Zehn Jahre, zehn Kleider – 1920: Inspiration

Hier hatte ich ja von meinem Plan berichtet, in jedem Jahr der 2020er ein Kleidungsstück aus dem entsprechenden Jahr der 1920er zu nähen. Und heute gibt es nun eine kleine Bildersammlung für (Damen-)Kleidung aus dem Jahr 1920.
Momentan sind die Bibliotheken großteils noch geschlossen und Bildrecherche im Internet macht mir wirklich keine Freude, darum bin ich auf meine eigene kleine Sammlung angewiesen – die einiges zu bieten hat, aber tatsächlich fast durchgehend beginnend mit dem Jahr 1921. Tja.
So kommen die folgenden Bilder allesamt aus dem “Fashion Sourcebook 1920s” (Ed. by Charlotte Fiell & Emmanuelle Dix, Fiell Publ., 2011). Viel Spaß!

Wenn man in dieser Challenge noch einmal in viel Stoff schwelgen möchte, dann sollte man das vielleicht in diesem Jahr tun. Zum Beispiel mit einem dieser Kleider:
Ist sie nicht elegant und sommerlich mit ihrem zarten Kleid und Schirm und Hut?

Kleid für die Rennstrecke
Kleid von Beer, Illustration von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Schon lange mag ich auch dieses grüne Kleid. Sicher trägt es sich wunderbar mit der variablen Taille und dem weiten Rock.

grünes Kleid mit Schleife
La Mode, 1920

Die romantischen Kleider von (oder im Stil von) Jeanne Lanvin waren in den Zwanzigern eine populäre Alternative zur typischen schmalen Silhouette. Ich finde, das dunkle Modell hat fast etwas vom New Look aus den Fünfzigern.

Kleider Lanvin
Kleider von Jeanne Lanvin, Illustrationen von Pierre Brissaud. Gazette du Bon Ton, 1920

Und hier kommen ein paar Blusen.
Hochgeschlossenene Krägen wie bei dieser roten Bluse sieht man recht häufig auf Abbildungen. Viele russische EmigrantInnen kamen nach der Revolution nach Paris und waren dann oft in der Bekleidungsindustrie tätig. Die Folge waren nicht nur weitere Massen an unfassbar schlecht bezahlten Näherinnen und Stickerinnen, sonder auch ein recht langlebiger Modetrend.

Bluse rot hochgeschlossen
La Mode, 1920

Die folgenden Blusen sind deutlich luftiger. Man sieht ganz schön die tiefsitzende Brust, die als Schönheitsideal aus den 1910ern kam. Das und die oft stark betonten Hüften machen mir die Mode um 1920 sehr sympathisch. Später in den Zwanzigern übernahm dann der Jugendkult das Ruder, da war es mit soviel Natürlichkeit für den allergrößten Teil der erwachsenen Frauen vorbei, und damit schlagen wir uns ja bis heute herum.

Kleid lila mit 4 Blusen
Paris Élégant, 1920

Hier noch ein bisschen was für draußen …

Ensemble Winter
Ensemble von Worth, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

 

drei Kleider, Kostüme
Les Dernières Modes de Paris, 1920

… und für drinnen. Der braune Morgenmantel mit Pelzbesatz hat schon was, oder? Ist aber wohl eher nicht für Leute geeignet, die sich ihr Frühstück selber machen müssen.

Morgenmäntel
Paris-Blouses, 1920

Und zu guter Letzt ein paar Abendkleider:

Abendkleider
Le Femme Chic, ca. 1920

 

Abendkleid Harlekin
Kleid von Doeuillet, Illustration von André Edouard Marty. Gazette du Bon Ton, 1920

Na, hat jemand Lust bekommen? Wie gesagt, ich würde mich außerordentlich freuen über etwas Gesellschaft in dieser kleinen Nähblogger-Nische meines Herzens! Selbst ich finde allerdings die Mode der frühen Zwanziger nicht sehr alltagstauglich – in den nächsten Jahren wird das besser!
Als weitere Inspirationsquelle verweise ich wie immer auf den wundervollen Blog von witness2fashion – meine fashion history-Heldin, sie weiß, glaube ich, alles über die Zwanziger. Oder kann es jedenfalls herausfinden. Wenn man dort “1920” in die Suche eingibt, findet man jede Menge Schätze.

So weit, so gut. Jetzt gucke ich mal, was mir in diesem Jahr noch so an Bildern und an Stoffen über den Weg laufen wird. Welche Lücken sich unverhofft in meiner Garderobe auftun. Und wie überhaupt alles so weitergeht – ich wollte eigentlich etwas für den Strandurlaub nähen, aber vielleicht ist loungewear auch auf längere Sicht das Gebot der Stunde?

Liebe Grüße, und haltet die Ohren steif!

Zehn Jahre, zehn Kleider

Die 2020er!
Hundert Jahre ist die Mode schon alt, die ich nähe und trage und hier im Blog vorstelle. Erstaunlich!
Vor allem aber: Was für eine Steilvorlage!!

[1920 / 1921 / 1922  –  Quellenangaben s. unten]

Ich habe mir darum eine kleine Aufgabe gestellt: In jedem Jahr dieses Jahrzehnts werde ich ein Stück nähen, dessen Design genau hundert Jahre alt ist. Keine Eins-zu-eins-Reproduktion, aber so, dass sich beispielweise jemand aus dem Jahr 1923 nicht wundern würde über das, was ich im Jahr 2023 zu nähen und tragen gedenke.
Weiß ich, ob ich im Jahr 2029 immer noch Lust auf diese Sachen haben werde? Nö. Aber die Chancen stehen recht gut. Ob ich noch einen Blog haben werde? Keine Ahnung. Aber diese Challenge wäre auf jeden Fall ein guter Grund dafür!

[1923 / 1924 / 1925  –  Quellenangaben s.unten]

Die größte Herausforderung sehe ich eigentlich darin, dass sich die Mode im Verlauf der 1920er ja stark verändert hat, wie in der kleinen (nicht repräsentativen) Bildauswahl in diesem Post zu sehen ist. Und gerade aus den frühen Jahren würde vieles, heute getragen, schon sehr seltsam wirken. Nun ja, man soll ja immer mal die Komfortzone verlassen, und zur Not bleiben immer noch Morgenmäntel, Nachtwäsche und dergleichen, in denen mich sowieso nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Aber für 1920 wird es, glaube ich, ein Kleid, ich hab da schon Ideen …

[1926 / 1927 / 1928 – Quellenangaben s. unten]

Ob es für einen echten Sew Along genug Nerds da draußen gibt, weiß ich nicht, und ich bin ja auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv, wo man so etwas bewerben könnte.
Trotzdem fände ich es wundervoll, das alles nicht alleine zu machen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, sich zu beteiligen?!
Ich habe vor, für jedes Jahr einen Beitrag mit Bildern zur Inspiration zu posten, und natürlich, was ich dann daraus mache. Über jeden Beitrag oder Link in meinen Kommentaren würde ich mich wirklich freuen!

IMG_6267

[1929]

Also, auf in die Goldenen Zwanziger Jahre!

 

Quellen für die Bilder:
Fiell: Fashion sourcebook 1920s [1920, 1922, 1923, 1926]
1920s fashion from B. Altman & Company [1921, 1924, 1925, 1927, 1928]
Ward: Fashionable clothing from the Sears catalogs, Early 1930s [1929]

Weihnachtskleid Sew Along: Besser spät als nie

IMG_20191229_132117

Wie gut, dass es für dieses Kleid eine Deadline gab!
Tatsächlich war es auch am 23.12. mittags fertig, aber dann wollte ich mich lieber mit Weihnachten beschäftigen als mit Fotos und sowieso war das Geglitzer irgendwie noch nicht richtig und überhaupt will ich es ja erst an Silvester tragen. Naja, und außerdem bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden damit, und ohne den Finaltermin hätte ich wahrscheinlich zähneknirschend noch diverse Stunden mit dem welligen Saum, der knubbeligen Einfassung der Armlöcher, dem unsauberen Innenleben verbracht. So aber habe ich es für ein paar Tage auf den Bügel gehängt, nach Weihnachten ein passendes Blingbling besorgt und heute beim Fotografieren festgestellt, dass es doch insgesamt ein sehr schönes Kleid geworden ist.

Zu meiner eigenen Beruhigung: Der Stoff hatte es nähtechnisch wirklich in sich. Und auf den Bildern wie wohl auch im wirklich Leben sieht man die Macken sowieso nicht. Ich erspare darum mir und Euch einen Bericht über alle Etappen und Umwege und zeige lieber nur die Bilder vom fertigen Kleid (wegen winterlicher Temperaturen diesmal leider nicht draußen aufgenommen).

IMG_20191229_131913

Vielleicht bastele ich nochmal ein etwas wilderes Geglitzer, das ist jetzt doch recht dezent geraten (passt so aber gut zu einer meiner Haarspangen). Ich habe es nur an beiden Enden angenäht, damit man es für die Reinigung wieder abnehmen kann, aber es muss wohl doch etwas besser fixiert werden. Und Bändchen für die Unterwäscheträger muss ich noch einnähen. Und dann freue ich mich darauf, das Kleid zum Jahreswechsel (und sicher auch in den kommenden Jahren immer wieder gerne) zu tragen!
Viele Weihnachtsoutfits aller Art gibt es hier zu sehen – tausend Dank noch einmal an die Organisatorinnen!
Und kommt alle gut ins neue Jahr!

 

 

Weihnachtskleid Sew Along: Zwischenstand

IMG_6141[1]

Ich ärgere mich schwarz. Rabenschwarz, seit nunmehr drei Tagen am Stück.

Um trotzdem mit etwas Positiven zu beginnen: Der Stoff passt super zum Schnitt, er fällt so wunderbar wie gehofft und sieht sehr edel aus. Das Kleid sitzt auch im Großen und Ganzen gut, wenn es auch merkwürdigerweise an der Brust zuerst etwas eng war – das Probekleid hatte genau richtig gesessen. Ich konnte noch ein bisschen was aus den Seitennähten herausholen, wenn auch die Nahtzugabe dort jetzt wirklich sehr knapp ist und man die aufgetrennte Naht gut sehen kann. Aber naja, wer guckt mir schon unter die Achseln.
Ich habe nach einigen Versuchen an Stoffresten davon Abstand genommen, Armlöcher und Ausschnitt mit Schrägband zu versäubern, und werde stattdessen einen durchgehenden Beleg aus Futterstoff für alle drei machen. Gerade an einem so schlichten Kleid wäre ein vermurkster V-Ausschnitt schon doof. Aber den Saum habe ich schon mit Schrägband bestückt. Er ist ein kleines bisschen wellig geworden, aber auch das fällt wahrscheinlich niemandem auf.

Auffallen wird nämlich vor allem, dass ich, offenbar in geistiger Umnachtung, zwar brav auf einem Gegenstück aus Samt gebügelt habe, das aber mit reichlich Druck. Das hat wenig überraschend den Flor geplättet, und man sieht an allen Nähten deutlich die Abdrücke des Bügeleisens – bei künstlichem Licht nicht so sehr, bei Tageslicht aber schon. Besonders auffällig die waagerechten Streifen quer über der Brust, vom Bügeln der Brustabnäher. Alle Rettungsversuche mit Dämpfen und Aufbürsten haben nichts genützt, und es ist auch nicht hilfreich, dass man zur Zeit so wenig Tageslicht hat, um sich mal in Ruhe damit auseinanderzusetzen.

Ich sehe momentan eigentlich zwei Optionen: Das ganze Kleid plattbügeln, was ein Jammer wäre, die besondere Schönheit des Stoffes ginge dabei verloren. Oder versuchen, noch Stoff nachzukaufen, alles aufzutrennen und wenigstens die vordere Bahn nochmal neu zu machen.

Vielleicht probiere ich das morgen mal. Drückt mir die Daumen!

Hier geht es zu den anderen Weihnachtskleidnäherinnen – mit besserer Laune.

Wie’s so läuft

035.JPG

Dies ist leider eher ein Lebenszeichen als ein interessanter Blogpost – ich habe eine ganze Menge gemacht in letzter Zeit, aber nicht so recht etwas zu zeigen.
Einen Pyjama und zwei Nachthemden habe ich genäht und zwei Kauf-Unterkleider mit Spitze verziert – alles hübsch geworden und sehr befriedigend, aber nichts für die Öffentlichkeit.
Ein Rock aus feinem braunem Wollstoff wurde fertig, nicht aufregend aber ganz okay. Ich trage ihn regelmäßig, er erwies sich allerdings leider als unfotografierbar, auf Bildern mutiert er nämlich zu einem schlammfarbenen Sack.
Einen Rock aus blaugrauem Samt  hab ich auch noch genäht, und der macht mich etwas traurig – der Stoff ist wunderschön, aber wohl doch etwas zu schwer und steif, jedenfalls sitzt er nicht so richtig toll, fällt nicht gut und ist einfach nicht besonders angenehm zu tragen. Ich habe auch noch Stoff für eine Jacke dazu … mal sehen.
Und dann habe ich mich über mehrere Wochen immer mal wieder mit diesem Schnitt beschäftigt:

043.JPG

Ich hatte noch Reste von einem Baumwolltwill, daraus sollte so etwas wie ein tragbares Probemodell für eine Winterjacke werden. Aber mal wieder haperte es mit dem Ärmel. Mir ist schon klar, dass damals andere Vorstellungen davon herrschten, wie bequem Kleidung sein muss. Trotzdem, ich weiß nicht, ob die alten Schnitte wirklich derart enge Ärmel haben, oder ob bei mir Ärmeldramen mittlerweile einfach voreingestellt sind. Jedenfalls, mein Baumwollstoff war nach mehreren Anläufen aufgebraucht und ich habe das Ganze sehr erleichtert in die Tonne geschmissen.
Nun werde ich einen neuen Versuch mit einem anderen Ärmelschnitt machen und wohl das Futter für die Winterjacke als Probeteil nutzen. Habe ich mir fest für’s nächste Nähtreffen vorgenommen.

Was mir aber ganz uneingeschränkt und wunderbar große Freude macht ist, dass ich wieder mit dem Klöppeln angefangen habe. Ich habe mich endlich durchgerungen, mir einen Fernkurs bei Martina Wolter-Kampmann zu gönnen, und es erfreut mich wirklich sehr. Etwas zu lernen ist sowieso gut, und schon sehr angenehm, dabei nicht immer alles selber herausfinden zu müssen. Ich hoffe außerdem, so meinem Ziel näher zu kommen, Spitzen zu klöppeln, die ich auch in meiner Näherei verwenden kann – reine Deko herzustellen (und in der Wohnung zu haben) ist echt nicht mein Ding.

041.JPG

(Und falls Klöpplerinnen dies lesen: Ja, ich habe bemerkt, dass die Ganzschlagreihe beidseits des Netzschlages nicht an der gleichen Stelle ist. Hab schon abgenadelt und nochmal angefangen …)

Ich wünsche allen einen wunderbaren Herbst!  Frau Buttonbox

Summer Stitchalong – Finale

025

Es ist tatsächlich dabei geblieben – das Nachthemd hat keine weitere Stickerei bekommen. Ein bisschen schade finde ich das schon, aber abgesehen davon, dass  meine zimperlichen Handgelenke nicht mehr wollten, fehlte mir auch die wirklich zündende Idee für ein Geranke zwischen den Kästchen. Vielleicht kommt das noch, mal sehen.

008

Insgesamt gefällt mir mein neues Nachthemd aber wirklich sehr! Nun ist es leider schon etwas zu kalt dafür geworden, aber in den letzten warmen Nächten trug es sich toll, und ich fühle mich sehr hübsch und gut angezogen damit. Irgendjemand sagte mal, man solle sich zum Schlafen immer so kleiden, dass es völlig angemessen wäre, am Morgen ein Glas Sekt im Bett serviert zu bekommen. Das finde ich auch, und weil ich gerade dabei war, habe ich noch ein weiteres Nachthemd genäht (allerdings nur mit Spitze verziert, ohne viel aufwändige Handarbeit), und ein weiteres sowie einen Pyjama in Planung. Der Sommer ist ja nun wohl passé, an Sachen für den Herbst mag ich mich aber auch noch nicht machen, da passt also ein kleiner Nachtwäsche-Lauf.

007.JPG

Heute ist Me Made Mittwoch, da aber Tragefotos von Wäsche an mir nix im Internet zu suchen haben, bin ich leider nicht dabei.
Aber in das Finale des Summer Stitchalongs reihe ich mich gerne ein! Vielen Dank für die Organisation, das hat Spaß gemacht!
Und auch bei handgestickt verlinke ich nun endlich mal einen Post.

 

Summer Stitchalong – Zwischenstand

050.jpg

Allmählich nimmt die Sache Formen an.
Das Schwierige am Sticken über Stramin ist, dass man erst am Ende sieht, wie das Ganze wirklich wirkt – allerdings hätte man, da ich mich für ein Lochmuster entschieden hatte, später sowieso nicht mehr viel ändern können. Jedenfalls, das geometrische Muster um den Ausschnitt ist fertig, und ich finde es hübsch, wenn auch etwas massiv geraten. In meiner Vorstellung war es zarter.

Nun fehlt noch das Geranke, und dafür könnte ich mir nun doch noch eine weitere Farbe vorstellen, zum Beispiel eine von diesen hier:

003.JPG

Da meine Handgelenke aber vom Sticken nicht begeistert sind, kann es auch sein, dass es einfach beim jetzigen Stand bleibt. Ich nähe jetzt erstmal das Nachthemd zusammen, dann sehe ich weiter.

Was die anderen Stickerinnen umtreibt, erfahrt Ihr hier. Und Anfang September kommt dann das Finale.