Eine schwarze Bluse

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Ich trage nicht gerne Schwarz. Bei anderen finde ich schwarze Sachen oft sehr elegant, aber an mir selber kommen sie mir immer stumpf und zweidimensional vor. Naja, manchmal  muss es ja leider sein, und so hatte ich im Herbst zu einem sehr traurigen Anlass schnell schnell eine schwarze Bluse zusammengenäht – mit Kummer und zu wenig Zeit, mir ging das schwarze Garn aus, die Knöpfe waren am Vorder- statt am Rückenteil gelandet und die Knopflöcher gingen gar nicht.

Der Schnitt gefiel mir aber eigentlich und der Stoff ist sehr schön, eine ganz leichte und weiche Baumwolle, und schließlich sollte man vielleicht gerade an dunklen Tagen etwas tragen, in dem man sich wohl fühlt. Also hab ich mir die Bluse nochmal vorgenommen.

 

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Es gab noch kleine Stoffrestchen, die reichten, um seitlich hinten am Bund etwas anzustückeln und die Knöpfe umzusetzen – nicht sehr schön, aber fällt nicht doll auf. Die Knöpfe waren leider, wie eigentlich das ganze Teil, unfotografierbar, es sind alte Schätzchen aus den Dreißigern. Es gibt auch noch eine passende Gürtelschnalle dazu, für die ich momentan keine Verwendung habe, aber ich freue mich, dass die Knöpfe hier so schön passen. Außerdem hab ich alle sichtbaren dunkelblauen Nähte durch schwarze ersetzt, und, um das platte Schwarz etwas zu beleben, ein paar Blümchen aufgestickt.

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Ich hatte die Stickerei wieder mit dem Frixion Pen vorgezeichnet – der sich diesmal leider wider Erwarten nicht ganz wegbügeln ließ. Man sieht es bei normalem Licht kaum, aber ich musste ein paar Blättchen sticken, die ich eigentlich doch hatte weglassen wollen. Ich finde es aber immer wieder toll,wie sehr ein Kleidungsstück durch so ein bisschen Stickerei gewinnt – bei wirklich überschaubarem Aufwand.

 

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Zur Authentizität: Da ich von Anfang an etwas zu wenig Stoff hatte, ist die Bluse kürzer als geplant, passt aber so ganz gut in die frühen Zwanziger Jahre. Hier wäre ein Beispiel für eine ähnliche Silhouette (aus Charlotte Fiell: Fashion Sourcebook 1920s), wenn auch deutlich weniger schlicht, von 1923 – angeschnittene Ärmel, breiter runder Ausschnitt, leicht gerafft mit glattem Bund auf der Hüfte:

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Zum Me Made Mittwoch trage ich die Bluse heute zusammen mit einem Rock aus dem letzten Herbst und gekaufter Strickjacke – leider überbelichtet, die Kamera wollte irgendwie nicht mehr.

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Und hier geht’s zu den anderen schönen Frauen.

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12 thoughts on “Eine schwarze Bluse

  1. Als zweidimensional habe ich schwarz nie wahrgenommen, schönes Oberteil.
    Ist der Rock gekauft, oder kannst du das Schnittmuster nennen? Erinnert mich so schön an Downton Abbey.
    LG Sybille

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    1. Downton Abbey hör ich natürlich gern! 😉 Hab jede Folge mindestens dreimal gesehen – einmal für die Handlung und dann noch ein paar mal zum Klamottengucken … Den Rock hab ich selbst genäht. Der Schnitt ist einfach ein Basis-Schnitt für einen schmalen Rock, in den ich dann je nachdem Falten einbaue, in diesem Fall eben auf jeder Seite drei. LG!

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  2. Ganz zauberhaft schaust Du aus. die Bluse ist schön und edel. Durch den halsfernen Ausschnitt wirkt es nicht zu streng und die kleine Stickerei ist allerliebst. Dein Rock begeistert mich ebenfalls. So einen SToff haben ich gerade vernäht, so abgesteppt lange Falten, das wäre wirklich eine gute überlegeung für mein Modell gewesen. LG Kuestensocke

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    1. Dankeschön! Ich mag den Rock auch, allerdings hat er eine Schwachstelle: am unteren Ende der Steppnähte reißt der Stoff irgendwann aus, das hatte ich schon bei mehreren Röcken in dieser Art. Naja, so haben sie eben ihre Zeit, und dann kommt wieder was Neues. LG!

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  3. Eine sehr schöne Kombination ist dir da gelungen! Hast du den Schnitt für die Bluse selber gemacht? Die Ärmellinie fällt so schön, was bei angeschnittenen Ärmeln ja nicht so oft der Fall ist.
    LG, Bele

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    1. Danke! Der Schnitt für die Bluse folgt dem Allround-Basis-Kleiderschnitt der Zwanziger, dem sog. One Hour Dress. Er ist einfach T-förmig. Wie das dann fällt, hängt jeweils vom Stoff ab, und hier hat das wirklich schön geklappt. Ich habe diverse solcher Blusen genäht, die meisten ohne den gerafften Bund – mein T-Shirt-Ersatz, schnell genäht und vor allem: jedes Mal superschnell gebügelt, weil quasi zweidimensional. LG! Frau Buttonbox

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  4. Du hast Recht – erstaunlich, was ein bisschen Stickerei ausmacht. Die Bluse ist wunderschön! Und den Rock mag ich auch sehr gern leiden, die Falten nehmen ihm ein bisschen die Strenge.
    LG
    Sandra

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  5. Schöne Bluse mit süßer Stickerei – sie macht eine feine Silhouette. Aber ganz besonders hat es mir Dein Rock angetan – sehr edel. Liebe Grüße von Ina

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  6. Sowohl Bluse als auch Rock finde ich total schön! Die Stickerei gibt der Bluse nochmal das gewisse Extra. Nach so einem Schnitt suche ich schon ewig – ich glaube, ich muss mir mal das One Hour Dress zu Gemüte führen..

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