders hierfür war meine erste erfolgreiche Begegnung mit Jersey eine Entdeckung! Ich mag gerne den Sonntag mit etwas festlicher Kleidung ehren, aber wenn sie dabei auch noch bequem und sofatauglich ist, ist das natürlich ein Traum! Im Sommer müsste sie allerdings auch noch Elbstrand- und Grill-tauglich sein, das wirft wohl ein paar Fragen auf … mal sehen.

Was hab ich schon?
Ein wunderbares blaues Sonntagskleid für die kühleren Tage. Davon braucht es mehr und sommerlicheres!!

Und: Fest!
Was möchte ich?
Ich möchte gerne ein paar Kleider haben, die ich zu Festen, Geburtstagspartys und in die Oper anziehen kann, ohne total overdressed zu sein, aber auch ohne das Gefühl zu haben, so könnte ich auch genausogut zur Arbeit gehen. In den Zwanzigern (und den Jahrzehnten drum herum) gab es die Nachmittagsgarderobe. Das waren Kleider zum Ausgehen, für kleinere gesellschaftliche Anlässe, die vielen Leuten heutzutage schon für große Hochzeiten zu aufgebrezelt wären. Da einen Mittelweg zu finden, ist nicht leicht, zumal ich mich eigentlich sehr gerne fein mache. Es hilft allerdings, dass ich generell eher schlichte Kleidung mag. Verspieltes, Rüschen, blumige Muster u.ä. sind meine Sache eher nicht.
Ein langes Abendkleid möchte ich natürlich auch mal wieder haben. Aber da kommt sicher irgendwann der passende Anlass und damit der richtige Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen.

Was hab ich schon?
Mein Rosenkleid habe ich. Und ein verunglücktes Projekt vom Nähen am Meer.

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Wenn ich das noch retten könnte, wäre ich für den Sommer gut versorgt.

Nicht zu vergessen: Feierband.
Was möchte ich?
Ich möchte glamouröse und möglichst bequeme Sachen für abends auf dem Sofa.

Was hab ich schon?
Mein Lounging Ensemble aus Jersey. Sowas möchte ich auch noch aus sommerlicheren Stoffen, am liebsten aus Seide. Allerdings habe ich gerade nullkommanull Lust, Seide zu vernähen. Hm.

Und schließlich noch: Sport.
Was möchte ich? Was hab ich schon?
Sportliche Kleidung war in den Zwanzigern das, was heute bei uns fast alle überall und zu jedem Anlass tragen. Informelle Kleidung könnte man vielleicht sagen. Für mich deckt sich die Kategorie im Großen und Ganzen mit der für die Hausarbeit.
Ein langjähriges Desiderat ist allerdings passende Oberbekleidung für alle Gelegenheiten, bei denen der Mantel zu elegant oder unpraktisch ist. Die Entsprechung der Fleece- wäre wohl die Strickjacke, und ich habe auch schon länger eine in Arbeit, die mit Flanell gefüttert werden soll und also als Draußen-Jacke für Strand, Spielplatz und überhaupt dienen kann.  Der Weg ist zwar steinig, aber irgendwann wird sie hoffentlich fertig.

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Schon längst ist außerdem irgendein Regen-Kleidungsstück nötig. Ich träume eigentlich von einem Cape, aber vielleicht ist das dann doch zu unpraktisch?

Ja, und dann gibt es natürlich noch den Sommerjoker:
Kleider aus Baumwolle oder Leinen. Die gehen, finde ich, immer!
Ich habe zwei davon und ich will noch mehr!

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So weit, so gut. Man sieht: Ich mag Blau, und die kühleren Töne lieber als die rotstichigen. Dunkles Rot ist ein weiterer Favorit, Braun mag ich auch, das wäre jetzt aber nicht meine erste Wahl für den Sommer. Generell hab ich allerdings das Problem, Stoffe zu finden, die von Fall und Textur her zu den alten Schnitten und dem gewünschten Look passen, insofern bin ich, was die Farben angeht, eher genügsam und nehme, was kommt. Schwarz scheidet allerdings tatsächlich aus, Grün mag ich zwar, trag’s aber irgendwie doch nicht. Mal sehen.

Es zeichnet sich außerdem deutlich ab: Ich werde bis zum Herbst nur einen Teil meiner Wünsche erfüllt haben. Macht aber nix. Mit dem konkreten Plan beschäftige ich mich dann mal nächste Woche.

Nähen am Meer

 

010… war ich mal wieder. Und es war wie immer wunderbar, so viel Zeit am Stück für’s Nähen und Handarbeiten und Austauschen und Lachen und Lernen zu haben!

Ich hab mich recht lange mit einem Kleid aus Rutsche-Flutsche-Stoff (samt Unterkleid aus Rutsche-Flutsche-Seide) herumgeschlagen, dann aber glücklicherweise rechtzeitig beschlossen, erstmal mein anderes Projekt anzugehen. Das wurde auch dort noch fast fertig und ist in den vergangenen zwei Wochen schon zum Lieblingsstück geworden: ein Kostüm aus Jersey.

001Genauer: aus dem wundervollen Kaschmir-Seide-Gemisch, von dem ich ja, wie gesagt, ein paar Meter gekauft hatte … mittlerweile habe ich daraus einen Hausanzug in rot, ein Sonntagskleid in blau und nun eben das Kostüm. Aber ich trage ja alle drei Kleidungsstücke in unterschiedlichen Zusammenhängen, und mir wird’s nicht langweilig.

Der Schnitt für die Jacke kommt aus dieser Zeitschrift:

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Eine Frauenzeitschrift, die neben Gedichten, Reportagen, Haushaltstipps für kleines Einkommen und Schnittmustern für die ganze Familie (unter der Rubrik “Selbst ist die Frau!”) auch immer mal einen Aufruf zum Klassenkampf oder eine Streitschrift für die Rechte der Frau enthält. Ganz nach meinem Geschmack!

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Das zweite Outfit von rechts ist es. Trotz rudimentärer Anleitung gab es beim Nähen keine größeren Schwierigkeiten, bis auf die leidigen Ärmel. Meine Schultern ziehen nach vorne, da sind immer Anpassungen nötig, aber allmählich kriege ich’s raus.
Der Rock folgt meinem Basis-Rockschnitt, und weil es ja Jersey ist, kommt er ganz ohne Falten oder sonstige Mehrweite aus.

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Tja, und nun brauche ich natürlich mehr von solchen sensationell bequemen und trotzdem eleganten Kleidungsstücken für’s Büro! Ich bleibe also auf der Suche nach Jerseys oder Strickstoffen, die mir einigermaßen authentisch für die 20er vorkommen.

Aber erstmal gibt es noch ein Sonntagskleid, damit fange ich heute Abend an, ich freu mich schon.

Neue Pläne

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Leider habe ich es nicht geschafft, beim diesjährigen Weihnachtskleid Sew Along mitzumachen. Aber ein Kleid für Weihnachten genäht habe ich trotzdem, und das gibt es weiter unten zu sehen, denn ich liebe es sehr! Schöne Näh-Erfahrungen waren auch wirklich nötig, nachdem ich viel viel Zeit mit einem Mantel verbracht habe, der mich weder glücklich macht, noch mich wenigstens richtig warm hält. Nun ja.

Dass ich mir gerne etwas Festliches nähen wollte, hat auch damit zu tun, dass mein kleines Näh-Universum kürzlich einmal komplett umgekrempelt wurde, und zwar durch die Lektüre dieses Buches: Linda Przybyszewski, The lost art of dress.

Die Autorin beschreibt, was Mädchen an US-amerikanischen Schulen zwischen 1900 und 1950 über Kleidung lernten – über vorteilhaftes Design, kostenbewussten Aufbau einer sinnvollen Garderobe und stilsichere Wahl des dem Anlass entsprechenden Outfits. Ich würde gerne ausführlicher darüber schreiben, auch über die gesellschaftspolitischen Implikationen usw., aber mein Versuch führte zu einem ziemlich trockenen Endlos-Post, also empfehle ich lieber das Buch zur Lektüre und beschränke mich hier auf meine persönlichen Erkenntnisse:

Grob gesagt gab es bisher zwei Kategorien in meinem Kleiderschrank: Sachen, mit denen ich eigentlich nicht mal dem Briefträger begegnen mochte – die trug ich zu Hause, egal ob zur Hausarbeit oder abends auf dem Sofa. Und das, was ich zur Arbeit und überhaupt für alle Gelegenheiten außer Haus trage: Röcke und Blusen, semi-elegant aber nicht sehr bequem, und insgesamt eher nüchtern. Damit hatte ich weder nach unten noch nach oben viel Spiel auf der Eleganz- oder auch der Bequemlichkeits-Skala.

Nach Lesen des Buches war mir klar: Ich brauche keine weiteren Büroklamotten. Ich brauche bequeme, aber hübsche Sachen für die Nachmittage mit Haushalt und Kindern; ein bisschen was Glamouröseres für Sonntage, Partys, zum Ausgehen; irgendwann mal wieder ein langes Abendkleid; und, dringend: gemütliche und trotzdem schöne Sachen für den Feierabend.

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Als Erstes hab ich mir also Lounging Pajamas genäht – die kamen in den Zwanzigern auf, allerdings eher aus (Kunst-)Seide, Crepe u.ä., wie man sie hier bewundern kann (etwas im Post nach unten scrollen). Meine sind eine Winterversion aus Jersey, und auch vom Schnitt her eher Zwanziger-inspiriert als authentisch, aber dennoch: Wenn die Kinder abends schlafen und auch sonst nix mehr erledigt wird, ziehe ich mich nochmal um – dann habe ich es gemütlich und fühle mich trotzdem gut angezogen (schließlich ist das ja auch die Zeit, die ich mit meinem Liebsten verbringe), und weiß, dass der nun vor mir liegende Teil des Abends ausschließlich den schönen Dingen des Lebens gehört. Klingt vielleicht etwas umständlich, fühlt sich aber super an!

Das nächste war ein Pullover, der endlich fertig wurde, und der nun meinen Zuhause-Nachmittagen und der Freizeit gewidmet ist.

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Und dann das oben erwähnte Kleid. Coco Chanel (die mir im Übrigen herzlich unsympathisch ist) wird neben vielem anderen zugeschrieben, Jerseystoff, bis dahin nur für Unterwäsche verwendet, in den Zwanzigern erstmals salonfähig gemacht zu haben. Nun gucke ich mir seit langem Jerseys an und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man daraus etwas nähen sollte, das irgendwie authentisch für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts aussähe. Bis ich auf diesen wunderbaren (hier zweiseitig verwendeten) Stoff stieß:

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Ich habe erstmal ein Stück davon in Rot gekauft (für’s Lounging Ensemble). Am nächsten Tag habe ich entschieden, dass dies nicht der richtige Moment zum Sparen ist, und habe die Reste vom roten und vom blauen Stoff komplett aufgekauft. Naja, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es macht mich trotzdem glücklich, mehrere Meter davon in meiner Kommode liegen zu haben. Und er verarbeitet und trägt sich super. Da ich seit Jahren fast ausschließlich Kleidung aus Webstoff getragen habe, bin ich völlig hin und weg von diesem Tragekomfort!

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Den Schnitt hab ich mir wie immer selbst zusammengebastelt. Diese Art tief gezogener Ausschnitt mit einem Einsatz war sehr populär in der Mitte der Zwanziger Jahre, so wie z.B. hier (in einer Abbildung aus T. Skinner: Flapper Era Fashions):

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Lange Bänder und Schleifen sowieso. Die Gürtelschnalle ist, denke ich, aus den 30ern. Dass der Rock sich vorne so hoch zieht, hat mit fehlenden Hüften und Bauch der Schneiderpuppe zu tun, an mir sieht das besser aus. Die schrägen Falten von der Brust zur Hüfte sind allerdings dem Schnitt geschuldet – und authentisch.

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Das Kleid wurde ab der Fertigstellung am 24.12. mittags über die Feiertage und Ferien fast durchgehend getragen, seitdem nur noch Sonntags – ich stelle nämlich fest, dass sie damals recht hatten: Es wertet wirklich jeden Bereich meines Lebens auf, wenn ich ihm angemessene und schöne Kleidung widme (auch die Hausarbeit …). Es hilft außerdem, zwischen Arbeit und Fest und Mußestunden tatsächlich zu unterscheiden. Und es hat meine Liste der begehrenswerten Kleidungsstücke erheblich erweitert, es gibt also viel zu träumen und zu planen, und was könnte besser sein?!