Zehn Jahre, zehn Kleider

Die 2020er!
Hundert Jahre ist die Mode schon alt, die ich nähe und trage und hier im Blog vorstelle. Erstaunlich!
Vor allem aber: Was für eine Steilvorlage!!

[1920 / 1921 / 1922  –  Quellenangaben s. unten]

Ich habe mir darum eine kleine Aufgabe gestellt: In jedem Jahr dieses Jahrzehnts werde ich ein Stück nähen, dessen Design genau hundert Jahre alt ist. Keine Eins-zu-eins-Reproduktion, aber so, dass sich beispielweise jemand aus dem Jahr 1923 nicht wundern würde über das, was ich im Jahr 2023 zu nähen und tragen gedenke.
Weiß ich, ob ich im Jahr 2029 immer noch Lust auf diese Sachen haben werde? Nö. Aber die Chancen stehen recht gut. Ob ich noch einen Blog haben werde? Keine Ahnung. Aber diese Challenge wäre auf jeden Fall ein guter Grund dafür!

[1923 / 1924 / 1925  –  Quellenangaben s.unten]

Die größte Herausforderung sehe ich eigentlich darin, dass sich die Mode im Verlauf der 1920er ja stark verändert hat, wie in der kleinen (nicht repräsentativen) Bildauswahl in diesem Post zu sehen ist. Und gerade aus den frühen Jahren würde vieles, heute getragen, schon sehr seltsam wirken. Nun ja, man soll ja immer mal die Komfortzone verlassen, und zur Not bleiben immer noch Morgenmäntel, Nachtwäsche und dergleichen, in denen mich sowieso nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Aber für 1920 wird es, glaube ich, ein Kleid, ich hab da schon Ideen …

[1926 / 1927 / 1928 – Quellenangaben s. unten]

Ob es für einen echten Sew Along genug Nerds da draußen gibt, weiß ich nicht, und ich bin ja auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv, wo man so etwas bewerben könnte.
Trotzdem fände ich es wundervoll, das alles nicht alleine zu machen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, sich zu beteiligen?!
Ich habe vor, für jedes Jahr einen Beitrag mit Bildern zur Inspiration zu posten, und natürlich, was ich dann daraus mache. Über jeden Beitrag oder Link in meinen Kommentaren würde ich mich wirklich freuen!

IMG_6267

[1929]

Also, auf in die Goldenen Zwanziger Jahre!

 

Quellen für die Bilder:
Fiell: Fashion sourcebook 1920s [1920, 1922, 1923, 1926]
1920s fashion from B. Altman & Company [1921, 1924, 1925, 1927, 1928]
Ward: Fashionable clothing from the Sears catalogs, Early 1930s [1929]

Weihnachtskleid Sew Along: Besser spät als nie

IMG_20191229_132117

Wie gut, dass es für dieses Kleid eine Deadline gab!
Tatsächlich war es auch am 23.12. mittags fertig, aber dann wollte ich mich lieber mit Weihnachten beschäftigen als mit Fotos und sowieso war das Geglitzer irgendwie noch nicht richtig und überhaupt will ich es ja erst an Silvester tragen. Naja, und außerdem bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden damit, und ohne den Finaltermin hätte ich wahrscheinlich zähneknirschend noch diverse Stunden mit dem welligen Saum, der knubbeligen Einfassung der Armlöcher, dem unsauberen Innenleben verbracht. So aber habe ich es für ein paar Tage auf den Bügel gehängt, nach Weihnachten ein passendes Blingbling besorgt und heute beim Fotografieren festgestellt, dass es doch insgesamt ein sehr schönes Kleid geworden ist.

Zu meiner eigenen Beruhigung: Der Stoff hatte es nähtechnisch wirklich in sich. Und auf den Bildern wie wohl auch im wirklich Leben sieht man die Macken sowieso nicht. Ich erspare darum mir und Euch einen Bericht über alle Etappen und Umwege und zeige lieber nur die Bilder vom fertigen Kleid (wegen winterlicher Temperaturen diesmal leider nicht draußen aufgenommen).

IMG_20191229_131913

Vielleicht bastele ich nochmal ein etwas wilderes Geglitzer, das ist jetzt doch recht dezent geraten (passt so aber gut zu einer meiner Haarspangen). Ich habe es nur an beiden Enden angenäht, damit man es für die Reinigung wieder abnehmen kann, aber es muss wohl doch etwas besser fixiert werden. Und Bändchen für die Unterwäscheträger muss ich noch einnähen. Und dann freue ich mich darauf, das Kleid zum Jahreswechsel (und sicher auch in den kommenden Jahren immer wieder gerne) zu tragen!
Viele Weihnachtsoutfits aller Art gibt es hier zu sehen – tausend Dank noch einmal an die Organisatorinnen!
Und kommt alle gut ins neue Jahr!

 

 

Weihnachtskleid Sew Along: Zwischenstand

IMG_6141[1]

Ich ärgere mich schwarz. Rabenschwarz, seit nunmehr drei Tagen am Stück.

Um trotzdem mit etwas Positiven zu beginnen: Der Stoff passt super zum Schnitt, er fällt so wunderbar wie gehofft und sieht sehr edel aus. Das Kleid sitzt auch im Großen und Ganzen gut, wenn es auch merkwürdigerweise an der Brust zuerst etwas eng war – das Probekleid hatte genau richtig gesessen. Ich konnte noch ein bisschen was aus den Seitennähten herausholen, wenn auch die Nahtzugabe dort jetzt wirklich sehr knapp ist und man die aufgetrennte Naht gut sehen kann. Aber naja, wer guckt mir schon unter die Achseln.
Ich habe nach einigen Versuchen an Stoffresten davon Abstand genommen, Armlöcher und Ausschnitt mit Schrägband zu versäubern, und werde stattdessen einen durchgehenden Beleg aus Futterstoff für alle drei machen. Gerade an einem so schlichten Kleid wäre ein vermurkster V-Ausschnitt schon doof. Aber den Saum habe ich schon mit Schrägband bestückt. Er ist ein kleines bisschen wellig geworden, aber auch das fällt wahrscheinlich niemandem auf.

Auffallen wird nämlich vor allem, dass ich, offenbar in geistiger Umnachtung, zwar brav auf einem Gegenstück aus Samt gebügelt habe, das aber mit reichlich Druck. Das hat wenig überraschend den Flor geplättet, und man sieht an allen Nähten deutlich die Abdrücke des Bügeleisens – bei künstlichem Licht nicht so sehr, bei Tageslicht aber schon. Besonders auffällig die waagerechten Streifen quer über der Brust, vom Bügeln der Brustabnäher. Alle Rettungsversuche mit Dämpfen und Aufbürsten haben nichts genützt, und es ist auch nicht hilfreich, dass man zur Zeit so wenig Tageslicht hat, um sich mal in Ruhe damit auseinanderzusetzen.

Ich sehe momentan eigentlich zwei Optionen: Das ganze Kleid plattbügeln, was ein Jammer wäre, die besondere Schönheit des Stoffes ginge dabei verloren. Oder versuchen, noch Stoff nachzukaufen, alles aufzutrennen und wenigstens die vordere Bahn nochmal neu zu machen.

Vielleicht probiere ich das morgen mal. Drückt mir die Daumen!

Hier geht es zu den anderen Weihnachtskleidnäherinnen – mit besserer Laune.

Wie’s so läuft

035.JPG

Dies ist leider eher ein Lebenszeichen als ein interessanter Blogpost – ich habe eine ganze Menge gemacht in letzter Zeit, aber nicht so recht etwas zu zeigen.
Einen Pyjama und zwei Nachthemden habe ich genäht und zwei Kauf-Unterkleider mit Spitze verziert – alles hübsch geworden und sehr befriedigend, aber nichts für die Öffentlichkeit.
Ein Rock aus feinem braunem Wollstoff wurde fertig, nicht aufregend aber ganz okay. Ich trage ihn regelmäßig, er erwies sich allerdings leider als unfotografierbar, auf Bildern mutiert er nämlich zu einem schlammfarbenen Sack.
Einen Rock aus blaugrauem Samt  hab ich auch noch genäht, und der macht mich etwas traurig – der Stoff ist wunderschön, aber wohl doch etwas zu schwer und steif, jedenfalls sitzt er nicht so richtig toll, fällt nicht gut und ist einfach nicht besonders angenehm zu tragen. Ich habe auch noch Stoff für eine Jacke dazu … mal sehen.
Und dann habe ich mich über mehrere Wochen immer mal wieder mit diesem Schnitt beschäftigt:

043.JPG

Ich hatte noch Reste von einem Baumwolltwill, daraus sollte so etwas wie ein tragbares Probemodell für eine Winterjacke werden. Aber mal wieder haperte es mit dem Ärmel. Mir ist schon klar, dass damals andere Vorstellungen davon herrschten, wie bequem Kleidung sein muss. Trotzdem, ich weiß nicht, ob die alten Schnitte wirklich derart enge Ärmel haben, oder ob bei mir Ärmeldramen mittlerweile einfach voreingestellt sind. Jedenfalls, mein Baumwollstoff war nach mehreren Anläufen aufgebraucht und ich habe das Ganze sehr erleichtert in die Tonne geschmissen.
Nun werde ich einen neuen Versuch mit einem anderen Ärmelschnitt machen und wohl das Futter für die Winterjacke als Probeteil nutzen. Habe ich mir fest für’s nächste Nähtreffen vorgenommen.

Was mir aber ganz uneingeschränkt und wunderbar große Freude macht ist, dass ich wieder mit dem Klöppeln angefangen habe. Ich habe mich endlich durchgerungen, mir einen Fernkurs bei Martina Wolter-Kampmann zu gönnen, und es erfreut mich wirklich sehr. Etwas zu lernen ist sowieso gut, und schon sehr angenehm, dabei nicht immer alles selber herausfinden zu müssen. Ich hoffe außerdem, so meinem Ziel näher zu kommen, Spitzen zu klöppeln, die ich auch in meiner Näherei verwenden kann – reine Deko herzustellen (und in der Wohnung zu haben) ist echt nicht mein Ding.

041.JPG

(Und falls Klöpplerinnen dies lesen: Ja, ich habe bemerkt, dass die Ganzschlagreihe beidseits des Netzschlages nicht an der gleichen Stelle ist. Hab schon abgenadelt und nochmal angefangen …)

Ich wünsche allen einen wunderbaren Herbst!  Frau Buttonbox

Summer Stitchalong – Finale

025

Es ist tatsächlich dabei geblieben – das Nachthemd hat keine weitere Stickerei bekommen. Ein bisschen schade finde ich das schon, aber abgesehen davon, dass  meine zimperlichen Handgelenke nicht mehr wollten, fehlte mir auch die wirklich zündende Idee für ein Geranke zwischen den Kästchen. Vielleicht kommt das noch, mal sehen.

008

Insgesamt gefällt mir mein neues Nachthemd aber wirklich sehr! Nun ist es leider schon etwas zu kalt dafür geworden, aber in den letzten warmen Nächten trug es sich toll, und ich fühle mich sehr hübsch und gut angezogen damit. Irgendjemand sagte mal, man solle sich zum Schlafen immer so kleiden, dass es völlig angemessen wäre, am Morgen ein Glas Sekt im Bett serviert zu bekommen. Das finde ich auch, und weil ich gerade dabei war, habe ich noch ein weiteres Nachthemd genäht (allerdings nur mit Spitze verziert, ohne viel aufwändige Handarbeit), und ein weiteres sowie einen Pyjama in Planung. Der Sommer ist ja nun wohl passé, an Sachen für den Herbst mag ich mich aber auch noch nicht machen, da passt also ein kleiner Nachtwäsche-Lauf.

007.JPG

Heute ist Me Made Mittwoch, da aber Tragefotos von Wäsche an mir nix im Internet zu suchen haben, bin ich leider nicht dabei.
Aber in das Finale des Summer Stitchalongs reihe ich mich gerne ein! Vielen Dank für die Organisation, das hat Spaß gemacht!
Und auch bei handgestickt verlinke ich nun endlich mal einen Post.

 

Summer Stitchalong – Zwischenstand

050.jpg

Allmählich nimmt die Sache Formen an.
Das Schwierige am Sticken über Stramin ist, dass man erst am Ende sieht, wie das Ganze wirklich wirkt – allerdings hätte man, da ich mich für ein Lochmuster entschieden hatte, später sowieso nicht mehr viel ändern können. Jedenfalls, das geometrische Muster um den Ausschnitt ist fertig, und ich finde es hübsch, wenn auch etwas massiv geraten. In meiner Vorstellung war es zarter.

Nun fehlt noch das Geranke, und dafür könnte ich mir nun doch noch eine weitere Farbe vorstellen, zum Beispiel eine von diesen hier:

003.JPG

Da meine Handgelenke aber vom Sticken nicht begeistert sind, kann es auch sein, dass es einfach beim jetzigen Stand bleibt. Ich nähe jetzt erstmal das Nachthemd zusammen, dann sehe ich weiter.

Was die anderen Stickerinnen umtreibt, erfahrt Ihr hier. Und Anfang September kommt dann das Finale.

Summer Stitchalong – Pläne

003

Voller Freude hörte ich im letzten Frickelcast die Ankündigung für den Summer Stitchalong, gehostet von Petersilie & Co! Hatte ich mich doch schon allseits beklagt, dass meine Handgelenke Stricken, Häkeln oder Klöppeln immer noch nicht wieder für eine gute Idee halten, so dass mir ein Urlaub ganz ohne Handarbeiten bevorstand. Mal wieder etwas Größeres von Hand zu nähen wäre zwar auch eine Option, lockt mich aber gerade nicht wirklich. So kam also die Idee wie gerufen, etwas zu sticken, das müsste gesundheitlich eigentlich gehen. Und es war auch recht schnell klar, was es werden soll.

Schon länger liegt hier eine ganz leichte Baumwolle, von Ruth geerbt und dunkelblau, die ein Nachthemd werden soll, und jetzt weiß ich auch, warum ich mich bisher irgendwie nicht um die Spitze zur Verzierung gekümmert habe, denn ganz offensichtlich soll es ein Nachthemd mit Stickerei werden. Das passt eigentlich zur Baumwolle sowieso viel besser.

Als Inspiration dient mir die obige Abbildung (aus 1920s Fashion Design von Pepin Press). Abgebildet ist hier ein Set aus Hemdhose, Nachthemd, Unterkleid und, nehme ich an, Unterhose. Ich mag den eckigen Ausschnitt und die Mischung zwischen geometrischer Umrandung und floralen Elementen. Die geraden Strecken könnten ganz gut eingezogene Bändchen sein (zumal man sie am Ausschnitt hinten auch von innen sieht), aber ich möchte ja sticken.

 

Mal wieder habe ich über mehrfarbige Stickerei nachgedacht und mal wieder werde ich doch einfarbig sticken – da bleib ich schön in meiner Komfortzone, ja, aber irgendwie finde ich es eleganter, und allzu bunt ist einfach nicht mein Ding. Bin allerdings noch unentschlossen, ob es Dunkel- oder Hellblau werden soll (und hab mich mal wieder über das schlechte Licht bei K**stadt geärgert, das bei mir schon zu mehr als einem Garn-Fehlkauf geführt hat, so auch diesmal). Ich werde ein bisschen zur Probe sticken und dann entscheiden.

008.JPG

Was den Schnitt angeht, so ist das wohl ein schlichtes T (muss nur aufpassen, dass weder es mir zu schmal gerät, noch der Saum an den Seiten herunterzipfelt), und für die Stickerei am Halsausschnitt werde ich erstmal nur Vorder- und Rückenbahn zusammennähen, ohne weiter zuzuschneiden. Es wird sowieso immer recht viel Stoff sein, mit dem ich da hantiere, und ich möchte nicht, dass irgendetwas ausleiert oder sich verzieht. Ich plane, erstmal die geraden Linien auf Stramin zu sticken, und mir anschließend das Geranke auszudenken. Die Technik, Stramin auf den eigentlichen Stoff zu heften und dann aus der fertiggstellten Stickerei Faden für Faden herauszuziehen, habe ich als Mädchen gelernt, aber komischerweise noch in keinem Stickbuch gefunden – dabei ist das so praktisch! Jedenfalls habe ich vor, apropos Technik, mir endlich mal ein paar neue Stickstiche anzueignen, und darauf bin ich sehr gespannt!

Ich freu mich sehr! Vielen Dank für die schöne Idee an die Damen von Petersilie & Co.!

Und hier geht’s zu den anderen Stickerinnen.

Rot!

018.JPG

Als es vor eine paar Wochen plötzlich so schön warm wurde, bekam ich Sehnsucht nach mehr Kleidern – morgens einfach ein einziges Kleidungsstück überzuwerfen, ist eine meiner großen Sommerfreuden. Und eine Sommerfreude ist es auch wirklich geworden, denn es gefällt mir sehr:

015a.jpg

(Es war beim Fotografieren ziemlich windig, und auch auf der Puppe war das Kleid leider bemerkenswert schlecht zu fotografieren.)

Weil ich ja momentan fast nur aus dem Bestand nähe, fiel die Wahl auf eine mittelschwere Baumwolle, die auf der einen Seite so eine Art Atlasbindung hat, also etwas glänzt. Sie ist außerdem, wie man sieht, richtig rot, was ich sehr schön finde, mich aber trotzdem bisher davon abgehalten hat, sie zu vernähen. Ist schon etwas ungewohnt.

Weil es außerdem schnell gehen sollte, habe ich mich für den T-förmigen Basisschnitt entschieden, nach dem ich schon diverse Kleider genäht habe (zum Beispiel hier), obwohl mich der weite, formlose Rücken daran schon seit Längerem etwas stört – und mich auch diesmal wieder geärgert hat.

Erstmal ging es aber ganz gut voran, die Idee mit den weißen Stepplinien am Ausschnitt ließ sich einigermaßen ordentlich umsetzen und erfüllt auch ihren Zweck, das viele Rot ein bisschen zu beleben. Die Kombination rot-weiß hat außerdem immer so ein bisschen was Maritimes, was ich sehr mag. Den ersten längeren Hänger gab es dann bei den Falten. Die sollten diesmal nämlich eigentlich vorne seitlich liegen, aber nach Herumprobieren mit allen möglichen Varianten in Richtung und Lage sind sie am Ende doch wieder über den Hüften gelandet, das passt einfach am Besten zu meiner Figur. Dass die vordere Bahn nun beidseitig schon eingeschnitten war, war nicht so schlimm, denn diese Riegel waren sowieso eingeplant. Allerdings hätte der Winkel mehr Sinn gemacht, wäre direkt unterhalb die erste Falte aufgesprungen, wie ich mir das ursprünglich gedacht hatte.

001.JPG

Die Rundung am Ausschnitt nochmal in Klein bei den Riegeln gut hinzukriegen, traute ich mir eigentlich nicht zu. Da halfen glücklicherweise Ermutigung und gute Ratschläge von Frau Kapeanlumi und Frau Tinesews: Ich habe die Kanten mit Heftgarn eingereiht und zusammengezogen und das Ganze über einer Pappschablone gebügelt. Leider sind sie beim Annähen wieder etwas aus der Form geraten, aber prinzipiell hat es gut funktioniert. Nicht so gut funktioniert hat das Freihand-Steppen mit der Maschine. Nachdem ich zig einzelne Stellen wieder aufgetrennt und neu gemacht habe, mit mäßig schönem Ergebnis, habe ich die Riegel dann doch nochmal neu zugeschnitten und gesteppt, diesmal mit Vorzeichnen, was – Überraschung! – viel besser ging. Ich habe außerdem beim zweiten Anlauf nicht die Kanten direkt umgelegt und mit festgesteppt, sondern erst nach dem Steppen umgebügelt, so konnte man die Ecken viel besser unterschlagen.

Und der dritte große Haken war dann, wie zu erwarten, der Rücken. Wenn man das ganze Kleid nicht so weit macht, dass es quasi berührungslos um einen herumhängt, staucht es sich am Rücken über dem Po, besonders bei etwas festerem Stoff (und wenn man, anders als meine Schneiderpuppe, überhaupt einen Po hat). Ich habe Verschiedenes ausprobiert – stärkere Rundung der Seitennähte, die klassischen zwei Rückenabnäher, zweimal zwei kleine halbe Abnäher, die nach oben aufspringen (das hätte bei leichterem Stoff, glaube ich, ganz gut funktionieren können), schließlich zwei senkrechte Abnäher ziemlich nah an an den Seitennähten.

035.jpg

Sowas habe ich noch nirgends gesehen, aber es nimmt zumindest ein bisschen Weite aus dem Rücken. So wird es nun also bleiben. Und nächstes Mal versuche ich dann wirklich mal einen anderen Schnitt. Glaub ich.

Heute ist MeMadeMittwoch! Den findet Ihr hier.

Es gibt kein schlechtes Wetter

010

… nur falsche Kleidung!
In diesem Sinne habe ich mir ein Kleidungsstück genäht, das ich sehr schick finde, das sich allerdings praktisch erst noch bewähren muss. Mein erster Test im letzten Herbst hatte nämlich großes Herzeleid, langes Gegrübel und schließlich einige Anpassungen zur Folge. Seit einigen Wochen wartet es nun auf den nächsten Probelauf, bisher war es mir dafür aber zu kalt. Mit dem April kommt aber ganz sicher Gelegenheit, es zu tragen:
Ein Regencape, mit Hut.

p1120331-1.jpg

Leider finde ich die Modezeichnung nicht mehr, die mir als Inspiration gedient hat, ich glaube, sie kam aus einer der vielen Vobachschen Publikationen.

Als Schnittmuster hatte ich mich für Simplicity 7953 entschieden. Der Stoff kommt von Extremtextil und ist eine reine Baumwolle, die wunderbarerweise trotzdem quasi wasserdicht ist [beides: Markennennung, unbeauftragte Werbung]. Leider gab es sie nur noch in sehr gedeckten Farben – und eine kleine dunkelgraue Stoffprobe ist eindeutig etwas anderes als ein derart großflächiges Kleidungsstück, wie ich feststellen musste. Beim ersten An-die-Puppe-heften war ich entsetzt – das Ganze sah aus wie ein Nachtwächter aus dem 19. Jahrhundert (Oder auch Darth Vader. In unserem Esszimmer. Gruselig!). Stück für Stück wurde es aber besser. Trotzdem die natürlich ein Einfallstor für Nässe darstellen, habe ich dem Cape helle Steppnähte verpasst, die die Sache merklich belebt haben.

Zum Stoff ist zu sagen: Sehr ungewohnt! Er ist leicht aber steif, verzieht sich nicht, verzeiht aber auch nichts – ein kleine Beule ausbügeln oder dergleichen kann man da nicht. Und bei drei Stofflagen hat meine alte Singer gestreikt, ich konnte dann nur noch die Nadel über das Handrad mit Schwung in den Stoff hauen, was funktionierte, allerdings werden die Nähte auf diese Art nicht gerade gleichmäßig.

p1120327-1.jpg

Das Problem, so stellte sich nach dem ersten Probetragen heraus, war aber der Schnitt. Die beiden vorderen Bahnen sind oben zu breit, so dass ich nachträglich Abnäher an der Schulternaht eingefügt habe. Weiter unten sind sie dafür viel zu schmal und die Ärmelschlitze damit zu weit vorne. Das scheint nicht unüblich bei Capes zu sein, hat aber zur Folge, dass man die Arme nur nach vorne herausstrecken, aber nicht seitlich herunterhängen lassen kann, z.B. mit einer Tasche in der Hand. Die Breite reicht außerdem nicht für’s Fahrradfahren. Weder mit herausgestreckten Händen noch mit Händen unter dem Cape konnte ich mit beiden Händen den Lenker anfassen – und damit war das Ganze mehr oder weniger unbrauchbar für mich. Da der Stoff wirklich teuer war, war das ziemlich niederschmetternd.

Nach einigen Wochen und etwas gutem Zureden meiner lieben Nähfreundinnen habe ich mir das Cape dann aber doch nochmal vorgenommen und an Stelle der vorderen Schulterabnäher Keile aus dem Reststoff eingesetzt. Die haben bei genauem Hinsehen leider einen anderen Fadenlauf und wirken insgesamt etwas unmotiviert, ich wollte aber die schön gelungenen Ärmelöffnungen nicht wieder auftrennen. Und jedenfalls hat das Cape nun vorne genug Weite.
Und weil ich schonmal dabei war, und weil Ruth sagte, da gehöre ja nun wohl noch ein Hut dazu, habe ich aus dem Rest vom Rest noch einen genäht, nach bewährtem Schnitt.

p1120324-1.jpg

Und nun muss ich nur noch genug Gelassenheit entwickeln, Cape und Hut mit selbstverständlicher Haltung zu tragen und mir dabei nicht allzu nerdig vorzukommen.

Hier geht’s zum MeMadeMittwoch. Viel Spaß!

Sommerjäckchen Knit Along 2019

009.JPG

Der MeMadeMittwoch hostet in diesem Jahr einen Sommerjäckchen Knit Along.
Finale ist am 26. Mai, und ich wäre sehr gerne dabei! Allerdings machen mir meine zimperlichen Handgelenke einen Strich durch die Rechnung. Die hab ich mir in der Bibliothek beim Bücherrücken kaputt gemacht, für die nächsten Wochen sind darum Stricken, Häkeln, Klöppeln und Co. verboten. Meh! Geplant hatte ich aber vorher schon was, das stelle ich mal vor, auch wenn ich nicht weiß, wann es fertig werden wird.

Dass ich mal eine Strickpause einlegen sollte, hatte sich schon länger angekündigt, darum dachte ich, es sei Zeit für etwas Neues, und habe ein bisschen mit Häkeln herumprobiert. Macht mir Spaß, allerdings bedurfte es einiger Überlegungen bei der konkreten Planung:
Zuerst mal hat man beim Häkeln in fast allen Mustern eine deutliche Betonung der Waagerechten, oft richtige Querrippen. Hübscher finde ich eigentlich eine Betonung der Vertikalen. Außerdem ist Gehäkeltes nicht so elastisch wie Gestricktes, das finde ich etwas ungewohnt – könnte allerdings auch ein Vorteil sein, denn schwerere Strickjacken ziehen sich ja manchmal ganz schön auseinander, etwas mehr Stabilität wäre also vielleicht gar nicht schlecht. Dann sind gehäkelte Muster oft durchbrochen, was für eine warme Jacke nicht das Richtige wäre. Geschlossene Muster werden aber schnell sehr fest und steif. Und schließlich besteht beim Häkeln, finde ich, immer die Gefahr, dass es trutschig wird.

Nichtsdestotrotz will ich mein Glück versuchen und eine warme Jacke häkeln – ein sommerliches Gegenstück zu meiner roten gefütterten Winter-Draußen-Strickjacke. So soll sie ungefähr aussehen:

012
aus: Skinner, Flapper Era Fashions

Allerdings nicht so flauschig. Ich hatte noch zwei Knäuel und ein paar Reste rauchblauer Merinowolle (übrigens Reste der Vorgängerin der braunen Weste, die ich neulich gezeigt habe), die ich schon länger für eine warme Jacke verwenden wollte. Dazu passend habe ich graue Wolle gekauft (alles Bingo von Lana Grossa – Markennennung, unbeauftragte Werbung) und verschiedene Muster und Nadelstärken ausprobiert.

003.JPG

Dann habe ich mich entschieden, eine Maschenprobe gemacht, gezählt und gerechnet und eine Anleitung geschrieben. Das Maschenbild ist aber so ungewohnt für mich, dass ich überhaupt nicht weiß, ob meine Zählung hinhaut, es wird also spannend, wenn ich wirklich loslegen kann.

Mich juckt’s in den Fingern, ich hoffe auf schnelle Genesung und freue mich derweil an dem, was die anderen Teilnehmerinnen bewerkstelligen! Viel Spaß allerseits!