Spring Style-Along

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Mamamachtsachen lädt wieder zum Spring Style-Along ein. Ich bin zwar ziemlich spät dran (und hab auch das Gefühl, meine Herangehensweise ist eine etwas andere), aber ich möchte doch gerne noch mitmachen! Danke, Alex, für Organisation, Inspiration und Einladung!

Verpasst habe ich bisher die Punkte “Bestandsaufnahme” und “Wunschkonzert”, diese Woche ist dem “Style Concept” gewidmet, also mal sehen, wie ich das alles noch unterbringe.

Nachdem ja kürzlich ein Buch meine Vorstellungen von meiner Garderobe gründlich durchgeschüttelt hat (mehr dazu hier), hatte ich mir sowieso schon einige Gedanken dazu gemacht.
Zusammenfassend gesagt: In meinem Leben sind nicht alle Tage gleich, und für einzelne Lebensbereiche möchte ich jeweils zweckmäßige und schöne Kleidung haben. Und, ja, es lohnt sich, kostbare Nähzeit in Projekte zu investieren, die möglicherweise nicht viel hermachen oder nur von sehr wenigen Menschen gesehen werden. Weil nämlich ich sie sehe und trage und mich idealerweise wohl darin fühle.

Die im Buch angeführten Lebensbereiche beziehen sich auf Frauenleben in der ersten Hälfte es zwanzigsten Jahrhunderts, und das lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf meines übertragen, vieles passt aber dann doch. Und überraschenderweise hat das Buch insgesamt eher dazu beigetragen, dass ich mich entspannen und in Sachen 20er Jahre und Authentizität auch mal fünf gerade sein lassen kann. Bei aller Kritik, die man völlig zu Recht an den damaligen restriktiven Vorstellungen von weiblicher Kleidung üben kann – es liegt auch empowerment darin, Frauen zu ermutigen, sich selber und ihre Bedürfnisse und Wünsche wichtig zu nehmen, was Praktikabilität, aber auch, was Schönheit, Freude und Luxus angeht. Selbst in Garderobenplanungen für sehr knappes Budget ist immer mindestens ein Kleid extra für den Feierabend vorgesehen, und zwar ein besonders schönes, denn die Zeit, die man in seinem intimsten Kreis, zu Hause, verbringt, ist schließlich die, in der man seinem Geschmack und seinen Vorlieben quasi ohne Rücksicht auf Verluste freien Lauf lassen kann. Das ist dann irgendwie schon was anderes als ein Jogginganzug, oder?

Also, fangen wir mal mit der (Erwerbs-)Arbeit an.
Was möchte ich?
Ich arbeite in einer Bibliothek. Ich möchte elegante Kleidung, eher sachlich, aber nicht langweilig. Kostümjacken, in denen ich mich nicht gut bewegen kann, scheiden aus, ebenso Pullis und langärmelige Kleider – wenn’s beim Räumen mal warm wird, möchte ich Schichten ablegen können. Ideal sind Rock, Bluse und nicht zu rustikale Strickjacke. Wie ich seit Neuestem weiß, sind auch Jersey-Kostüme großartig, aber da finde ich es nicht einfach, passenden Stoff zu finden. Vielleicht wäre Feinstrick auch eine Option? Allerdings nicht gerade sommerlich.

Was hab ich schon?
Mein Jersey-Kostüm ist sicher durchgehend tragbar, so richtig heiß wird es ja in Hamburg eher ab und zu mal. Ich habe einen blauen Rock und eine beige Strickjacke.

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Da ist also noch Luft nach oben. Blusen gibt’s momentan genug, z.B. die hier:

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Ich habe mir allerdings vorgenommen, nicht mehr so viel Zeit auf das Nähen von Bürokleidung zu verwenden. Meine KollegInnen werden schon damit klar kommen, wenn meine Auswahl überschaubar ist, und mit einer Hager-und-Mager-Kaufgarderobe kann ich mengenmäßig sowieso nicht mithalten. Und dann ist es eigentlich auch viel wichtiger, mich schön zu finden, wenn ich z.B. Zeit mit meinem Mann verbringe.

Als nächstes: Die Hausarbeit.
Was möchte ich?
Einen Teil meiner Nachmittage verbringe ich mit meinen Kindern und dem Haushalt. Darauf war meine Garderobe bislang am schlechtesten eingestellt, und zwar, weil ich mir nicht eingestehen wollte, dass ich dabei nun mal am liebsten Hosen trage. Hosen gab es in den Zwanzigern als Strandkleidung oder Pyjamas oder, interessanterweise, als Teil eleganter Abendgarderobe. Als Alltagskleidung und auf der Straße wurden sie von Frauen bis in die 30er Jahre nur getragen, wenn sie schwere körperliche Arbeit verrichteten, im Bergbau oder auf dem Land – und auch dabei trugen viele lieber Kleider. Weil Hosen in der Öffentlichkeit eben eigentlich keine Option für Frauen waren.
Ich mag sogenannte Marlenehosen mit kurzen Pullis oder Strickjacken, also ein typisches 30er Jahre-Outfit. Und das werde ich künftig auch einfach mal tragen – außer mir interessiert es sowieso niemanden, ob die Haare passend dazu in Wellen gelegt und die Augenbrauen gezupft sind. Und wo ich schon mal dabei bin: Es müssen auch nicht unbedingt Blusen sein. Shirts mit U-Boot-Ausschnitt oder Ähnliches machen den Look dann auch nicht mehr kaputt, sind bequemer, müssen nicht gebügelt werden, und ich kann sie einfach im Laden kaufen.
Das klingt wahrscheinlich ziemlich bekloppt, aber seit ungefähr zehn Jahren beschäftige ich mich damit, mich möglichst historisch korrekt zu kleiden (erst 30er, dann 20er Jahre), auch wenn das oft unbequem ist, und so ist es schon ein Schritt für mich, mir diesen unauthentischen Komfort einfach zuzugestehen.

Was hab ich schon?
Ich habe eine Jeans und eine Leinenhose, zwei Shirts und ein paar kurzärmelige Blusen dazu. Dann hab ich eine olle Strickjacke, die ich gerne ersetzen würde, und meinen neuen Matrosenpulli, der aber für den Sommer eher zu warm ist. Was Hemden angeht, bin ich gut ausgestattet. Es fehlt noch eine Hose, und es fehlen Jacken.

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Dann: Der Sonntag.
Was möchte ich?
Besonders hierfür war meine erste erfolgreiche Begegnung mit Jersey eine Entdeckung! Ich mag gerne den Sonntag mit etwas festlicher Kleidung ehren, aber wenn sie dabei auch noch bequem und sofatauglich ist, ist das natürlich ein Traum! Im Sommer müsste sie allerdings auch noch Elbstrand- und Grill-tauglich sein, das wirft wohl ein paar Fragen auf … mal sehen.

Was hab ich schon?
Ein wunderbares blaues Sonntagskleid für die kühleren Tage. Davon braucht es mehr und sommerlicheres!!

Und: Fest!
Was möchte ich?
Ich möchte gerne ein paar Kleider haben, die ich zu Festen, Geburtstagspartys und in die Oper anziehen kann, ohne total overdressed zu sein, aber auch ohne das Gefühl zu haben, so könnte ich auch genausogut zur Arbeit gehen. In den Zwanzigern (und den Jahrzehnten drum herum) gab es die Nachmittagsgarderobe. Das waren Kleider zum Ausgehen, für kleinere gesellschaftliche Anlässe, die vielen Leuten heutzutage schon für große Hochzeiten zu aufgebrezelt wären. Da einen Mittelweg zu finden, ist nicht leicht, zumal ich mich eigentlich sehr gerne fein mache. Es hilft allerdings, dass ich generell eher schlichte Kleidung mag. Verspieltes, Rüschen, blumige Muster u.ä. sind meine Sache eher nicht.
Ein langes Abendkleid möchte ich natürlich auch mal wieder haben. Aber da kommt sicher irgendwann der passende Anlass und damit der richtige Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen.

Was hab ich schon?
Mein Rosenkleid habe ich. Und ein verunglücktes Projekt vom Nähen am Meer.

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Wenn ich das noch retten könnte, wäre ich für den Sommer gut versorgt.

Nicht zu vergessen: Feierband.
Was möchte ich?
Ich möchte glamouröse und möglichst bequeme Sachen für abends auf dem Sofa.

Was hab ich schon?
Mein Lounging Ensemble aus Jersey. Sowas möchte ich auch noch aus sommerlicheren Stoffen, am liebsten aus Seide. Allerdings habe ich gerade nullkommanull Lust, Seide zu vernähen. Hm.

Und schließlich noch: Sport.
Was möchte ich? Was hab ich schon?
Sportliche Kleidung war in den Zwanzigern das, was heute bei uns fast alle überall und zu jedem Anlass tragen. Informelle Kleidung könnte man vielleicht sagen. Für mich deckt sich die Kategorie im Großen und Ganzen mit der für die Hausarbeit.
Ein langjähriges Desiderat ist allerdings passende Oberbekleidung für alle Gelegenheiten, bei denen der Mantel zu elegant oder unpraktisch ist. Die Entsprechung der Fleece- wäre wohl die Strickjacke, und ich habe auch schon länger eine in Arbeit, die mit Flanell gefüttert werden soll und also als Draußen-Jacke für Strand, Spielplatz und überhaupt dienen kann.  Der Weg ist zwar steinig, aber irgendwann wird sie hoffentlich fertig.

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Schon längst ist außerdem irgendein Regen-Kleidungsstück nötig. Ich träume eigentlich von einem Cape, aber vielleicht ist das dann doch zu unpraktisch?

Ja, und dann gibt es natürlich noch den Sommerjoker:
Kleider aus Baumwolle oder Leinen. Die gehen, finde ich, immer!
Ich habe zwei davon und ich will noch mehr!

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So weit, so gut. Man sieht: Ich mag Blau, und die kühleren Töne lieber als die rotstichigen. Dunkles Rot ist ein weiterer Favorit, Braun mag ich auch, das wäre jetzt aber nicht meine erste Wahl für den Sommer. Generell hab ich allerdings das Problem, Stoffe zu finden, die von Fall und Textur her zu den alten Schnitten und dem gewünschten Look passen, insofern bin ich, was die Farben angeht, eher genügsam und nehme, was kommt. Schwarz scheidet allerdings tatsächlich aus, Grün mag ich zwar, trag’s aber irgendwie doch nicht. Mal sehen.

Es zeichnet sich außerdem deutlich ab: Ich werde bis zum Herbst nur einen Teil meiner Wünsche erfüllt haben. Macht aber nix. Mit dem konkreten Plan beschäftige ich mich dann mal nächste Woche.

2 thoughts on “Spring Style-Along

  1. Für die sportliche Jacke vielleicht mal bei klassischen Berufsbekleidungsformen spickern gehen? So was wie hier meine ich: https://www.old-town.co.uk/collections/product Und als große Verfecheterin des Feinstrickpullis kann ich nur sagen: Es gibt da definitiv sommertaugliche Varianten, vor allem fürs nicht tropische Hansestädtchen. Vielleich könnte ja auch eine etwas verlängerte Culottes eine Hosenmöglichkeit sein? Da gibt es zur Zeit eine ziemlich große Auswahl an Schnitten, falls das nicht zu “out of character” ist.

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    1. Das ist ja ne schöne Seite! Klassisch und schlicht findet man ja gar nicht so oft. Tja, und die Pullis – es gibt supertolle 20er-Looks mit Pullovern. Vielleicht müsste ich mir eher mal Gedanken über das Drunter machen, so dass man den Pulli ggfs. einfach ausziehen kann, ohne gleich im Hemd dazustehen. Hmm …

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