Winter Ade

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Es ist März! Und mir ist schon sehr nach Frühling zumute (auch wenn das hier im Norden sicher noch ein bisschen dauern wird). Mein letztes winterliches Machwerk möchte ich aber trotzdem noch zeigen.
Nachdem ich den Pullover aus dem letzten Post in den vergangenen Wochen rauf und runter getragen habe, habe ich mir noch einen zweiten genäht, passend zum Rock aus diesem Kostüm. Der Stoff ist wieder Merinostrick von Anita Pavani, Schnitt und Stickerei von mir selber ausgedacht. Durch die etwas weiteren Ärmel ist er nicht ganz so warm wie der dunkelblaue, aber genau so gemütlich.

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Leider habe ich noch immer keine Abbildung von so einem Ensemble aus den Zwanziger Jahren gefunden. Die einzelnen Elemente stimmen, würde ich sagen, aber wie authentisch so ein zweiteiliges Kleid aus dickerem Strickstoff ist, weiß ich nicht. Immerhin, ich habe mehrere Abbildung aus den frühen Dreißigern gesehen, zum Beispiel diese hier von 1933 (aus “Blum: Everyday fashions of the thirties as pictured in Sears catalogs”, und schon in der typischen 30er-Jahre-Silhouette, inklusive absurd verzerrter Körperproportionen):

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Ich wünsche allen einen schönen Start in den Frühling, und sicher gibt es heute jede Menge dazu passende Kleidung beim MeMadeMittwoch zu sehen!

Zeit für Pullover

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Ich habe in letzter Zeit etwas mit meiner Wintergarderobe für die Arbeit gehadert. Die Standardkombi Rock-Bluse-Strickjacke gerät ja leicht ein bisschen bieder oder ist zumindest nicht besonders aufregend.
Am liebsten trage ich momentan meine beiden Pullover – von denen einer allerdings zum Weihnachtskleid 2018 gehört und eigentlich dem Sonntag vorbehalten ist. Das Ensemble mag ich immer noch sehr, und es für den Alltag zu verbraten, fände ich schade. Der andere ist aus Viskose und mir für den Winter eigentlich zu dünn.

Ein weiterer Pullover sollte also her, und so sieht er nun aus:

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Der mittelblaue Merinostrick kommt von Anita Pavani-Stoffe, das Dunkelblau sind Reste vom Weihnachtskleid (vom Roten Faden, wenn ich mich recht entsinne). So passt der Pulli genau zum Rock – aber eigentlich auch zu allen meinen anderen Röcken. Er ist warm und kuschelig (sehr tröstlich bei Erkältung), ich finde ihn nicht alltäglich (wenn auch für meine Verhältnisse geradezu sportlich), und besonders mit dem dazu passenden Rock fühle ich mich sehr gut angezogen.
Dem Rock sieht man das häufige Tragen leider von hinten schon ein bisschen an, aber diesen Winter hält er noch durch, und dann ich kann mir ja einen neuen nähen – entweder wieder in dem dunklen oder in dem mittleren Blau, und das Ensemble geht in die nächste Runde.

Weil das jetzt ein überschaubares Projekt war, habe ich übrigens mal die Stunden gezählt, die ich für sowas brauche. Ich staune ja immer darüber, wie schnell offensichtlich viele Leute nähen können. Für diesen Pulli, an dem nun wirklich nicht viel dran ist, habe ich ungefähr zwölf Stunden reine Nähzeit gebraucht. Schnell bin ich also definitiv nicht. Sei’s drum!

Andere hoffentlich genauso zufriedene Näherinnen, wie ich es bin, versammeln sich heute heute hier beim MeMadeMittwoch.

Ein Kostüm

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Der Frühling scheint hier nicht unmittelbar vor der Tür zu stehen, und so hab ich noch ein bisschen Gelegenheit, mein neues Lieblingsdings zu tragen, bevor es zu warm wird: ein Kostüm aus Feinstrick.

Eigentlich sollte es nur eine schlichte Jacke werden, schnell genäht und hoffentlich ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem gut sitzenden Jackenschnitt. Ich habe ein bisschen mit dem Kragen rumprobiert:

Und weil ich die zweifarbige Variante nicht so überzeugend, die einfarbige aber ein bisschen langweilig fand, sollte sie in bisschen Stickerei bekommen:

Das ist dann allerdings etwas aus dem Ruder gelaufen (soviel zum Thema: schnell fertig). Es erinnerte mich aber an diese Ensemble, das ich seit Jahren kenne und immer wieder todschick finde:

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aus: Skinner, Flapper Era Fashions

Also habe ich noch einen Rock zur Jacke genäht, und so sieht das Ganze nun aus:

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Aus irgendeinem Grund bin ich, was das Sticken angeht, glücklicherweise frei von jeglichem Perfektionismus. Mehr stört mich, dass die Schulter- und Seitennähte zu weit außen liegen und die Jacke an mir dadurch etwas kastig wirkt, besonders wenn die Knöpfe geschlossen sind. Naja, so ist noch Luft nach oben für’s nächste Mal.

Insgesamt gefällt mir das Ensemble aber ausgezeichnet und wurde auch schon mehrfach getragen.

[Markennennung, unbeauftragte Werbung] Der Stoff ist ein Merino-Feinstrick von Anita Pavani – große Farbauswahl, schöne Qualität und superschnelle Lieferung. Die Schnitte für Jacke und Rock hab ich selber gemacht.

WKSA – Finale!

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Wie wunderbar, es ist Weihnachten! Und ich trage das kuscheligste und bequemste aller Kleider. Und richtig schön finde ich es auch!

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Falls Interesse an den schmutzigen Details besteht: Das Innenleben ist nicht besonders hübsch anzusehen – vor allem am Halsausschnitt, der schon recht ausgeleiert war und mittels aufgebügeltem Nahtband eingefangen werden musste. Das hat gut funktioniert, nur hatte ich das Band aus irgendwelchen Gründen in Weiß gekauft, das sieht man jetzt natürlich. Dasselbe gilt für die Seitennähte am Rock, bei dem ich im Übrigen einen Teil der hinteren Bahn mit H 609 bebügelt habe, um Ausleiern zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Weil mir das erst nach dem Zusammennähen einfiel, ist auch das etwas murkelig geraten.
Die dunkelblauen “Streifen” wollte ich eigentlich in Kettstich sticken, habe es dann aber doch nochmal mit einem sehr flachen Hexenstich probiert, so dass die Kanten dehnbar geblieben sind. Dass das geklappt hat, freute mich sehr. Kennt jemand noch andere elastische Stickstiche? Meine wiederholten Recherchen in dieser Sache waren nicht sehr erfolgreich.
Und was ich gerne künftig besser hinkriegen würde: Wo mehrere Stofflagen übereinander liegen, am Rockbund zum Beispiel, wird es schnell sehr knubbelig und dick. Das muss ich irgendwie früher bedenken und dann möglichst vermeiden.
Ach so, und die Knöpfe sind alt, ich schätze mal Dreißiger Jahre, und ich hatte gerade drei davon. Die dazugehörige Schnalle ziert netterweise das Weihnachtskleid vom letzten Jahr.

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Dass das geplante Unterkleid auf jeden Fall noch genäht werden sollte, stellte ich fest, als mein kleiner Sohn sich (Süßigkeiten satt!) auf dem Weg ins Bett übergab – nein, nicht auf mein Kleid, sondern auf den Anzug meines Mannes. Puh! Für die Erste Hilfe hab ich das Kleid aber doch lieber ausgezogen und war dann in ziemlich unattraktiver Uralt-Unterwäsche unterwegs, bis das Kind getröstet, geduscht und im Bett und das Schlamassel aufgewischt war. Das Unterkleid wird also das erste Projekt für’s neue Jahr. Bis dahin plane ich, mir mal in Ruhe meine Stoffvorräte anzusehen. So wahnsinnig viel ist es nicht, aber ein bisschen Ordnung reinzubringen ist bestimmt nicht verkehrt, und sicher stoße ich doch noch auf irgendetwas, das ich nicht mehr auf dem Zettel hatte.

Aber jetzt gehe ich erstmal gucken, was die anderen geschneidert haben, darauf freue ich mich schon seit Tagen. Vielen herzlichen Dank nochmal an die Organisatorinnen, es hat wieder sehr viel Spaß gemacht, gemeinsam auf Weihnachten zuzunähen. Und alles Gute und viel Spaß für das neue Team!
Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen gesegnete und fröhliche Weihnachten!

WKSA – Zwischenstand Nr. 2

Den Termin letzte Woche hab ich leider verpasst – hatte kaum Zeit zum Nähen und noch weniger Zeit zum Bloggen. Mittlerweile kann man aber schon sehen, wie das Kleid mal aussehen könnte (bitte entschuldigt das wirklich grottige Foto – ich gelobe Besserung im nächsten Jahr!):

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Das ist leider nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte. Der Ausschnitt ist zu weit geraten, den muss ich nochmal anders machen. Aber vor allem ist das Oberteil zu kurz, dadurch wirkt das Ganze nicht so lang und schmal und “Zwanziger” wie geplant. Leider ist das nicht zu ändern – ich hatte, um nicht allzuviel von dem teuren Stoff neu kaufen zu müssen, das Rückenteil aus dem Rücken der misslungenen Vorgängerjacke zugeschnitten, das bestimmt nun eben die Länge.
Ich kann aber das Oberteil noch etwas schmaler machen, und dann muss der hellblaue Stoff noch irgendwie verziert werden, vielleicht mit Knöpfen oder ein bisschen Stickerei, mal sehen.

Das Ganze wird sicherlich bis Weihnachten fertig (und mir dann auch gefallen). Ob es mit dem Unterkleid bis dahin auch noch was wird, weiß ich allerdings nicht. Das nähe ich dann also vielleicht in den Weihnachtsferien hinterher. Da das Kleid fest als Sonntagskleid für diesen Winter gebucht ist, wird es auch dann noch genug Gelegenheiten geben, es zu tragen.

Hier kann man sehen, wie es den anderen Weihnachtskleidnäherinnen ergeht.

Und, fast hätte ich’s vergessen, in einer Woche ist Weihnachten, juhuuu!!!

WKSA – Zwischenstand

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Viel ist hier nicht passiert seit letzter Woche – ich warte auf Stoff.
Der Merinostrick in der Zweitfarbe ist schon gekommen (von Stoffversand4u), aber auf 60 cm von dem dunkelblauen vom Roten Faden warte ich noch.

Dafür habe ich aber zwei angefangene Projekte zuende gebracht – ein Unterkleid und das Fleecefutter für die rote Strickjacke, die zeige ich hier ein andermal.
Insofern bin ich hochzufrieden und freue mich darauf, wenn es mit dem Weihnachtskleid weitergeht!

Hier kann man sehen, wie es den Mitnäherinnen bisher ergangen ist.
Bis nächste Woche!

Jersey

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aus: Lessier, Art Deco Fashions – Coco Chanel, 1929

Auf dem (supernetten und inspirierenden) Bloggertreffen in Hamburg kamen wir auf Coco Chanel zu sprechen und darauf, dass sie als erste Jersey, bis dahin vor allem für Unterwäsche verwendet, als Stoff für Oberbekleidung eingesetzt hat. Berühmt sind die gestreiften Shirts mit U-Boot-Ausschnitt, die sie, so heißt es, von ihrem damaligen Geliebten ausborgte und salonfähig machte. Nun hatte Chanel einen ausgeprägten Hang zur Legendenbildung und nahm es mit der Wahrheit nicht immer ganz so genau (abgesehen davon, dass sie mit den Nazis kollaborierte – Ihr merkt, ich bin kein Fan). In jedem Fall kamen aber in den Zwanzigern Kleider und Kostüme aus Jersey auf und trugen dazu bei, Kleidung für Frauen alltagstauglich und bequem zu machen, passend zum neuen Bild der aktiven, sportlichen, selbständigen Frau.

Mema interessierte sich für Informationen oder Bilder dazu, und weil ich so eine kleine Quellensammlung auch eine gute Idee fand, habe ich beschlossen, einen Blogpost daraus zu machen.

Die Bilder, die ich hier zeige, entstammen den Büchern, die ich besitze oder gerade aus der Bibliothek ausgeliehen habe – natürlich gibt es auch im Netz viel dazu zu finden, aber das zusammenzutragen fehlt mir momentan leider die Zeit. Für Informationen und Bildmaterial zur Mode der Zwanziger verweise ich aber wie immer gerne auf den großartigen Blog von Witness2Fashion.

Wenn man daran interessiert ist, Kleidung aus dieser Zeit eingermaßen authentisch nachzunähen, ist es allerdings wichtig zu beachten, dass Jersey damals etwas anderes meinte als heute. Ich glaube, mit dem, was wir heute als einen feinen Strickstoff bezeichnen würden, kommt man der Optik und dem Fall am nächsten.

Und hier kommen die Bilder, beginnend 1923 (aus: Blum, Everyday Fashions of the Twenties as pictured in Sears and Other Catalogs) – ganz schön früh, finde ich:

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Ebenfalls 1923 – zwei Kleider aus “Rayon Jersey” von Van Ultra. Underwood and Underwood (aus: Fell, Fashion Sourcebook 1920s). Hier sieht man, dass in der Realität damals auch nicht alles Gold war …

 

1924 (aus: Blum, Everyday Fashions of the Twenties as pictured in Sears and Other Catalogs)

 

1925/26 (aus: Blum, Everyday Fashions of the Twenties as pictured in Sears and Other Catalogs)

 

Jetzt der Sprung in die zweite Hälfte des Jahrzehnts, in der die Rocklänge so dramatisch nach oben ging und der Look entstand, den wir heute erwarten, wenn es um Mode aus den Zwanzigern geht.
Ca. 1926-29 (leider undatiert, aus: Montgomery Ward, Fashions of the Twenties):

 

1926 (aus: Fiell, Fashion Sourcebook 1920s)

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1926, ein Tagesensemble von Chanel, Wolljersey und Seidensatin (aus: Lessier, Art Deco Fashions):

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Und, ca. 1928, ein Design von Sonia Delauny (aus: Lessier, Art Deco Fashions)

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Ich denke, trotz dieser Beispiele, dass Kleidung aus Webstoff in den Zwanzigern bei Weitem die aus Strick überwog. In den Dreißigern veränderte sich die Mode dann stark – Röcke wurden wieder länger und schmaler, die natürliche Taille wieder betont. Der Schwerpunkt lag jetzt eher auf Eleganz und Fraulichkeit; bequem, sportlich oder gar lässig sollte die Kleidung nicht mehr wirken. Und so habe ich in meinen Büchern über Mode aus den Dreißigern überhaupt keine Abbildungen oder Hinweise auf Oberbekleidung aus Jersey finden können – was natürlich nicht heißt, dass es das nicht gegeben hat, aber es spricht schon dafür, dass es nicht besonders typisch für die Mode der Zeit war.

Ich hab ja lange Kleidung im Stil der 30er getragen und genieße nun sehr die viel bequemeren Schnitte aus den Zwanzigern. Und natürlich sind Sachen aus Jersey eine verlockende Option. Es ist aber, wie gesagt, gar nicht einfach Stoff zu finden, der mir passend (und dabei bezahlbar) erscheint. Den Stein der Weisen gilt es hier also noch zu finden.