Ein Schnitt, zwei Lieblingskleider

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Ich habe lange nichts gepostet, aber einiges genäht. Das meiste davon, Kleider und Blusen, basiert auf dem One hour dress, das in den Zwanzigern vom American Women’s Institute propagiert wurde – superschnell genäht (wenn’s auch eigentlich immer deutlich länger als eine Stunde dauert) und vielseitig abzuwandeln. Tatsächlich war der T-förmige Grundschnitt auch schon bevor er um 1923 diesen Namen bekam sehr verbreitet und blieb es auch noch ein paar Jahre, bis gegen Ende der Zwanziger die Silhouette sich zu ändern begann und die Schnitte dann vielfach komplizierter wurden.

Womit ich allerdings schon länger nicht so ganz glücklich war, ist, bei angesetztem Rockteil, die hintere Taillennaht, die ja in den Zwanzigern eher auf Hüfthöhe liegt. Kräuselungen direkt oberhalb des Pos sehen oft merkwürdig aus, ein glatter Übergang von Ober- zu Unterteil ist mir bisher aber auch nicht gut gelungen. Dazu kommt, dass es zwar absolut authentisch ist, alle Weite, Falten etc. in das vordere Rockteil zu legen, mir das aber, von der Seite gesehen, oft etwas unausgewogen erscheint. Ich wollte es darum mal mit einer damals ebenfalls recht populären Variante versuchen, die ohne Taillennaht auskommt und die Rockweite zu beiden Seiten unterbringt. Der Schnitt sieht dann ungefähr so aus:

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In Noer habe ich das ausprobiert, und es war einer der seltenen Fälle, in denen mir ein Nähprojekt einfach auf Anhieb gelingt – die Idee funktionierte sowohl in der Umsetzung als auch optisch, und der Stoff verhielt sich auch so, wie ich es von ihm erwartet hatte. Es ist ein gestreifter Seersucker, der schon im Laden eine Strandpromenade in Travemünde oder Boltenhagen vor meinem inneren Auge erstehen ließ – zu solide für die Riviera, aber gerade richtig für einen windigen Sommertag an der Ostsee.

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Zur Konstruktion ist nicht viel zu sagen, sie erklärt sich ja ziemlich von selbst. Dass die Falten an den Seiten so tief auf der Hüfte beginnen, fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig (wenn auch, mal wieder, absolut authentisch). Mittlerweile finde ich, gerade das macht viel vom Charme des Kleides aus und streckt es in der Länge, was ja durchaus gewollt ist. Ich fühle mich rundum wohl und hübsch angezogen in dem Kleid und habe es in diesem Sommer quasi durchgehend getragen.

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So weit, so glücklich. Dann gab es in diesem August plötzlich ein bisschen was zu feiern, und da mein Weihnachtskleid mir irgendwie nicht recht ans Herz wachsen will, musste ein neues festliches Kleid her. Ich hatte auch noch Stoff dafür: himbeerfarbene Viskose, mit der ich mich schon an zwei Kleidern versucht hatte. Das erste endete im Müll – ich wollte mal ein Kleid mit Gürtel und leicht blusigem Oberteil versuchen, war aber keine gute Idee. Ich habe einen Bauch, den ich ganz gut leiden kann. Mit dem Gürtel gerade auf dieser Höhe sah ich aber plötzlich überraschend dick und plump aus – was schade ist, denn damit fallen viele nette Designoptionen leider aus. Aber auf jeden Fall war es eine interessante Erfahrung, welchen Unterschied vorteil- oder unvorteilhafte Schnitte tatsächlich machen! Jedenfalls, weil der Stoff so rutschig und flutschig ist, wurde auch aus meinen Rettungsversuchen nichts. Im zweiten Anlauf nähte ich ein Sommerkleidchen, das allerdings auch kein Favorit werden wird – zuviel dran rumgemurkelt, und vor allem ist der Rücken zu lang. Und dann reichte der Stoff gerade noch für einen weiteren Versuch, und nachdem ich ja die Maße nur noch von dem wunderbaren Ostseebad-Kleid abnehmen musste, meinte ich, es könne gar nichts schiefgehen.

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Im Großen und Ganzen stimmte das auch, auch wenn ich wieder mal gestaunt habe, wie komplett anders alles mit einem anderen Stoff ist – plötzlich war das Kleid viel zu weit. Und die seitlichen Falten sprangen viel zu weit auf, was so tief auf der Hüfte schon sehr merkwürdig aussah, weswegen ich sie als mehrfache Kellerfalten quasi nach innen verlegt habe.

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Und dann brauchte soviel einfarbiger Stoff noch dringend ein bisschen was zum Hingucken, und hier konnte ich endlich ein Muster umsetzen, das ich schon lange mal benutzen wollte:

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Die Vorlage hierfür stammt von Butterick (1925), eigentlich für Perlenstickerei, die dankenswerterweise mal auf dem großartigen Blog Witness2Fashion gepostet wurde. Nun ist meine Garderobe insgesamt ja eher nicht so blumig, aber für dieses Kleid sind die Rosen gerade richtig, und besonders die kleinen an den Seiten mag ich sehr. Es war allein schon eine Freude, die Garne auszusuchen, es gibt so viele und so feine Schattierungen bei Stickgarn.

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Also auch mit diesem Kleid: restlos glücklich!

 

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Mein blauer Mantel

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Ich habe einen Mantel genäht! Es war streckenweise sehr, wirklich sehr mühsam, aber jetzt ist er fertig, und wunderbar:

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Angefangen hab ich das Pojekt im vergangenen Juni, nach einem Schnitt aus Vobachs Familienhilfe (“praktische Familien- und Modenzeitschrift mit Unfall- und Sterbegeldversicherung” – wie immer man sich das vorzustellen hat) von 1929/30.

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Die Modelle im Heft sind jeweils in einzelnen Größen auf dem Schnittmusterbogen zu finden (wenn man gute Augen hat). Die im Netz kursierende Größentabelle sieht so aus:

Größe 0  >  88 / 70 / 94 cm; Größe I  >  90 / 72 / 100 cm; Größe II  >  96 / 76 / 106 cm; Größe III  >  102 / 80 / 112 cm; Größe IV  >  108 / 84 / 118 cm

Laut dieser Tabelle wäre der Mantelschnitt eine Größe zu groß für mich gewesen (sie kommt mir aber ingesamt etwas schräg vor). Da ich noch nie einen Mantel genäht hatte und keine Ahnung von der Passform, Bewegungszulagen etc. hatte, habe ich ziemlich lange herumgerätselt. Am Ende habe ich die Schnittteile komplett auf 95% kleiner kopiert (nein, nicht gradiert; ja ich weiß, das geht gar nicht), und an einem Probeteil rumgebastelt, bis es passte. Abgesehen von der Größenfrage entsprach der Schnitt nämlich auch nur sehr grob der Abbildung (z.B. bei der Kragenform), und die Ärmel waren viel zu eng, so dass ich welche von einem anderen Schnitt genommen habe.

Es gibt keine Anleitung zu den Modellen, ich habe mich darum auf diese hier gestützt, aber letztlich doch vieles nach Gefühl gemacht, zum Beispiel bei der Gestaltung der Bögen, die ich, anders als erst geplant, nicht aufgesetzt, sondern gestickt habe.

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Ziemlich lange habe ich darüber gegrübelt, ob ich aus Gründen der Authentizität auf Bügeleinlage verzichten soll (dass ich nicht pikieren würde, war mir ziemlich schnell klar). Ich hab mich dann doch für Einlage entschieden, was natürlich goldrichtig war. Nur im Kragen dachte ich, darauf verzichten zu können – nicht wirklich schlimm, aber mit wäre es sicher noch ein bisschen schöner geworden. Am Ende habe ich sogar die kompletten Vorder- und Rückenteile mit ganz weicher Einlage bebügelt, weil ich Sorge hatte, dass der Wollstoff sich dehnen und über den gestickten Bögen ausleiern würde (Danke an Ruth für diese gute Idee).

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Naja, nach ein paar Monaten quälte sich das Projekt nur noch so voran, irgendwann habe ich das Futter zugeschnitten und genäht und direkt wieder weggeschmissen, weil alles hinten und vorne nicht passte, ich war abends sowieso immer viel zu müde und überhaupt … Schließlich,  im März, habe ich alles sauber zusammengepackt und beiseite gelegt und beschlossen: Ich nehme das im Mai mit nach Noer zu Sewing by the Sea, und dann wird alles gut – und genauso war es auch.

Endlich genug Zeit zum Nähen und wieder Auftrennen und nochmal probieren und lauter nette Frauen, die einem mit Mitgefühl und Rat und Tat zur Seit stehen, das war genau das, was ich brauchte, um das Ganze zu Ende zu bringen. Weil das allerdings den Großteil des Wochenendes in Anspruch genommen hat (und ich natürlich noch alles mögliche andere hatte nähen wollen), war ich ein bisschen unenstpannt, und das werde ich sicher beim nächsten Mal anders angehen. Ich war keinmal am Meer und habe wirklich von sieben bis 23 Uhr mehr oder weniger durchgehend genäht. Aber auch so viel gelernt und gelacht wie lange nicht! Es war herrlich, wieder einmal!

Ja, und so sieht er jetzt aus:

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Die Schietwetter-Variante:

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Ein Problem wollte sich leider nicht lösen lassen: Der Stoff ist so schwer, dass er von dem seitlichen Knopf aus nach unten und innen zieht und dann eine unschöne Falte macht, aber nicht fest genug, dass ein unsichtbarer Gegenknopf auf der gegenüberlegenden Seite ihn halten würde – da verzieht es sich dann auch, wie man sieht. Es wurde etwas besser, als ich statt der ursprünglichen Schlaufe doch noch ein Knopfloch gemacht habe (von außen gut gelungen, von innen naja). Aber ansonsten tröste ich mich damit, dass selbst auf Modezeichnungen aus der Zeit diese Falte oft zu sehen ist, also gehört sie wohl dazu.

Da bin ich immer noch ein bisschen am Rumzuppeln, aber sonst trägt sich der Mantel ausgezeichnet, ich fühle mich gemütlich vor widriger Witterung beschützt und richtig gut angezogen  – auch wenn ich kurz schlucken musste, bevor ich das erste Mal mein Kind mit Matschhose und dreckigen Gummistiefeln auf den Arm nahm.

Nun plane ich einen ganz leichten hellen Sommermantel nach diesem – etwas abgewandelten – Schnitt, der dann wiederum als Probestück für den Wintermantel dienen kann, der in diesem Jahr absolut fällig ist. Aber jetzt nähe ich erstmal ein paar freundliche schnelle Kleidchen!

Verlinkt mit Sewing by the Sea. Und mit dem MeMadeMittwoch.

Vom Klöppeln

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Eine Warnung vorweg: Dieser Post ist nerdig, viel zu lang und wahrscheinlich ausschließlich für Leute interessant, die selber mit dem Klöppeln anfangen wollen. Ich bin auch noch nicht sehr lange dabei und bringe mir das Ganze selber und ohne kompetente Anleitung bei – alles was ich hier schreibe, ist also unter diesem Vorbehalt zu lesen. Da ich aber selber ganz gerne den einen oder anderen Erfahrungsbericht gelesen hätte, als ich mit dem Klöppeln anfing, berichte ich mal, was ich bisher herausgefunden habe.

Wie ich überhaupt dazu kam: Im vorigen Sommer waren wir anlässlich meines Geburtstages im Freilichtmuseum in Molfsee bei Kiel (immer wieder total schön), wo es zufällig gerade eine Ausstellung über alte Handarbeitstechniken gab – unter anderem saßen ein paar Damen in einer Tenne und klöppelten. Nun hatte ich mir als Mädchen mal anhand eines Buches die Grundlagen selber beigebracht, mittels eines zusammengerollten Sofakissens und langer Nägel als Klöppel. Ich bekam dann das richtige Equipment geschenkt und verbrachte einen sehr schönen Sommer mit meiner besten Freundin in Marburg, wo wir bei ihrer Oma wohnten und jeden Tag zur schon sehr alten Tante Annie pilgerten, um unter ihrer Ägide zu klöppeln. Das ist lange her, aber als ich in Molfsee diese vergnügte Runde mit ihren Klöppeln hantieren sah, wurde ich ganz zappelig, und es juckte mich sehr in den Fingern.

Dass mich das Klöppeln so fasziniert, hat zum Einen damit zu tun, dass ich es total toll finde, etwas so Schönes und Zartes und Feines wie Spitzen selber herstellen zu können. Es hat aber, wie all mein Handarbeiten, auch noch eine andere Dimension. Seit Jahrhunderten machen Frauen das: nähen Kleidung, stricken, sticken, klöppeln. Das auch zu tun,verbindet mich mit ihnen, ich stelle mich in eine Tradition weiblicher Tätigkeiten, die zum Teil auf hochprofessionellem Niveau ausgeübt wurden. Damit ehre ich sie und trage ihr Können (in meinen Grenzen) weiter.

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Zum Material: Das, worauf ich hier klöppele, ist eine Klöppelrolle. In Deutschland wird das Klöppeln auf der Rolle meist mit der Tradition im Erzgbirge in Verbindung gebracht, wo dazu Hülsenklöppel verwendet werden – die ich allerdings nicht so schön finde. Ich benutze darum Klöppel, die eigentlich für ein Flachkissen gedacht sind. Das Klöppeln darauf hab ich auch mal ausprobiert, kam damit aber überhaupt nicht gut zurecht. Mit dieser hübschen kleinen Rolle dagegen bin ich sehr glücklich, allerdings braucht man für breitere Spitzen irgendwann eine größere. Für den Anfang ist sie aber prima. Und weil mir die Authentizität ja immer wichtig ist und es mich sowieso interessierte, habe ich mal recherchiert und festgestellt, dass zum Beispiel in Norditalien auch auf Rollen mit Klöppeln ohne Hülse geklöppelt wird – es hat also alles seine Ordnung, schließlich verbringen wir jeden Sommer in Ligurien (dort gibt es auch eine große Klöppeltradition, wie ich festgestellt habe. Auch ein Museum – mein Mann freut sich schon … ).

Da ich momentan leider keinen Klöppelkurs in meinem Leben unterbringen kann, habe ich mich an Bücher gehalten – Youtube bietet einiges, wenn man sich einen Eindruck verschaffen möchte, zum wirklichen Lernen hab ich da aber nichts gefunden. Hier also die Bücher, die bislang meinen Weg gekreuzt haben.

Für einen Überblick und den historischen Hintergrund von Klöppelspitzen kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen:

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Grundlegende Informationen über das Klöppeln und ausführliche über die verschiedenen Arten von Spitze – sehr informativ, gut aufgemacht und ein Augenschmaus.

Als Quasi-Standardwerk für das Klöppeln auf der Rolle kommt einem immer wieder dieses Buch unter (vielleicht auch, weil es so günstig ist):

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Ich habe es mir gekauft und angefangen, danach zu lernen, allerdings fand ich es etwas mühsam – geklöppelt werden hier typische Spitzen aus dem Erzgebirge, mit einem Schwerpunkt auf Flechterverbindungen (das sind diese längeren Stege), die ich weder besonders hübsch noch einfach finde (auf dem Cover sieht man die Art der Spitze und übrigens auch die Hülsenklöppel).

Dieses Buch basiert auf denselben technischen Zeichnungen:

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Es ist ein nur sehr knapper Lehrgang, hat dafür aber einige Klöppelbriefe und Anleitungen für modernere Projekte (überwiegend Dekostücke – finde ich persönlich scheußlich, haben aber ganz offensichtlich ihre Fans).

Ein Klassiker ist dieses hier:

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Es ist der Reprint eines Lehrwerkes aus den 40er Jahren – ebenfalls sehr flechterlastig. Interessant, aber zum Lernen meiner Meinung nach nicht besonders gut geeignet.

Dann habe ich noch dieses hier:

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Es ist das Buch, nach dem ich als Elfjährige meine ersten Versuche gemacht habe, und es ist nicht so schlecht, geht allerdings nicht besonders in die Tiefe. Am Ende bin ich dann doch bei diesem hier geblieben:

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Das hatte ich schon ganz erbost wieder in die Bücherhalle zurückgebracht, weil ich den belehrenden Tonfall unerträglich fand (“Dies wollen wir uns gut merken.” …) . Tatsächlich bietet es aber einen gut verständlichen Lehrgang, mit Aufgaben, die einen herausfordern, aber zu bewältigen sind, und rund 100 Klöppelbriefe für Torchonspitzen – finde ich hübscher als Flechterspitzen und man hat schnellere Erfolgserlebnisse.

Das Buch ist nur noch antiquarisch zu bekommen und nicht ganz billig, es lohnt sich aber – übrigens auch, wenn man nur eine Ausgabe ohne die Klöppelbriefe als Beilagen bekommt. Den Lehrgang kann man trotzdem machen, man muss nur die Briefe selber abzeichnen. Oder man kopiert sie, so wie ich, aus einem Bibliotheksexemplar.

Das Buch ist für das Klöppeln auf dem Flachkissen geschrieben, man muss also, wenn man auf einer Rolle klöppelt, die Erklärung der Handhaltung etc. ignorieren. Und: Die Grundelemente des Klöppelns, Kreuzen und Drehen (der Klöppelpaare), führt man, je nach Kissen, in unterschiedlicher Reihenfolge aus. Auf dem Flachkissen ist ein Ganzschlag: Kreuzen-Drehen-Kreuzen-Drehen. Auf der Rolle, wo die abgelegten Klöppel nicht liegen bleiben, sondern runterhängen, drehen sich gedrehte Klöppel natürlich wieder auf. Dort ist ein Ganzschlag also: Drehen-Kreuzen-Drehen-Kreuzen. Das muss man also bedenken und entsprechend anders umsetzen, ist aber nicht so wild, wie es sich anhört.

Mir gefielen meine Spitzen anfangs nicht besonders, sie waren irgendwie so lose und dünn, bis ich ein bisschen mit dem Vergrößern und Verkleinern der Klöppelbriefe bzw. mit verschiedenen Garnstärken experimentiert habe. Das ist interessant und lehrreich. Die Bezeichnung der Garnstärken finde ich total unübersichtlich, hilfreich dafür ist eine Farbkarte mit allen Garnstärken, die man online im Versandhandel für Klöppelbedarf bekommen kann.

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Den Lehrgang habe ich nun fast durch und jetzt endlich die erste Spitze in Arbeit, die auch wirklich ein Kleidungsstück zieren soll – wenn ich das mit dem Ecken klöppeln hoffentlich gemeistert haben werde. Wie es dann weitergeht, weiß ich auch noch nicht recht. Ob die dann erlernten Techniken ausreichen, um auch andere Arten von Spitze zu klöppeln? Oder ob ich auf die Suche nach dem nächsten Lehrbuch gehen muss? Oder eben doch mal einen Kurs machen …

 

Eine schwarze Bluse

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Ich trage nicht gerne Schwarz. Bei anderen finde ich schwarze Sachen oft sehr elegant, aber an mir selber kommen sie mir immer stumpf und zweidimensional vor. Naja, manchmal  muss es ja leider sein, und so hatte ich im Herbst zu einem sehr traurigen Anlass schnell schnell eine schwarze Bluse zusammengenäht – mit Kummer und zu wenig Zeit, mir ging das schwarze Garn aus, die Knöpfe waren am Vorder- statt am Rückenteil gelandet und die Knopflöcher gingen gar nicht.

Der Schnitt gefiel mir aber eigentlich und der Stoff ist sehr schön, eine ganz leichte und weiche Baumwolle, und schließlich sollte man vielleicht gerade an dunklen Tagen etwas tragen, in dem man sich wohl fühlt. Also hab ich mir die Bluse nochmal vorgenommen.

 

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Es gab noch kleine Stoffrestchen, die reichten, um seitlich hinten am Bund etwas anzustückeln und die Knöpfe umzusetzen – nicht sehr schön, aber fällt nicht doll auf. Die Knöpfe waren leider, wie eigentlich das ganze Teil, unfotografierbar, es sind alte Schätzchen aus den Dreißigern. Es gibt auch noch eine passende Gürtelschnalle dazu, für die ich momentan keine Verwendung habe, aber ich freue mich, dass die Knöpfe hier so schön passen. Außerdem hab ich alle sichtbaren dunkelblauen Nähte durch schwarze ersetzt, und, um das platte Schwarz etwas zu beleben, ein paar Blümchen aufgestickt.

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Ich hatte die Stickerei wieder mit dem Frixion Pen vorgezeichnet – der sich diesmal leider wider Erwarten nicht ganz wegbügeln ließ. Man sieht es bei normalem Licht kaum, aber ich musste ein paar Blättchen sticken, die ich eigentlich doch hatte weglassen wollen. Ich finde es aber immer wieder toll,wie sehr ein Kleidungsstück durch so ein bisschen Stickerei gewinnt – bei wirklich überschaubarem Aufwand.

 

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Zur Authentizität: Da ich von Anfang an etwas zu wenig Stoff hatte, ist die Bluse kürzer als geplant, passt aber so ganz gut in die frühen Zwanziger Jahre. Hier wäre ein Beispiel für eine ähnliche Silhouette (aus Charlotte Fiell: Fashion Sourcebook 1920s), wenn auch deutlich weniger schlicht, von 1923 – angeschnittene Ärmel, breiter runder Ausschnitt, leicht gerafft mit glattem Bund auf der Hüfte:

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Zum Me Made Mittwoch trage ich die Bluse heute zusammen mit einem Rock aus dem letzten Herbst und gekaufter Strickjacke – leider überbelichtet, die Kamera wollte irgendwie nicht mehr.

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Und hier geht’s zu den anderen schönen Frauen.

Pläne für 2017 – und endlich was Warmes

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Guten Morgen, und allen noch schnell ein frohes neues Jahr gewünscht!

Ich starte mit einer Veränderung in dieses Nähjahr: Die letzten zwei Jahre habe ich fast ausschließlich im Rahmen des Historical Sew Monthly genäht (und 23 der 24 Aufgaben pünktlich erfüllt – nur ein Übergangsmantel hängt seit letztem Sommer auf der Puppe und nähert sich nur scheibchenweise der Vollendung). Nun hat sich aber dieser Sew Along mittlerweile fast komplett in die dazugehörige Gruppe auf Facebook (das nicht mein Freund ist) verlagert, und so habe ich Ende letzten Jahres beschlossen, ab jetzt mal wieder eigene Wege zu gehen. Ich werde die Anregungen vermissen, und den nötigen Denksport, um die Erfordernisse meiner Garderobe mit den monatlichen Aufgaben in Einklang zu bringen, aber andererseits gibt mir das auch viel Freiheit – zum Beispiel, es mit der Authentizität nicht so genau zu nehmen (Bügeleinlage! Elastananteil!) und vor allem einfach mal zu nähen, worauf ich Lust habe. Natürlich wird es weiterhin im Stil der 20er Jahre sein, und ich habe mir vorgenommen, ebenfalls weiterhin in jedem Monat ein Kleidungsstück fertigzustellen und es beim MeMadeMittwoch vorzuführen. Außerdem ist mein Plan, als Erstes einen Haufen unfertiger und änderungsbedürftiger Sachen abzuarbeiten, damit hab ich schon begonnen, und hier ist das erste Ergebnis:

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Der Rock und die Bluse sind schon älter (die Bluse ist übrigens mein Liebslingsteil aus dem letzten Jahr, da das ja letzte Woche hier Thema war), aber neu ist die Jacke.

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Es soll ja Leute geben, die innerhalb weniger Wochen so ein Teil zusammenstricken – bei mir ist, was das Stricken angeht, eindeutig der Weg das Ziel. Die dunklere Wolle (Soft Merino von Lana Grossa) ist hier in ihrer vierten Erscheinungsform zu sehen. Als erstes war sie ein Pullover, der sich kurz vor der Fertigstellung als viel zu voluminös und dick herausstellte. Dann fing ich eine Strickjacke an (damals noch im Stil der 30er), bekam dann aber Probleme mit den Handgelenken und musste das Stricken erstmal einstellen. Als ich wieder anfing, kam ich ins Muster nicht mehr rein und wollte außerdem auch lieber etwas Neues machen. Im Sommer letzten Jahres begann ich dann diese Jacke zu stricken, nach einem Modell aus dem Fleisher’s Knitting & Crocheting Manual von 1924.

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Nach der Anleitung sollte sie eigentlich eine Nummer zu groß für mich sein, als sie aber zu Dreivierteln fertig war, wurde unübersehbar, dass sie trotz passender Maschenprobe viel zu klein war. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass Kleidung damals weit weniger Bewegungsspielraum zuließ, als wir das heute gewohnt sind, hat mich das erstaunt, denn die Mode in den 20ern war idealerweise für schmale Frauen mit möglichst wenig weiblichen Formen gemacht, diese Jacke aber offenbar für eine kleine Frau mit großem Busen (die alten Größen orientieren sich immer an der Oberweite). Vielleicht ist es allerdings auch nur eine schlampig erstellte Anleitung, wer weiß. Jedenfalls habe ich alles nochmal aufgemacht und von vorne angefangen, diesmal mit Erfolg.

Dass die Wolle so oft wieder aufgeribbelt und gewaschen wurde, hat zwar leider Spuren hinterlassen, sie ist nicht überall wieder gleichmäßig glatt geworden (wie man hier z.B. auf Höhe der Taille und am Ellenbogen sehen kann), und ich musste viel stückeln. Tatsächlich sind aber nur zwei kleine Knäuelchen übrig geblieben, es ist also genau aufgegangen.028.JPG

Nach dem ersten Tag Tragen habe ich vorne auf Brusthöhe noch ein Häkchen angebracht, damit die Jacke nicht so aufspringt, und im Bund innen zwei Knöpfe, da die Lagen da sonst verrutschten.

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Tja, was soll ich sagen? Ich liebe die Jacke! Sie ist elegant und bequem und vor allem richtig warm. Das Dranbleiben hat sich mal wieder gelohnt. Das schreit jetzt natürlich nach einem Nachfolgeprojekt, allerdings gibt es da ja noch diesen unfertigen Mantel, und außerdem habe ich gerade eine andere alte Liebe neu entdeckt, das Klöppeln nämlich (ich habe wilde Pläne für ein Weihnachtskleid mit goldener Spitze …). Also mal sehen.

Und jetzt geht’s zum MeMadeMittwoch!

Weihnachtskleid Sew Along – Finale

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Puh, so ganz rechtzeitig hab ich’s dann doch nicht geschafft. Das heißt, eigentlich schon: am Mittwochabend um halb zwölf war das Kleid fertig – und verhunzt. Das ging so leider nicht, da musste ich gestern nochmal ran.

Nach dem letzten WKSA-Termin fing es aber erstmal damit an, dass mir klar wurde, wie schlecht der Rücken das Kleides dann doch noch saß, und nach einigen Verschlimmbesserungen habe ich am Ende alle Nähte und Abnäher nochmal aufgetrennt, gebügelt und neu genäht. So ganz glatt sitzt er immer noch nicht, aber so kann es jedenfalls bleiben.

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Dann also die Pailletten … ich konnte mich nicht recht entscheiden, wie die Verzierungen aussehen sollten, habe mich dann für Rosetten auf Schulter und Hüfte entschieden (authentisch für die 20er, wenn auch etwas langweilig, weil so ähnlich wie beim Hochzeitskleid) und einfach mal drauflos gestickt. Das hat nicht gut funktioniert. Und beim Auftrennen hat der Samt sich dann leider doch noch von seiner sensiblen Seite gezeigt: es blieben deutliche Spuren, so dass ich nicht einfach etwas anderes machen konnte, sondern an denselben Stellen bleiben musste, um sie zu überdecken. Also hab ich es nochmal mit den Rosetten versucht, diesmal ging es besser, nur fand ich das Ergebnis immer noch ein bisschen lahm und wollte noch ein vertikales Element im Rock haben, und das war ein Fehler:

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So sah das am Mittwochabend aus – ich fand die Stickerei plump und unsauber, sie funktionierte nicht mit dem Fall des Rockes und gefiel mir einfach insgesamt überhaupt nicht. Einfach ablösen konnte ich die Pailletten auch nicht, weil die Spuren davon ja sichtbar blieben.

Am Donnerstag hatte ich sehr schlechte Laune und schlich um die Memademittwoch-Seite mit all den stolzen und zufriedenen Weihnachtskleidnäherinnen herum. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause hatte ich dann einen Plan: Ich hatte noch ein bisschen Stoff übrig, und so habe ich das Vorderteil des Rockes herausgetrennt und durch ein neues ersetzt. Damit habe ich also den gestrigen Abend verbracht, und so sieht es jetzt aus:

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Ich hatte nun keine Zeit mehr für weitere Pailletten-Experimente, der Weisheit letzter Schluss ist das noch nicht, finde ich. Aber damit kann ich mich auch nach Weihnachten beschäftigen, jetzt habe ich jedenfalls ein hübsches, tragbares Kleid für den Heiligabend und reihe mich dann doch noch froh in die Reihe der Mitnäherinnen ein. Dankeschön für die Organisation! Und Danke nochmal an Angelika für den wunderschönen Stoff!! Und gesegnete Weihnachten allerseits!

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Hier noch schnell die Fakten für den Historical Sew Monthly.

The Challenge: Special Occasion

Material: velvet

Pattern: my own

Year: about 1927

Notions: sequins, three snaps

How historically accurate is it? Quite, I think. Maybe a little too fitted to be fashionable, but there have always been mediocre seamstresses, so I guess I’m all right.

 

 

 

Weihnachtskleid Sew Along #4

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Heute ist der vorletzte Termin für den Weihnachtskleid Sew Along, und ich liege eigentlich ganz gut im Plan: Das Kleid an sich ist fertig, nun fehlt noch die Verzierung mit den Pailletten.

Das Problem mit dem Schrägstreifen ließ sich tatsächlich mit selbstgemachtem aus Polysatin lösen. Leider war ich allerdings bei Hals- und Armausschnitten zu ungeduldig, um es sorgfältig zu machen, so dass es da von innen ein ziemliches Gewurstel und von außen sichtbare Stiche gibt, was mich nun etwas ärgert – der Saum ist deutlich schöner geworden. Naja, abends schnell noch ein bisschen was machen ist eben eigentlich nicht mein Ding, aber wenn ich nur am Wochenende während der Kindermittagsschlafenszeit nähte, würd ich ja zu gar nix kommen.

Jedenfalls habe ich, wie man sieht, bezüglich der Pailletten entschieden, sie einzeln aufzusticken, nur bin ich immer noch unentschieden, wie. Ich finde diese strengen Art Deco-Motive der Zwanziger großartig, es könnte aber auch so eine Art trompe d’oeil werden, eine gefakete Brosche oder Schleife oder so. Oder einzelne florale Motive? Hmmm …

Hier gibt es weitere Weihnachtskleider zu sehen!