Was zu beweisen war …

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Der Mode aus den Zwanziger Jahren haftet ja das Vorurteil an, sie sei eigentlich nur von Frauen mit superschlanker, androgyner Figur zu tragen. Ich finde das nicht (und habe auch nicht mehr so eine Figur), allerdings habe ich um ein bestimmtes Design bisher auch immer einen Bogen gemacht: dem Gürtel auf Hüfthöhe, leider äußerst beliebt in der damaligen Zeit. Nun bin ich der Sache mal auf den Grund gegangen und – Spoiler! – nein, es gefiel mir nicht!

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Diesen Schnitt wollte ich ausprobieren. Die Abbildungen kommen vom Commercial Pattern Archive, mehr Infos hatte ich also nicht und habe darum aus verschiedenen vorhandenen Schnitten ein Kleid zusammengebastelt (Viskosecrepe, mal wieder):

Mehrere Probleme gab es hier.
Am Einfachsten zu lösen: der Kragen. Zu groß, zu Achziger, obwohl ich mich so gefreut hatte, endlich mal eine Verwendung für die schöne Spitze gefunden zu haben, die schon ewig in meiner Kommode liegt.
Nur kurz ein Ärgernis: Ich habe die Knopflöcher leider nicht gegengleich, sondern sozusagen parallel angebracht. Es gibt Schlimmeres.
Aber die tiefe Taille … nee. Ein loser Gürtel sah ganz unordentlich aus und hatte irgendwie gar keinen richtigen Platz.
Ich habe ihn rundherum festgenäht, aber das Problem blieb: Wenn er hinten auf Pohöhe verläuft, schmiegt er sich vorne unter meinen Bauch (den die Schneiderpuppe – absurd genug – natürlich nicht hat), und nein, das ist nicht vorteilhaft – zumindest nicht mit heutigen Sehgewohnheiten betrachtet. Sitzt er höher, so dass es vorne gut aussieht, beult das Kleid merkwürdig im Rücken.Ich nehme an, das ganze Kleid müsste noch etwas weiter fallen, so dass es quasi unabhängig von meinen Körperformen hängt, aber möchte man das?
Die Variante auf den Bildern oben war meine letzte Idee, aber ein weiteres Problem blieb auch hier: Durch die Falten hat das Kleid vorne so viel Gewicht, dass es über die Schultern nach unten zieht. Und auch optisch fand ich es unausgewogen: vorne passiert alles, hinten nichts.

Was macht man also? Man freut sich, wieder etwas gelernt zu haben, und macht was anderes draus. In diesem Fall eine Bluse, die seither schon oft getragen wurde – 30er Jahre. Mit Taille.

Und hier gibt es wie immer am ersten Mittwoch im Monat noch jede Menge andere schöne Dinge zu sehen!

Ein Business-Kostüm

… hab ich genäht – aus Versehen.

Diesen taubenblauen Wollstoff hatte ich noch in der Kommode, und ich brauchte einen Rock. Meine Kostüme und Ensembles aus Wollstrick haben sich im vergangenen Winter als ideale Homeoffice-Kleidung erwiesen. Damit waren sie aber aus der “gut angezogen”- in die “gemütlich angezogen”-Ecke meines geistigen Kleiderschrankes umgezogen, und man braucht ja gerade in diesen Zeiten immer mal das Gefühl, richtig gut angezogen zu sein, oder?


Der Rock entstand also nach meinem Grundschnitt und recht zügig, aber dann war gerade noch so ein Rest vom Stoff übrig, der nach nach einer dazu passenden Jacke rief – wenn auch nur nach einer ziemlich kurzen.
Der Schnitt, den ich verwendet habe, ist ganz typisch 30er Jahre, und ich verbinde sentimentale Erinnerungen mit ihm – nicht nur war es mein allererstes originales Schnittmuster, sondern das Kostüm auch das erste authentische Kleidungsstück, das ich genäht habe. Und ich habe meinen Mann darin kennengelernt. So ein Glück!

Nun also eine weitere Jacke danach, und ich kann sagen, dass diese bei aller Nostalgie doch um einiges professioneller und schöner aussieht als ihre Vorgängerin. Allerdings wurde mir erst irgendwann unterwegs klar, was ich da gerade nähte: ein waschechtes Business-Kostüm, elegant, kleinkariert, dezente Farbe. Sowas trage ich eigentlich gar nicht.
So kann es sein, dass ich die Jacke nicht allzu oft anziehen werde, aber der Rock wird im nächsten Winter ganz sicher ein Standard!

Noch was zur Bluse: Die ist mal wieder aus Viskosecrepe, und ich freue mich vor allem über die Knopflöcher. Die habe ich nämlich jahrelang gemieden, weil ich das mit meiner alten Maschine nie gut hinbekomme. Lieber hab ich regelmäßig schwadroniert, wie cool es wäre, sich mal die Zeit zu nehmen und zu lernen, wie man Knopflöcher von Hand näht. Ja, und neulich saß ich dann drei Tage lang im Kinderzimmer fest und wartete auf ein Testergebnis; eine sehr spezielle Erfahrung vor allem von großer Ruhe. Wahrscheinlich so ähnlich wie eine Auszeit im Kloster. Nur mit Handarbeiten. Jedenfalls habe ich mir dann mal all die Schächtelchen mit Kopflochseide vor die Tür stellen lassen, die ich noch genauso von meiner Großmutter geerbt und nie benutzt habe.

Und dann hab ich Knopflöcher gemacht, erst groß, dann immer kleiner. Und so sehen nun die an meiner Bluse aus:

Dass ich mir das endlich angeeignet habe, macht mich extrem zufrieden, und es war natürlich überhaupt nicht besonders schwer.
Ich habe dann insgesamt meine Handnäherei mal auf Seidengarn umgestellt, das viel angenehmer zu verarbeiten ist als Polyester, musste aber feststellen, dass es hier heutzutage kaum verschiedene Stärken davon zu kaufen gibt. Die Vielfalt meiner Erbstücke findet man definitiv nicht mehr. Vielleicht werde ich noch im englischsprachigen Raum beim Bedarf für historische Handarbeiten fündig, mal sehen.

Weniger erfreulich ist, dass ich immer noch mit meinem Foto-Setting hadere, und das ist auch der Grund für meine spärlichen Blogposts im Moment. Um nun aber doch endlich mal wieder am MeMadeMittwoch teilnehmen zu können, habe ich mich am Montag in einer kurzen Hagelpause in unseren Eingang gestellt – sind aber mal wieder eher Beweisfotos. Naja, das wird auch noch – jetzt, wo ich Knopflöcher kann …

Weihnachtskleid – Just in time

Fröhliche Weihnachten allerseits!!
Gerade noch hab ich’s geschafft, mein Weihnachtskleid fertig zu bekommen:


Die meisten meiner Weihnachtskleider sind ja erst am Heiligabend fertig geworden, und auch diesmal wurde der letzte Druckknopf erst am 24. vormittags angenäht, allerdings kamen in diesem Jahr auch wirklich einige erschwerende Umstände zusammen.
Der Reihe nach:

Der zugeschnittene Stoff, wunderbar weich und luftig, stellte sich schnell als ziemlich unangenehm zu verarbeiten heraus – durch die lose Webart ist er sehr beweglich und extrem geneigt, sich an den Schnittkanten aufzulösen. Stecknadeln fallen einfach wieder heraus, und außerdem hat er ganz offensichtlich doch irgendeine Plastikbeimischung, es knisterte ordentlich beim Anprobieren.
Weil er zu leicht war, um ihn mit Zickzackstich zu versäubern, habe ich (unauthentisch) die Kanten mit schmalen Streifen Einlage bebügelt und dann mit der Zickzackschere abgeschnitten. Bis jetzt hält das ganz gut. An den Ärmelbündchen habe ich mich, ebenfalls wegen der Zartheit des Stoffes, gegen Knopflöcher und für Druckknöpfe entschieden. Und bin stolz, dass die Länge der Ärmel einigermaßen passt, da verhaue ich mich bei weiten Ärmeln nämlich oft und am Ende sind sie dann zu kurz.

Soweit war ich prima im Zeitplan und alles fein. Ich habe ein bisschen mit der Stickerei rumprobiert. Und dann habe ich den Dachboden aufgeräumt, was mir große Befriedigung verschaffte, aber leider dazu führte, dass meine blöden Arme mal wieder fratze waren, aber richtig. Weder Nähen noch Bloggen ging, Backen, Weihnachtsputz (oder auch ernsthaft Arbeiten) natürlich auch nicht.

Ich hatte eigentlich beim Sticken mal ein bisschen was anderes, neue Stiche ausprobieren wollen, meine Versuche bis zu diesem Punkt fand ich allerdings noch nicht so überzeugend. Nicht elegant genug, zu bunt – das Kleid hat eindeutig eine offene Flanke zum Hippiestyle, das galt es dringend zu vermeiden. Mit den Garnfarben, die ich da hatte, war ich auch nicht so glücklich, mittlerweile hatten aber die Geschäfte zu, so dass man kein Stickgarn vor Ort aussuchen konnte. Ein übers Internet bestelltes Garn entsprach nicht meiner Vorstellung. Aber fertigstellen wollte ich das Kleid doch, und so ist es nun etwas sparsam geschmückt mit einem Rest Garn, der allerdings nur noch für den vorderen Riegel reichte – der hinten bleibt unverziert, bis ich wieder mehr mit meinen Händen machen kann und man wieder im Laden die Farben vergleichen kann. Oder vielleicht bleibt’s auch einfach, wie es ist, und erzählt die Geschichte dieses Weihnachtens. Ein handgenähter unsichtbarer Saum war diesmal leider auch nicht drin.
(Die Silvester-Girlande war übrigens vom letzten Jahr irgendwie hängengeblieben und wir fanden dann die Aufmunterung auch auf Dauer sehr angebracht.)

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Aber aller Unbill zum Trotz: Es ist ein wunderschönes Kleid geworden!
Die Stickerei passt so doch eigentlich ganz gut, zum Kleid und zu mir, und das Ganze ist sagenhaft bequem. Für den Winter ist es eigentlich ein bisschen zu leicht, aber an Weihnachten mit den vielen Kerzen und der Aufregung wird einem ja eh immer viel zu warm. Ob ich das Kleid außerhalb des Hauses mal tragen werde, weiß ich noch nicht – ich fühle mich damit doch recht speziell gewandet … Allerdings ist der Schnitt ja auch hundert Jahre alt, und ich freue mich sehr, dass ich mit dem letzten fertigen Stück noch meine selbstgestellte Aufgabe (Zehn Jahre, zehn Kleider) für dieses Jahr erfüllt habe!

Allerherzlichsten Dank wie immer an die MeMadeMittwoch-Crew, die diesen Sew Along und all die gemeinsamen Mittwoche organisiert!
Und hier findet Ihr alle anderen Weihnachtskleidnäherinnen.

Weihnachtskleid – läuft!

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Nein, ich habe nicht beschlossen, mich dieses Jahr als Engel zu verkleiden.
Ich habe mich aber doch für den teuren Stoff entschieden, und damit wurde ein Probekleid unerlässlich – zumal die vorhandenen Infos zum Schnitt ja überschaubar sind.
Soweit passt alles, und so sah der Zuschnitt aus:

Hier sieht man den Stoff nochmal von Nahem, wenn auch farblich entstellt – eine superleichte Schurwoll-Kaschmir-Mischung. Franst leider schon aus, wen man nur mal scharf hinsieht, deswegen werde ich wohl französische Nähte machen, wo das möglich ist.

Vielen Dank nochmal für die netten Kommentare zum letzten Post!
Angeschnittene Ärmel gab es wirklich viel in den Zwanzigern, allerdings auch jede Menge andere Designs. Weil ich mich aber jedes Mal endlos mit der Konstruktion von eingesetzten Ärmeln herumschlage, freue ich mich immer, wenn ich mir das sparen kann. Ich glaube, ich hab da schon so viel nachgedacht und ausprobiert und angezweifelt, dass ich schon gar nicht mehr merke, wenn es einfach passt und richtig ist …
Die Knopfleiste finde ich an sich auch hübsch, aber sie passt irgendwie besser zu der (auch noch geplanten) Baumwoll-Alltags-Variante, finde ich. Jetzt habe ich den Ausschnitt einfach breiter gemacht, so dass es keinen Verschluss braucht.
Für die Riegel vorne und hinten bin ich schon dabei, mir eine Stickerei auszudenken. Irgendwie verwende ich meine Zeit (gerne auch viel Zeit!) lieber aufs Sticken, als sie mit Schnittkonstruktion oder so etwas Prosaischem wie Knopflöchern zu verbringen.

Ja, so sieht es bei mir aus, und wie die anderen Näherinnen voran kommen, sehr Ihr hier!

Weihnachtskleid 2020 – und “Zehn Jahre, zehn Kleider”

In den letzten Jahren hat mich der erste Advent meistens ein bisschen überrumpelt, aber in diesem freue ich mich schon eine ganze Weile darauf. Ja, mir wird auch einiges fehlen, aber dafür wird endlich mal genug Zeit und Ruhe sein zum Bratäpfel machen, Basteln, Backen, Singen, Vorlesen und all das. Und zum Auf-Weihnachten-Zugehen gehört seit ein paar Jahren ja auch immer, ein Weihnachtskleid zu nähen.
1000 Dank an die Crew, die all die MeMadeMittwochs und auch wieder diesen schönsten aller Sew Alongs organisiert!

Nun habe ich neben dem Weihnachtskleid auch noch etwas anderes offen, und zwar meinen Plan, in jedem 2020er-Jahr ein Stück aus dem entsprechenden 1920er-Jahr zu nähen. Dafür eine passende Vorlage zu finden, war gar nicht einfach – was man 1920 getragen hat, ist für heutige Blicke schon sehr ungewohnt, und es soll ja auch irgendwie tragbar sein und in mein Leben passen.
Fündig wurde ich endlich beim Commercial Pattern Archive (CoPA). Dort gibt es eine Datenbank mit historischen Schnittmustern, die man kostenlos nutzen kann (nachdem man sich etwas umständlich angemeldet hat). Enthalten sind nicht die Schnitte selber, aber die Abbildungen und meistens auch eine Übersicht der Schnitteile – eben alles, was auf dem Umschlag an Informationen mitgeliefert wurde. Ein El Dorado!
Nach einem kurzen Bad im Meer der Träume waren dies meine Favoriten:

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Ein Nachthemd, ein Hauskleid, zwei Blusen.
Die Blusen gefallen mir beide sehr. Diese Raffung bei dem unteren Modell war im Jahr 1920 offensichtlich große Mode, das habe ich bei vielen Kleidern und Blusen gesehen. Und bei der oberen habe ich mal wieder über die Verwendung von Gummiband gestaunt – auch wenn ich längst weiß, dass das damals durchaus schon benutzt wurde, kommt es mir immer noch merkwürdig vor. Vor allem frage ich mich immer wieder, warum man in den folgenden Jahrzehnten weitgehend auf diese der Bequemlichkeit so förderliche Erfindung verzichtet hat.
Jedenfalls, da ja nun auch der Weihnachtskleid Sew Along ansteht, habe ich mich entschieden, beides zu verbinden und das Kleid zu nähen.

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Es sieht bequem und trotzdem wunderhübsch aus, also genau das Richtige für Weihnachten. Allerdings werde ich ein bisschen von der Vorlage abweichen.

Bezeichnet wird es als “apron”, also als Hausarbeitskleid – dass es wie eine heutige Schürze über einem kompletten anderen Outfit getragen wurde, denke ich eher nicht. Ganz sicher sollte es aber aus einem unempfindlichen, gut waschbaren Stoff genäht werden – nicht meine erste Wahl für ein Weihnachtskleid. Auf die Knöpfe am Rücken werde ich verzichten, möglicherweise auch auf die Taschen, und ich werde die puffigen Ärmel vom Nachthemd an die vom Kleid ansetzen (ein die ganzen Zwanziger hindurch geschätzter Style) .
Dass das Kleid mit diesen Änderungen unauthentisch wird, befürchte ich nicht. Alle Elemente sind weniger “typisch Kleid für die Hausarbeit”, sondern eher “typisch frühe Zwanziger”, denke ich, und wenn man so etwas 1920 vielleicht nicht gerade zu formellen Anlässen getragen hätte, passt es für mich und ein kuscheliges Weihnachten im Kreis der Kernfamilie doch sehr gut.

Bleibt die Frage nach dem Stoff. Dummerweise habe ich den perfekt dazu passenden schon gefunden, einen wunderbar weichen, leichten Webstoff mit Kaschmir in einer dunklen Beerenfarbe (bei Gädtke in Hamburg), aber der kommt finanziell leider nicht in Frage. Da muss ich also diese Woche nochmal anderweitig auf die Suche gehen, denn für das nächste Wochenende ist schon der nächste Zwischenstand geplant.

Hier findet Ihr alle anderen Weihnachtskleidnäherinnen.
Ich freu mich schon!

 

Letzte Sommerbluse

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Bevor es auf einmal ganz schön herbstlich wurde hier im Norden, hatte ich mir noch eine Sommerbluse genäht – ohne viel Aufwand, aber ich mag sie sehr, und außerdem stellt sie das glückliche Ende einer längeren Stoff-Geschichte dar:

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Eine ganz leichte Baumwolle ist das, und ursprünglich hatte ich sie in einem Kleid vernäht, das mir dann aber doch zu romantisch war, fast nie getragen wurde, und mir irgendwann leider auch nicht mehr passte.

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Um die Stickerei fand ich es wirklich schade, die habe ich aufgehoben, aber der Rockteil sollte etwas anderes werden. Mein Plan war, aus dem rosa und braunen Stoff das zweifarbige Kleid aus “Making vintage 1920s clothes for women” zu nähen.

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Aber irgendwie funktionierte der Schnitt überhaupt nicht bei mir, das Oberteil saß sehr merkwürdig, und die Ansatznaht des Rockes auf Hüfthühe finde ich vor allem in der Rückansicht immer schwierig. Auch der Versuch, das fertige Oberteil zur Bluse umzufunktionieren war nicht erfolgreich. Am Ende war es sehr befreiend, den ganzen missglückten Kram einfach wegzuwerfen und aus dem Rest diese unaufgeregte kleine Bluse zu nähen – die total angenehm zu tragen und superschnell gebügelt ist, und die außerdem noch laut “Zwanziger!” schreit.

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Happy End!

Mehr schicke Sachen findet Ihr beim MeMadeMittwoch!

Zehn Jahre, zehn Kleider – 1920: Inspiration

Hier hatte ich ja von meinem Plan berichtet, in jedem Jahr der 2020er ein Kleidungsstück aus dem entsprechenden Jahr der 1920er zu nähen. Und heute gibt es nun eine kleine Bildersammlung für (Damen-)Kleidung aus dem Jahr 1920.
Momentan sind die Bibliotheken großteils noch geschlossen und Bildrecherche im Internet macht mir wirklich keine Freude, darum bin ich auf meine eigene kleine Sammlung angewiesen – die einiges zu bieten hat, aber tatsächlich fast durchgehend beginnend mit dem Jahr 1921. Tja.
So kommen die folgenden Bilder allesamt aus dem “Fashion Sourcebook 1920s” (Ed. by Charlotte Fiell & Emmanuelle Dix, Fiell Publ., 2011). Viel Spaß!

Wenn man in dieser Challenge noch einmal in viel Stoff schwelgen möchte, dann sollte man das vielleicht in diesem Jahr tun. Zum Beispiel mit einem dieser Kleider:
Ist sie nicht elegant und sommerlich mit ihrem zarten Kleid und Schirm und Hut?

Kleid für die Rennstrecke
Kleid von Beer, Illustration von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Schon lange mag ich auch dieses grüne Kleid. Sicher trägt es sich wunderbar mit der variablen Taille und dem weiten Rock.

grünes Kleid mit Schleife
La Mode, 1920

Die romantischen Kleider von (oder im Stil von) Jeanne Lanvin waren in den Zwanzigern eine populäre Alternative zur typischen schmalen Silhouette. Ich finde, das dunkle Modell hat fast etwas vom New Look aus den Fünfzigern.

Kleider Lanvin
Kleider von Jeanne Lanvin, Illustrationen von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Und hier kommen ein paar Blusen.
Hochgeschlossenene Krägen wie bei dieser roten Bluse sieht man recht häufig auf Abbildungen. Viele russische EmigrantInnen kamen nach der Revolution nach Paris und waren dann oft in der Bekleidungsindustrie tätig. Die Folge waren nicht nur weitere Massen an unfassbar schlecht bezahlten Näherinnen und Stickerinnen, sonder auch ein recht langlebiger Modetrend.

Bluse rot hochgeschlossen
La Mode, 1920

Die folgenden Blusen sind deutlich luftiger. Man sieht ganz schön die tiefsitzende Brust, die als Schönheitsideal aus den 1910ern kam. Das und die oft stark betonten Hüften machen mir die Mode um 1920 sehr sympathisch. Später in den Zwanzigern übernahm dann der Jugendkult das Ruder, da war es mit soviel Natürlichkeit für den allergrößten Teil der erwachsenen Frauen vorbei, und damit schlagen wir uns ja bis heute herum.

Kleid lila mit 4 Blusen
Paris Élégant, 1920

Hier noch ein bisschen was für draußen …

Ensemble Winter
Ensemble von Worth, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

 

drei Kleider, Kostüme
Les Dernières Modes de Paris, 1920

… und für drinnen. Der braune Morgenmantel mit Pelzbesatz hat schon was, oder? Ist aber wohl eher nicht für Leute geeignet, die sich ihr Frühstück selber machen müssen.

Morgenmäntel
Paris-Blouses, 1920

Und zu guter Letzt ein paar Abendkleider:

Abendkleider
Le Femme Chic, ca. 1920

 

Abendkleid Harlekin
Kleid von Doeuillet, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

Na, hat jemand Lust bekommen? Wie gesagt, ich würde mich außerordentlich freuen über etwas Gesellschaft in dieser kleinen Nähblogger-Nische meines Herzens! Selbst ich finde allerdings die Mode der frühen Zwanziger nicht sehr alltagstauglich – in den nächsten Jahren wird das besser!
Als weitere Inspirationsquelle verweise ich wie immer auf den wundervollen Blog von witness2fashion – meine fashion history-Heldin, sie weiß, glaube ich, alles über die Zwanziger. Oder kann es jedenfalls herausfinden. Wenn man dort “1920” in die Suche eingibt, findet man jede Menge Schätze.

So weit, so gut. Jetzt gucke ich mal, was mir in diesem Jahr noch so an Bildern und an Stoffen über den Weg laufen wird. Welche Lücken sich unverhofft in meiner Garderobe auftun. Und wie überhaupt alles so weitergeht – ich wollte eigentlich etwas für den Strandurlaub nähen, aber vielleicht ist loungewear auch auf längere Sicht das Gebot der Stunde?

Liebe Grüße, und haltet die Ohren steif!

Zehn Jahre, zehn Kleider

Die 2020er!
Hundert Jahre ist die Mode schon alt, die ich nähe und trage und hier im Blog vorstelle. Erstaunlich!
Vor allem aber: Was für eine Steilvorlage!!

[1920 / 1921 / 1922  –  Quellenangaben s. unten]

Ich habe mir darum eine kleine Aufgabe gestellt: In jedem Jahr dieses Jahrzehnts werde ich ein Stück nähen, dessen Design genau hundert Jahre alt ist. Keine Eins-zu-eins-Reproduktion, aber so, dass sich beispielweise jemand aus dem Jahr 1923 nicht wundern würde über das, was ich im Jahr 2023 zu nähen und tragen gedenke.
Weiß ich, ob ich im Jahr 2029 immer noch Lust auf diese Sachen haben werde? Nö. Aber die Chancen stehen recht gut. Ob ich noch einen Blog haben werde? Keine Ahnung. Aber diese Challenge wäre auf jeden Fall ein guter Grund dafür!

[1923 / 1924 / 1925  –  Quellenangaben s.unten]

Die größte Herausforderung sehe ich eigentlich darin, dass sich die Mode im Verlauf der 1920er ja stark verändert hat, wie in der kleinen (nicht repräsentativen) Bildauswahl in diesem Post zu sehen ist. Und gerade aus den frühen Jahren würde vieles, heute getragen, schon sehr seltsam wirken. Nun ja, man soll ja immer mal die Komfortzone verlassen, und zur Not bleiben immer noch Morgenmäntel, Nachtwäsche und dergleichen, in denen mich sowieso nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Aber für 1920 wird es, glaube ich, ein Kleid, ich hab da schon Ideen …

[1926 / 1927 / 1928 – Quellenangaben s. unten]

Ob es für einen echten Sew Along genug Nerds da draußen gibt, weiß ich nicht, und ich bin ja auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv, wo man so etwas bewerben könnte.
Trotzdem fände ich es wundervoll, das alles nicht alleine zu machen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, sich zu beteiligen?!
Ich habe vor, für jedes Jahr einen Beitrag mit Bildern zur Inspiration zu posten, und natürlich, was ich dann daraus mache. Über jeden Beitrag oder Link in meinen Kommentaren würde ich mich wirklich freuen!

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[1929]

Also, auf in die Goldenen Zwanziger Jahre!

 

Quellen für die Bilder:
Fiell: Fashion sourcebook 1920s [1920, 1922, 1923, 1926]
1920s fashion from B. Altman & Company [1921, 1924, 1925, 1927, 1928]
Ward: Fashionable clothing from the Sears catalogs, Early 1930s [1929]

Weihnachtskleid Sew Along: Besser spät als nie

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Wie gut, dass es für dieses Kleid eine Deadline gab!
Tatsächlich war es auch am 23.12. mittags fertig, aber dann wollte ich mich lieber mit Weihnachten beschäftigen als mit Fotos und sowieso war das Geglitzer irgendwie noch nicht richtig und überhaupt will ich es ja erst an Silvester tragen. Naja, und außerdem bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden damit, und ohne den Finaltermin hätte ich wahrscheinlich zähneknirschend noch diverse Stunden mit dem welligen Saum, der knubbeligen Einfassung der Armlöcher, dem unsauberen Innenleben verbracht. So aber habe ich es für ein paar Tage auf den Bügel gehängt, nach Weihnachten ein passendes Blingbling besorgt und heute beim Fotografieren festgestellt, dass es doch insgesamt ein sehr schönes Kleid geworden ist.

Zu meiner eigenen Beruhigung: Der Stoff hatte es nähtechnisch wirklich in sich. Und auf den Bildern wie wohl auch im wirklich Leben sieht man die Macken sowieso nicht. Ich erspare darum mir und Euch einen Bericht über alle Etappen und Umwege und zeige lieber nur die Bilder vom fertigen Kleid (wegen winterlicher Temperaturen diesmal leider nicht draußen aufgenommen).

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Vielleicht bastele ich nochmal ein etwas wilderes Geglitzer, das ist jetzt doch recht dezent geraten (passt so aber gut zu einer meiner Haarspangen). Ich habe es nur an beiden Enden angenäht, damit man es für die Reinigung wieder abnehmen kann, aber es muss wohl doch etwas besser fixiert werden. Und Bändchen für die Unterwäscheträger muss ich noch einnähen. Und dann freue ich mich darauf, das Kleid zum Jahreswechsel (und sicher auch in den kommenden Jahren immer wieder gerne) zu tragen!
Viele Weihnachtsoutfits aller Art gibt es hier zu sehen – tausend Dank noch einmal an die Organisatorinnen!
Und kommt alle gut ins neue Jahr!

 

 

Weihnachtskleid Sew Along: Zwischenstand

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Ich ärgere mich schwarz. Rabenschwarz, seit nunmehr drei Tagen am Stück.

Um trotzdem mit etwas Positiven zu beginnen: Der Stoff passt super zum Schnitt, er fällt so wunderbar wie gehofft und sieht sehr edel aus. Das Kleid sitzt auch im Großen und Ganzen gut, wenn es auch merkwürdigerweise an der Brust zuerst etwas eng war – das Probekleid hatte genau richtig gesessen. Ich konnte noch ein bisschen was aus den Seitennähten herausholen, wenn auch die Nahtzugabe dort jetzt wirklich sehr knapp ist und man die aufgetrennte Naht gut sehen kann. Aber naja, wer guckt mir schon unter die Achseln.
Ich habe nach einigen Versuchen an Stoffresten davon Abstand genommen, Armlöcher und Ausschnitt mit Schrägband zu versäubern, und werde stattdessen einen durchgehenden Beleg aus Futterstoff für alle drei machen. Gerade an einem so schlichten Kleid wäre ein vermurkster V-Ausschnitt schon doof. Aber den Saum habe ich schon mit Schrägband bestückt. Er ist ein kleines bisschen wellig geworden, aber auch das fällt wahrscheinlich niemandem auf.

Auffallen wird nämlich vor allem, dass ich, offenbar in geistiger Umnachtung, zwar brav auf einem Gegenstück aus Samt gebügelt habe, das aber mit reichlich Druck. Das hat wenig überraschend den Flor geplättet, und man sieht an allen Nähten deutlich die Abdrücke des Bügeleisens – bei künstlichem Licht nicht so sehr, bei Tageslicht aber schon. Besonders auffällig die waagerechten Streifen quer über der Brust, vom Bügeln der Brustabnäher. Alle Rettungsversuche mit Dämpfen und Aufbürsten haben nichts genützt, und es ist auch nicht hilfreich, dass man zur Zeit so wenig Tageslicht hat, um sich mal in Ruhe damit auseinanderzusetzen.

Ich sehe momentan eigentlich zwei Optionen: Das ganze Kleid plattbügeln, was ein Jammer wäre, die besondere Schönheit des Stoffes ginge dabei verloren. Oder versuchen, noch Stoff nachzukaufen, alles aufzutrennen und wenigstens die vordere Bahn nochmal neu zu machen.

Vielleicht probiere ich das morgen mal. Drückt mir die Daumen!

Hier geht es zu den anderen Weihnachtskleidnäherinnen – mit besserer Laune.